Rajasthan – im Reich der Maharaschas

Rajasthan – im Reich der Maharaschas

 

Mittwoch, 25.10.2017

 

Delhi

 

MEIN MOTTO FÜR HEUTE:

WAHRNEHMEN MIT ALLEN SINNEN! OPEN YOUR EYES!!!

 

Endlich da in Indien! Der Tag war gestern wie ein Sesam öffne Dich für mich. Vorfreude auf die Reise und einige Hürden, die ich tatsächlich überwinden musste um mein Kindheitstraum zu erfüllen. Stress mit den Anschlussflügen und nur 1 Stunde Zeit um den Flieger nach Indien, Delhi, zu bekommen und eine Kontrolle nach der anderen am Frankfurter Flughafen. Ewig lange Wege vom Terminal zum Terminal, ein Gerenne ohne Ende, dann eine Passkontrolle – unendliche Schlangen, wieder Gerenne, danach eine Sicherheitskontrolle, ebenso lange Wartezeiten, nochmals Gerenne und dann die Visumkontrolle vor dem Gate…und die Dame meinte noch ich reise mit dem Visum zum 2. Mal ein…was für ein Nervenkitzel…wer schafft das noch im hohen Alter? Zum Glück bin ich noch jung und fit.

 

Das Land der Könige – der Maharadschis und Sultane, Rajasthan, wartet auf mich – ein Traum geht in Erfüllung und alle Strapazen der letzten Stunden lösen sich im Nichts auf!

Paläste von 1001 Nacht, die grössten historischen Bauwerke ganz Indiens, Festlichkeiten, Traditionen, Kulturen und Religionen und vieles mehr werde ich in den nächsten 2 Wochen bei einer von mir organisierten Rundreise mit Privatchauffeur begeistern! Eigentlich liebe ich Reisen, die von mir mit allen möglichen Transportmitteln organisiert sind, aber dieses Mal habe ich mich für eine geplante Rundreise durch Rajasthan entschlossen, um ein wenig zu enspannen bevor meine längere Reise auf eigene Faust durch weitere 3-5 Länder Asiens losgeht.

 

Der Start und Anfangspunkt meiner Reise ist Delhi. Ich erlebe Delhi weit anders

als erwartet. Ich stellte mir immer eine schmutzige Groβstadt mit absolutem Verkehrschaos vor mit Smog, Gewalt, Verbrechen, unendlich vielen Bettlern, armen Menschen und nicht unbedingt sehenswert. In Delhi angekommen sehe ich Delhi morgens um 2 Uhr sehr gelassen und entspannt. Ich werde am Flughafen in Empfang genommen mit einer Blumenkette und einem freundlichen Empfangskomitee, das mich zum Auito und zum Hotel begleitet.

Auf dem Weg zum Hotel ein verkehrsberuhigtes Delhi, ohne Lärm und Autoschlangen, sauber, gepflegt und übersichtlich. Sehr grün und vielen Parkanlagen. Ist das wirklich Delhi? Als ich in die Strasse, in der mein Hotel ist einbiege, errschrecke ich: Eine Geisterstadt. Nicht mal Autos aber ewig viel Müll auf der Strasse und keine Menschenseele. Und mittendrin ein feudal beleuchteter Hotelpalast im Art Deko Stil. Eine Fatamorgana?

Der Direktor der örtlichen Agentur erwartet mich bereits. Er spricht mit mir alles weitere für meine Rundreise ab und ich werde in mein schnuckeliges Zimmerlein gebracht, wo der Strom knirscht und in dem mich eisige Temperaturen erwarten. Es ist inzwischen bereits 4 Uhr morgens und ich falle todmüde in mein grosses Bett.

Um 9 Uhr klingelt der Wecker…kurzer Schlaf. Ich wundere mich, dass ich überhaupt schlafen konnte, das Hausdamenbüro ist direkt neben meinem Zimmer…das Geschnatter und Telefongeklingele hat mich seltsamerweise nicht wachgerüttelt. Gott sei Dank. Eine unerwartete Regendusche über mir macht mich wach – darauf war ich nicht gefasst, eigentlich wollte ich nur den Duschkopf bedienen und jetzt ist alles nass. Koffer packen und ab zum Frühstück. Hier werde ich wortwörtlich ins eiskalte Wasser geworfen – von wegen kontinentales Frühstück – das kommt mir alles sehr indisch vor…keine Ahnung was das alles ist aber ich probiere mich durch…ein wenig scharf aber lecker…und der Chai Tee göttlich.

Mein Fahrer Manog erwartet mich bereits…ich habe eine spanische Verspätung von 13 Minuten…nicht ganz deutsch! Ich trete vor das Hotel und erkenne die Umgebung kaum wieder. Verkehr ohne Ende und überall Basare, Läden und Juweliere. Kaum wiederzuerkennen. Auf dem Weg ins Old Delhi habe ich nun den Salat: Chaotischte Verkehrsverhältnisse! Stunden um sich fortzubewegen!

Good Morning Delhi!!! Mein Fahrer fragt mich, ob ich indische Musik mag, ich sage ja, und er grinst, er meinte das Hubkonzert von tausenden von Autos, Mopeds etc…unerträglich und unüberhörbar! Wäsche an den Strassenrändern soweit das Auge reicht…der Smog hier macht wahrscheinlich die weisse Wäsche noch schmutziger als sie vorher war! Hier da wuselt einer über die Strasse. Wieviel Verkehrstote hat Indien pro Tag? Und Affen? Mitten in der Stadt auf sämtlichen Stromkabeln, Dächern und Autos. Das glaub ich jetzt nicht. Die Stadt ist quirlig und lebendig und irgendwie wunderschön mit den alten kolonialen Gebäuden hat sie eine Art Magie, die das ganze Drumherum vergesssen lässt.

Wir kommen nach einiger Zeit endlich in Old Delhi an. Einfach faszinierend.

Die ursprünglichen Stadtmauern erstrecken sich auf 11 km und schliessen das mächtige Rote Fort mit ein, dass wir leider nur von aussen betrachten können.

Der erste Besuch den wir abstatten ist die grösste Moschee Indiens, die Jami Masjid. Überwältigend und fast an das Taj Mahal erinnernd. Sie steht majestätisch auf einem kleinen Hügel, der unendliche Ausblicke auf Delhi gewährt. Wir werden gebeten unsere Schuhe auszuziehen und natürlich bietet man uns gleich zu überteuerten Preisen Slippers an – wer will bei den Massen schon barfuss eine Moschee betreten? Wir werden aufgefordert einen Talar anzulegen, der sich wortwörtlich für mich als Stolperfalle erweist – irgendwie trete ich immer auf den Talar. Die religiöse Anlage ist riesig, vor allem das grosse Waschbecken, in dem sich die Gläubige vor Ihrer Andacht waschen können. Unzählige Familien und Menschen kommen aus allen Himmelsrichtungen. Es gibt grosse Eintrittstore im Norden, Westen und Osten. Ich betrete das Minarett und begebe mich durch den dunklen Treppenaufgang nach oben, um einen noch besseren Rundblick auf Old Delhi zu erhaschen. Was für ein Kabelgewirr und Häuserurwald. Sogar Affen tummeln sich auf den Stromleitungen – unglaublich aber war. Von weitem sehe ich das alte Fort. Gigantisch und von Smogwolken umgeben. Direkt neben der Moschee befindet sich die Altstadt und ihre sämtlichen Basare. Hier führt es uns als nächstes hin. Dieses Mal mit dem Tuk Tuk. An einer kleinen Fressbude am Strassenrand, besorgt sich meine Reiseleiterin ein „breakfast on the run“…welch himmlische Düfte. Sie hat einen Bärenhunger und während wir uns mit den Tuk Tuk durch die verwinkelten Gassen schleusen verschlingt sie es hungrig. Die Strassen hier sind so uneben und hinzu noch mit Kopfsteinpflaster, dass es uns im Tuk Tuk  hin – und her schmeisst…nichts für Seekranke. In den Basaren wird wortwörtlich alles an den Mann gebracht, vor allem aber Schmuck ist hier erwerbbar. Es wird gehandelt und gefeilscht. Der nächste Weg führt uns mit unserem Auto zum alten Fort um einen kurzen Blick auf die immensen Stadtmauern zu werfen. An den Ampeln belustigen uns Lady Boys in Saris gehüllt – ich dachte die gibt es nur in Thailand? Die hängen sich wortwörtlich mitten im Verkehr an die Autos und lassen sich nicht los, bist Du eine kleine Spende gibst – auch eine gute Methode um an Geld zu kommen.

Was bei keinem Delhi Besuch fehlen darf ist das Mahatma Gandhi Memorial.

Wir besuchen auch das Gandhi Smitri – das Birla Haus, in dem Gandhi die letzten 144 Tage seines Lebens verbracht hatte, bevor er erschossen wurde.

Ein imposantes Kolonialhaus in einer grossen, grünen Gartenanlage. Das Museum im Birla Haus präsentiert sehr ausführlich und berührend das Leben Gandhis. Gandhi – ein wirkliches Idol Indiens!

Weil wir durch den ewigen Stau in Delhi schon ziemlich spät dran sind, bleibt keine Zeit auf unsere Reservierung in einem Restaurant zu warten und wir begeben uns zu einem Gourmet Schuppen namens MC Donald. Hier nehme ich  den besten take away Chicken Massala Hamburger meines Lebens zu mir, den ich im Auto verschlinge. Weiter geht es – zum Lotustempel. Ein Tempel der an die Sydney Opera in Australien erinnert – in Lotusform. Wieder entledige ich mir die Schuhe…dieses Mal allerdings barfuss, weil ich meine Slippers im Auto gelassen hatte. Man muss sich in Reih und Glied anstellen und im Gänsemarsch in die Tempelstätte gehen. Der Tempel selber ist sehr modern und futuristisch.

Nach meiner kleinen Andacht, Meditation und in mich gehen, mache ich mich bei Sonnenuntergang auf den Weg zurück zu meinem Fahrer und meiner Reiseleiterin. Natürlich fehlt uns jetzt noch ein Outlet – die Reiseleiterin hat natürlich Hoffnung, dass ich viel einkaufe, schliesslich steht ja Weihnachten vor der Türe und sie bekommt ordentlich Kommission. Leider ging der Schuss nach hinten los. Nachdem man mir fast 40 Minuten überteuerte Saris, Bettüberwürfe, Kissen und Schmuck bei einem gratis Getränk präsentiert hat, gibt es der Verkäufer auf – ich bin nicht bereit auch nicht aus Mitleid diese Dinge einzukaufen und noch 4 Monate mit mir rumzuschleppen.

Was jetzt noch auf dem Programm fehlt, ist das Indian Gate. Ein Wahrzeichen Delhis. Keine Ahnung warum meine Reiseleiterin mir das nicht am Morgen gezeigt hatte – von Neu-Delhi nach Alt Delhi zurück brauchen wir solange, dass wir unterwegs an einer Imbisstube halten und am Strassenrand unser verfrühtes Abendessen zu uns nehmen, bevor wir das Indian Gate bei Nacht hell erleuchtet leider nur aus dem fahrenden Auto sehen können. Anscheinend kann man dort nicht halten. Fragt mich einer nach Logik, warum man dann überhaupt eine solange Fahrt im Stau auf sich nimmt. Aber immerhin, jetzt habe ich das Indian Gate gesehen – erinnert mich irgendwie an das Triumph Tor in Paris…nicht so verschnörkelt aber immerhin sehr beeindruckend.

So – genug gesehen und zurück zu meinem Hotel. Bollywood direkt neben dem Hotel? Wow! Direkt neben dem Hotel gibt es eine Basarstrasse, die anscheinend bei Nacht erst richtig zum Leben erweckt und es gibt Strassenzüge weit Läden, die Saris in allen möglichen Farben und Angelegenheiten verkaufen. Es tummelt nur so von Indierinnen, die sich mit ihren Freundinnen ein neues Prachtstück ergattern möchten. Ich gehöre auch dazu, gebe es letztendlich aber auf, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann…grüner oder rosaroter Prunk mit künstlichen Edelsteinen oder dann doch lieber einen knallroten Seidensari mit weissen aufgenähten Perlen? Prinzessin, was machen wir denn da? Hmmm… weil das ganze Bündel mit Sari Oberteil, Hose und Schal schon bereits den halben Platz in meinem Koffer einnimmt, lasse ich das ganze mal besser sein.

Jetzt freue ich mich aber auf mein Bett…bevor mich der Jet lag zu Boden reisst.

 

 

Donnerstag, 26.10.2017

 

Delhi – Mandawa  265 km, 6-7 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

ES IST WIE ES IST…LASS DICH EINFACH ÜBERRASCHEN ODER „IN DER RUHE LIEGT DIE KRAFT“.

 

Statt dem bestellten Jeep steht heute Morgen ein alter Toyota Etios vor der Türe. Hmmm…ich bin echt nicht anspruchsvoll, aber ich bin ja ziemlich gross und brauche wegen meinen langen Beinen einfach eine sogenannte Beinfreiheiit – und ausserdem übersieht man alles ein bisschen besser, wenn man „höher sitzt“…ich fahre nun mal mit Vorliebe mit den Einheimischen Bussen und obwohl sehr eng, behält man den Überblick! Den Luxus eines Geländewagen wollte ich mir einfach gönnen. Nichts desto trotz, anscheinend interessiert es hier keinen…hauptsache ich habe einen fahrbaren Untersatz, ganz egal wie der aussieht…es ist wie es ist, ich kann an der Situation nichts ändern, also beschliesse mich zurückzulehnen und zu entspannen.

 

Delhi in den frühen Morgenstunden zu verlassen ist nicht wie Morgenstund hat Gold im Mund. Es ist tatsächlich wie ein grosser Hindernislauf. Es gibt zwar den sogenannten Rechtsverkehr, den englischen Kolonialzeiten zu verdanken, aber keiner scheint sich daran zu halten geschweige denn sich daran gehindert zu fühlen aus einer 3 spurigen Fahrbahn eine fünfspurige zu machen, einfach so…warum auch nicht, solange Platz dafür ist? Die Inder denken wahrscheinlich: warum hat man überhaupt Rechts- und Linksverkeht, wenn sich eh keiner daran hält? Solang sich die anderen nicht daran stören, dass ich mich wie eine Schlange durch den Verkehr schlängele?

Wie auch immer, der Verkehr funktioniert hier anstandslos! Immer die Nerven behalten…der Geländewagen wäre mir in solchen Situation allerdings dann etwas lieber…

Wir passieren an sämtliche Parkanlagen und begrünte Alleen – ich bin sehr angenehm überrascht, ich glaube ich habe in meinem Leben noch nie eine so grüne Stadt gesehen!

 

Auf den Weg nach Mandawa habe ich irgendwie eine total karge Landschaft erwartet. Scliesslich ist hier nicht unweit die Wüste Thar mit wandernden Sanddünen. Stattdesssen begegnet mir hier eine sehr flache Landschaft mit sehr viel Ackerbau und recht begrünt…ganz und gar nicht karg. Wenn auch die Temperaturen sehr heiss sind, eben wenn man der Wüst sehr nah ist. Es ist Winter hier, und trotzdem kletter das Termometer allmählich auf ca. 34 Grad.

 

So wie es aussieht werden hier Bausteine aus der roten, trockenen Erde gewonnen und gebrannt. Viele unendlich hohe alte Kamine sind stille Zeugen dieser Begebenheit. Ausser Landwirtschaft ein weiterer Einkommenszweig in dieser Region.

 

In dieser Gegend fangen dann auch andere Transportmittel an. Es wird dann mal halb eben eine Kuh, einen Esel oder ein Kamel vor den alten Holzwagen gespannt. Ja, ihr habt richtig gehört Kamele! Und wenn die lieben Tiere „arbeitslos“ sind, dann lungern sie eben am Strassenrand rum oder gehen auf der Strasse spazieren…einfach so. Wenn die Inder schon keine Verkehrsordnung haben, warum also die Tiere? Ich komm mir hier allmählich vor wie auf der Ralley Paris – Dhakar. Oder besser gesagt der Mandawa Highway. Und wenn ein Fahrer von eimem Lkw müde ist, dann hält er halb mitten auf der Strasse an, setzt sich in den Schatten seiner Reifen gleich neben der Fahrbahn und spielt Karten mit seinen Kollegen. Es ist äusserst interessant dem ganzen Treiben von der Rückbank meines fahrbaren Untersatzes zu betrachten. Ich wollte eigentlich schlafen und hatte mich auf Einöde vorbereitet, stattdesssen finde ich immer wieder interessante Fotomotive durch die chaotischen Dörfer und Kleinstädchen, die wir passieren und fast überall muss heute Markt sein. Markstände an den Strassen entlang und tausende von Menschenmassen, die die Strassen überqueren, einkaufen, handeln, essen oder einen Plausch halten. Für mich gefundenes Fressen für Fotomotive aus dem fahrenden Auto – da muss ich wenigsten nicht lang um Erlaubnis fragen. Die vielen bunten Märkte und Farben und die ganzen indischen Frauen in ihren bunten Trachten und Saris faszinieren mich. Die indischen Männer begleiten das Schauspiel. Eigentlich sollte ich das alles von meinen ganzen Reisen schon gewohnt sein, aber meine Begeisterung ist einfach so gross, dass ich immer wieder auf den Auslöser drücken muss. An einen Stopp oder einer Pause ist nicht zu denken, wir haben einfach noch einen zu langen Weg vor uns. So riskiere ich meine Schappschüsse eben weiter aus dem Fenster.

 

Die erst Pippibox und Essenspause legen wir nach vier Stunden ein. Ich hätte zu gerne auf einem der Märkte mein Glück versucht, stattdessen hält Manog an einem Hotelresort mit einem schönen Gartenrestaurant an, das Büffet für „erschwingliche“ umgerechnete 10 Euro für Massentourismus anbietet. Da vergeht mir der Appetit. Bei den Strassenlokalen bekommt man es für 1-2 Euro. Als ich mich umschaue, gibt es weit und breit aber nichts zur Verköstigung und aus der Fahrerkantine in einem dunklen Schuppen nicht unweit vom Hoteleingang sehe ich leckere Reisplatten auf den Tischen. Mein Fahrer begleitet mich leider gleich wieder raus, als ich mit ihm essen will. Die Touris haben hier nichts zu suchen….Gandhi wurde damals aus dem ersten Klasse Wagen im Zug befördert weil er dunkelhäutig war. Apartheid Indiens des vergangenen Jahrhunderts. Und jetzt bin ich dran…Apartheid des 21 Jahrhunderts…weil ich Touri bin.

 

Jetzt begebe ich mich erstmals auf die Pippibox bevor ich weiter sehe, was ich nun essen will…Gott sei Dank habe ich noch einen Apfel und einen Muffin von Frühstück. Der Baksisch (Trinkgeld) geht mir hier schon nach 2 Tagen auf den Keks. Egal was Du tust oder machst, immer hält jemand die Hand offen und fordert nach Geld. Und das nicht zu wenig. Für Toilettenbesuche lasse ich alleine an einem Tag bereits schon 2-3 Euro. Ich glaube ich kaufe mir Kürbistabletten. Bei allem anderen lasse ich hier am Tag umgerechnet 16 Euro an Trinkgeldern zurück. Alleine die Reiseleiter fordern pro Tag 8 Euro, ebenso der Fahrer. Man bekommt vorgeschrieben, was man ihnen geben soll. Sie verdienen so wenig und machen alles von den Touristen abhängig zu überleben. Aber selbst für uns ist das viel Geld, wenn man bedenkt, was wir schon alleine für unsere Reise ausgegeben haben. Das steht in keinem Verhältnis in einem Dritten Welt Land.

 

Letztendlich bekomme ich meine Chance auf ein leckeres Take away vom einem Stand am Strassenrand. Momos mit Linselgefüllt…hui…die sind sehr köstlich wenn auch sehr pikant. Aber Hauptsache was in den Magen. Jetzt fehlt nur noch was zum Trinken.

Hier gibt es für alle Tongefässe mit Wasser gefüllt am Strassenrand, das ist umsonst! Tolle Sache. Da getrau ich mich nicht unbedingt ran…aber das hat andere Gründe.

 

Nach sage und schreibe 7 Stunden kommen wir endlich in Mandawa an.

Mir verschlägt es die Sprache. Wir sind zurück im 19 Jahrhundert! Das Örtchen ist bekannt für seine sogenannten Havelis, bemalte Kaufmannshäuser aus längst vergangenen Zeiten. Die Aussenwände der Häuser sind mit vorspringenden Balkonen und überhängenden Stockwerken mit riesigen Eingangsportalen aus Holz. Fast arabisch anmutend – immerhin war ein Architekt von dazumal aus der arabischen Welt. Die Malereien an den Gebäuden erzählen die Geschichte lang vergessener Zeiten wie zum Beispiel Muster und Bilder aus religiösen Zeremonien, traditionelle rajasthanische Frauen, viktorianische Mode von dazumal, indische Meutereien uvm. In den Havelis selber fühlt man sich wie in 1001 Nacht. Grosse Innenhöfe und Säulen, antike Möbel und hier und dort ein Nischchen und kleine Fensterchen. Ein imposantes Fort inmitten des Ortes ist heute ein berühmtes Hotel hier und ebenso ein altes, super schönes von aussen und innen bemaltes Haveli.

Bei einem Rundgang durch das Dörfchen werden mir einige Havelis von meinem örtlichen Reiseleiter von aussen gezeigt und in einigen von ihnen werde ich hineingeführt um in das Leben von dazumal hineinzuspüren – ich kann einfach nicht genug bekommen. Herrschaftlich, prunkvoll und verträumt schön. Ich kann mir so richtig das Leben in dieser Zeit und in diesen Palästen vorstellen und wie die hübschen Kaufmannsfrauen in ihren prinzessinnenartigen Saris aus Seide zur instrumentalen indischer Musik durch die Säle gleiteten und wie die Pachas mit ihren herrschaftlichen Turbanen ihre Opiumpfeifen auf dicken Sitzkissen in den verwinkelten Ecken der Erkers rauchten.

Die Kulisse drum herum passt ebenso. Vermummte Inderinnen in ihren Saris, das ist hier Tradition: verheiratete Frauen haben einen Schleier über ihren Gesichtern zu tragen, beschäftigte Männer an ihren notbedürftigen zusammengenagelten Marktständen, spielende schmutzige Kinder an Pfützen, weisse Kühe neben einem Essenstand und vor einem Laden pinkelnd, Hunde die sich raufen und Klänge einer nicht weit entfernten Moschee. Das ist Rajasthan…Zeuge der Vergangenheit, Kulisse meiner Kindheitsträume! Und das Hotel, ein durch und durch bemalter Haveli mit einem schmucken Innenhof und zuckersüssen Zimmerchen mit grossen Eingangsportalen und bunten Glasfenstern. Mein örtlicher Führer hat keine Chance mich in seinen Bazar zu halten…nach einem Chai Tee bei ihm will ich los und noch mehr zu sehen…zu neugierig was mich hier noch alles erwartet, morgen früh geht es ja leider schon weiter und mir bleibt nicht viel Zeit. Durch den Markt und noch viele weitere Havelis halten mich im Atem. Mein Hunger treibt mich schliesslich in einen verträumten Haveli mit einem Restaurant auf dem Dach mit Blick auf das alte Fort. Mein Magen knurrt. Leckeres indisches Essen natürlich, was denn sonst?

Auf dem Rückweg im Dunkeln zieht mich indische Musik magisch an, die aus einem Sikh Tempel kommt…und innerhalb von wenigen Sekunden ziehe ich die Schuhe aus und sitze bei den Musikanten neben dem Altar und höre ihren hypnotisierenden Klängen zu. Ein schöner Abschied vom Tag. Draussen ist es inzwischen dunkle Nacht, kein Strom mehr und nur noch vereinzelt ein kleines Lichtchen und alles ist geschlossen…markierende Punkte, die ich mir eingeprägt habe, um zum Hotel zu finden sind nicht mehr zu sehen. Dunkle Gestalten…mir wird mulmig…Ich habe mich in einer Gasse verirrt und keiner versteht englisch. Viele Männer sitzen im Dunkeln vor ihren alten, verfallenen Häusern – und keiner bedroht mich oder macht mir Angst. Einer der Indier zeigt mir dann schliesslich den Weg…Tja, von wegen Orientierungssinn liebe Tina…und von wegen bedrohlich wie viele Touristen von Indien sagen. Keiner der Männer machte mich doof an oder folgte mir. Alle waren freundlich und fragten allerhöchstens wo ich herkomme. Ein Pluspunkt für die Männer hier!

Die Rezeptionisten im Hotel waren erstaunt, als ich zu so später Stunde im Hotel eintrudelte. Ab ins Bettchen! Hoffentlich können meine Zimmernachbarn gut schlafen! Mein Holzbett quitscht unendlich bei jeder Drehung…

 

Freitag, 27.10.2017

 

Mandawa – Deschnok – Bikaner  170 km, 3-4 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

KURIOSITÄTEN UND ANDERE DINGE!

 

Das Frühstück im Hotel war heute mal Birjani Reis und einer der besten Porridges mit frischen Bananen den ich je in meinem Leben gegessen habe.

Der Chai Tee darf natürlich keinesfalls fehlen.

Ich ziehe nochmals in aller Ruhe durchs Dorf, es ist noch ziemlich früh…so gegen 8 Uhr und es herrscht reges Treiben in den Strassen und Gassen und auf dem Markt. Natürlich sind die heiligen Kühe auch schon wach und fressen die Reste aus den Abfalleimern oder was noch übrig blieb: Plasiktüten, Einwegbecher, Blätter und sonstigen Dreck. Die Müllabfuhr Mandawas scheint mir…wenn die Kühe hier so heilig sind, dann sollte man sie vor einer so äusserst schlechten Nahrung bewahren…das kann nicht lange gut gehen.

Wie auch immer, ich lasse mir meine Morgenstimmung nicht trüben. Mein „Morgen Chai“ ist auch schon gesichert, ein Musiker vom Sikh Tempel erkennt mich wieder und lädt mich in seiner Cafebude zum Tee ein. Ein herzliches Volk hier in Mandawa – irgendwie familiär und es fällt mir schwer zu gehen – am liebsten würde ich noch einen Tag verweilen, aber mein straffes Programm lässt es leider nicht zu – das ist der Nachteil einer gebuchten Rundreise!

Allmählich wird die Landschaft ausserhalb Mandawas sehr einödig und verlassen. Kein Dorf in sicht oder interessante Begebenheiten oder Fotomotive. Ich bin entspannt und ruhe mich ein wenig aus.

Nach guten 4 Stunden kommen wir in endlich Deshnok an. Bekannt ist dieser Ort für seinen Rattentempel, den Karni Mata. Entschlafene Seelen sind hier vom Todesgott Yama bewahrt worden, indem sie als Ratten wiedergeboren wurden.

Tausende von Gläubige pilgern hier tagtäglich hin um den Ratten ihre Ehre zu erweisen und hinterlassen Opfergaben in der Tempelstätte. Es ist wie eine Wohlfahrtseinrichtung für tausende von Ratten. Es stehen ihnen ewig viele Räumlichkeiten zur Verfügung mit Hamsterrädern, Betten, Milchschalen, Fressnäpfen mit geopferten Fressen der Pilgerer und einige mehr absondere Ideen um die Ratten zu unterhalten.Trotzalledem sehen die Ratten nicht besonders gesund aus. Es schleppen sich einige Ratten krankhaft durch den Tempel und hin und wieder liegt eine tote in einer Ecke oder mitten auf dem Weg. Es stinkt bestialisch in der Tempelanlage und ich stapfe ohne Schuhe aber mit Pantoffeln und muss bei jedem Tritt aufpassen, dass ich auf keine Ratte trete…ich glaube die würden mich hier den Ratten zum Frass vorwerfen sollte das der Fall sein. Ich halte tapfer durch und werde auch zum Fotomotiv der Pilgerer. Aber die Pilgerer werden auch zu meinem Fotomotiv, als sie stolz vor mir mit ihren Babies posieren und vor den Ratten knien und das Rattenfutter esssen, da dies besonders heilig für sie sein soll und Glück bringt. Igitt Igitt…

Genug…jetzt kann ich echt nicht mehr länger bleiben. Desinfektion ist angesagt…

Meine Reise geht weiter…bald bin ich in Bikaner, mal sehen was ich von hier aus spannendes zu berichten habe…eine gute halbe Stunde später, so um 14 Uhr, sind wir auch in unserem Haveli Hotel, dass sich ein wenig ausserhalb befindet.

Das Hotel ist super nett und gemütlich und am Empfang habe ich das Gefühl, dass ich gleich auf die Jagd gehe. Alles mit dunklen Holzbalken und einer handbemalten Wand mit roten & goldenen Mustern. Überall hängen Bilder sämtlicher Generationen der Maharaschas von Bikaner. Einer ist mit einem erlegten Tiger abgebildet – rings herum sämtliche Jagdwaffen. Antiquitäten und ein Gramophone dekorieren noch den Raum. Dieses Mal habe ich das Glück kein quitschendes Bett zu bekommen, sondern ein wunderschönes orientalisches Eckzimmer mit zwei seitlichen Erkern mit bunten Glasfensterchen und ein riesiges holzgeschnitztes französisches Bett. Die Decke ist wunderschön mit bunten roten Blumen und mit Gold bemalt. Heute Nacht werde ich also mit Blumendeko an der Decke wie auf einer Blumenwiese göttlich schlafen! Ein Löwe, der mich bewacht, steht in Form einer Nachttischlampe neben mir. Da kann ja nichts mehr schief gehen…selbst wenn ich bis in die letzte Etage und ohne Aufzug meinen 15 kg schweren Koffer nach oben tragen muss! Der Page hat anscheinend heute frei.

Mit der Stunde Ausschnaufpause marschiere ich umgehend in das Hotel-restaurant. Stromausfall und kein Ventilator geschweige denn eine Klimaanlage. Das wird ja gleich heiter, wenn ich mein scharfes Gemüse mit Reis serviert bekomme und ordentlich ins Schwitzen kommen werde.

Um 15 Uhr erwartet mich mein Reiseleiter Mohammed. Ein sehr attraktiver und äusserst charmanter und symphatischer Mann. Los geht es zur Fort Junagarh. Eine mächtige Festungsanlage – ebenerdig und auf keinem Hügel, aber von einem Graben und einer hohen Mauer umgeben. Ein Prachtsymbol dieser Stadt und ein absoluter Wahnsinn, als wir diese Festung betreten. Ich fühle mich wie in der Alhambra in Granada…nur noch schöner und überaus anmutiger. Ein wirklicher traumhaft schöner Palast von innen. Rajasthan ist ja bekannt für diese königlichen Träume aus 1001 Nacht. Sämtliche Innenhöfe, Balkone und eine maurische Architektur mit Verzierungen aus Blumen und Symbolen sind über die gesamte Palastanlage verstreut und rauben mir den Atem! Der Thronsaal des Maharaschas, der Audienzsaal seiner Königin…alles mit Blattgold ausgemalt und abertausende Säulen mit schwerem Silber verziert und die Wände mit Rubinen, Smaragden und Diamanten überhäuft – eine Schatzkammer, die seines gleichen sucht! Die Gemächer des Herrschaftspaares sind ebenso luxuriös und sehr romantisch. Die Innenhöfe aus weissem Marmor mit grossen Brunnen, Wasserbecken und einem kleinen Pavillon. Vom Dach aus hat man einen Blick auf den riesigen Garten und auf Bikaner. Kann es noch besser werden? Wir begeben uns mit dem Tuk Tuk in die Altstadt. Enge Gässchen, die kein Platz für Pkw´s geschweige denn eine Kuh und ein Tuk Tuk nebeneinander lassen. Wir sind in dem Barra Basar Viertel angekommen, das uns um hunderte von Jahren zurückversetzt. Wieder einmal finden wir prunkvolle Havelis der Kaufmannsleute von dazu mal. Mit zu den schönsten Havelis zählen hier Rampuriya Haveli und Bhanwar Nivas Haveli, beide leider nicht zugänglich. Ein absolutes Muss ist jedoch der Jaintempel Bhandreshwar aus dem Jahre 1571! Er trohnt auf einem kleinen Hügel mit einem schönen Blick auf die Altstadt. Der Tempel ist voll mir Heiligenbildnissen aus Marmor und sehr kunstvoll komplett mit Blattgold und Emaille bemalt. Was Menschenhand nicht alles schaffen kann! Mohammed begeistert mich, er redet mit mir ein einmaliges spanisch und weiss bestens über sein Bikaner und seine Geschichte bescheid – und das auf eine sehr unterhaltsame und sehr informative Art und Weise! Die Krönung des heutigen Tages ist der Sonnenuntergang am Lalgarh Palast – ein Luxushotel und ehmaliger Palast aus rotem Sandstein. Der Palast ist immer noch im Besitz einer Fürstenfamilie aus Bikaner. Zum Abschluss werde ich natürlich wieder einmal in einen Laden für Verkaufszwecke von Mohammed geführt, dass scheitert – immerhin waren die Preise von Saris & Co Kg ca. 20-30% günstiger als in Delhi. Mich kann man trotzalledem nicht so schnell zum Einkauf verführen, solange es nicht ein klein bisschen günstiger ist als in Europa…Ich habe keine Lust zum Schleppen wenn ich es in Spanien eh zum gleichen Preis bekomme und dazu noch vielleicht mit hohem Zoll an der Grenze zur Kasse gebeten werde! Leider geht diese kurze Stadtführung sehr schnell zu Ende – ich habe nicht das Gefühl alles gesehen und hautnah erlebt zu haben…dafür war die Zeit in Bikaner zu kurz.

Im Hotel zurück, bin ich zu müde vom heutigen Nichtstun, dass es mich nicht nochmal in die Altstadt zieht – ich habe ja die Hoffnung auf Internet und meine Reiseberichte sollen ja auch nicht zu kurz kommen…Mich zieht es trotzdem nochmals kurz raus in die frische Abendluft mit einer mühsam erworbenen eiskalten Flasche Pepsi in der Hand (falsches Brandmarketing in indischer Schrift lies mich nicht auf Anhieb erkennen das das Pepsi sein soll), um festzustellen, dass auf der Strasse heute eh nur noch weisse Kühe, Rinder und Kälber auf der Strassenkreuzung neben dem Hotel aufzufinden sind und dadurch ein absolutes Verkehrschaos und Hubkonserte verursachen. Für heute widme ich mich also lieber ganz meiner Berichtserstattung bevor ich ins Bett falle und von Blumenwiesen in meinem kleinen romantischen Haveli Zimmerchen träume.

                                                                

Samstag, 28.10.2017

 

Bikaner – Jaisalmer  300 km, 7-8 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

VOR GLÜCK LAUT IN DIE WELT SCHREIEN! JA, ICH BIN DA IM HIER UND JETZT UND IN INDIEN!!! ICH BIN IN RAJASTHAN UND DANKBAR, DASS ICH DIESES MÄRCHEN VON 1001 NACHT WAHRMACHEN DARF!!!                                                  

 

Ich wache auf und habe letztendlich göttlich geschlafen…wenn es mich auch der ganze Chai Tee und die Pepsi zur guten letzten Stunde ziemlich lange vom schlafen abhielt. Ausgeschlafen bin ich ganz und gar nicht! Das Frühstück frittierter Reis mit Gemüse und ich wage mich an die Papaya und an den Apfel…Vitamine sind angesagt und mein Magen muss voll sein, wer weiss wann mich das nächste Essen erwartet?

 

Weiter geht es auf der Route der Seidenstrasse. Es wird wüstenhafter, auch die Temperaturen und die Einöde vertreibt jegliche Lust auf Aufmerksamkeit. Bei einem kurzen Boxenstopp genehmige ich mir eine Masala Soda – „die“ indische Mirando/Fanta. Minog ist stolz auf mich, dass ich sein Nationalgetränk probiere. Mit rümpfender Nase schlucke ich den ersten Schluck und halte die Luft an. Toilettenreiniger. Minog warte auf eine Antwort – ich meine nur zu ihm, dass es ein wenig streng schmecken würde, schliesslich will ich ihn ja nicht entäuschen.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Mein Magen knurrt. Meine Mittagspause verbringe ich dieses Mal definitiv in keinem Resort Hotel und ich vertröste mich dieses Mal nicht mit einem Apfel und einen Muffin um mein Hunger zu stillen. Das weiss ich jetzt schon! Es ist nur zu hoffen, dass der Fahrer auch irgendwo hält, wo es noch irgendeine Zivilisation unweit gibt und ich zu meinem „Snack“ komme. Mein Wunsch hat sich erfüllt und Manog hält und pausiert schon wieder in einem exklusiven Resort Hotel, aber dieses Mal nenne ich ihm die Uhrzeit, wann er mich hier wieder treffen soll. Zu kompliziert ihm auf Englisch zu erklären, dass ich nicht auf Touristenfang stehe…ich bin ihm eh schon zu exotisch und sein Englisch ist einfach nicht gut genug, um sich ohne Missverständnisse verständlich zu machen.

Ich werfe natürlich einen Blick in das Hotelrestaurant: sieht alles ziemlich dunkel aus und Menschenmassen stehen Schlange an einem Büffet – nichts für mich. Ich drehe mich auf dem Absatz um und gehe Richtung Hauptverkehrsstrasse. Sieht zwar mit den Kühen am Strassenrand und den Imbissbuden ein wenig westernmässig aus, aber das kriegen wir schon hin. Mich zieht es in ein Lokal, fast ein Saal, in dem keine Menschenseele sitzt…ein gutes oder schlechtes Zeichen? Kaum habe ich mich hingesetzt, schon werde ich von vielen Indiern hervorragend umsorgt. Eine Speisekarte gibt es sogar auch, aber ohne jeglichen Erklärungen. Immerhin sind die Speisen mit lateinischer Schrift und nicht in der indischen. Der Kellner versteht mich auch.

Ich bestelle irgendetwas mit Gemüse und lasse mich überraschen. Mein Chai Tee ist schon mal vorzüglich und irgendwann kommt er dann auch mit einer Platte an, wo ich eigentlich nur Joghurtsosse sehe, in dem sich kleinge-schnittenes Gemüse befindet. Es entpuppt sich als „indischer Taiziki“. Lecker.

Dazu das typische indische Brot mit Käse gefüllt – macht zwar nicht unbedingt satt, aber Hauptsache man hat was im Magen! Und auf wundersamer Weise tat mir das Essen gut – von wegen einheimisches indisches Essen, das eventuell Probleme verursacht! Ich überlege. Kurz bevor ich gehe kommen dann doch zahlreiche Inder zum Mittagessen. Bei diesen günstigen Preisen! Pünktlich wie die Eieruhr stehe ich Minuten später wieder für den Fahrer zum Abholen bereit.

Weiter geht es auf der neu erbauten Autobahn, die plötzlich aufhört. Manog fährt sich bestens auskennend links von der Autobahn ab. Es kommt eine vom Sand verwehte Strasse, die ins nirgendwo führt – das kann ja heiter werden…ich glaube wir brauchen doch länger um endlich ans Ziel zu kommen. Urplötzlich dreht Manog um – er hat sich Gott sei Dank verfahren…also es gibt doch noch ein Ankommen in Jaisalmer heute! Die Sonne brennt auf uns, sogar im Auto versagt bald die Klimaanlage – das ist der indische Winter…bei Durchschnittstemperaturen um 34 Grad…im Sommer steigen die Temperaturen auf 50 – 60 Grad meint der Manog. Kein Wunder hier ist im Sommer Nachsaison. Jetzt kommt noch hinzu, dass ich nicht mehr sitzen kann, schlafen will ich nicht und spanische Musik & Salsa auf meinen Ipad zu hören geb ich auch bald auf. Ich lasse mich einfach mal die Stille geniessen und hoffe dass wir bald ankommen. In der Zwischenzeit wird auch mal Manog in seinem gebrochenen Englisch gesprächig. Er erklärt mir, das Jaisalmer im sogenannten Dreiländerdreieck zwischen Pakistan und Afghanistan liegt…das erklärt also die kilometerlangen Militärkonvois, die wir schon seit Stunden überholen…und dass hier früher die Schmugglerecke überhaupt war und deswegen Jaisalmer immer noch mit das günstigste „Revier“ ist um Silber und Souvenirs zu kaufen…da bin ich dann aber mal gespannt…Jaisamer…die goldene Stadt. Endlich sehe ich sie schon von weitem auf ihrem Hügel thronen…die goldene Stadt! Mit einer mächtigen Stadtmauer leuchtet sie uns in der Spätnachmittagssonne verheissungsvoll entgegen. Kurz danach kommen wir auch schon im Hotel Langarh Fort & Palace an, das am einem kleinen Hang liegt. Das vor acht Jahren neuerbaute Hotel sieht von aussen aus wie ein beeindruckender alter Haveli mit einer überaus schön verzierten Steinfassade mit kleinen Balkönchen und Erkerchen. Zu seinen Füssen in ca. 3 km Entfernung liegt Jaisalmer. Das Hotel bietet einen einmaligen Blick auf die Festung Jaisamers und das Zimmer, das ich zugeteilt bekomme ist die absolute Krönung: Eine Suite mit Erkerchen und Blick von meinem Gemach aus auf die Festung Jaisamer. Herzlich Willkommen Prinzessin! Auf dem Dach des Hotels ist ein Restaurant, dass vor allem bei Nacht aufgrund seiner sensationellen Aussicht auf die Festung und seiner hervorragenden einheimischen indischen Küche sehr bekannt ist. Ich werde sehr herzlich willkommen und fühle mich gleich willkommen in meinem neuen Reich! Das einzige was mich allerdings misstrauisch macht sind Wildschweine im Hotelhof! Wildschweine??? Wo ist der Wald? Das ist für mich unerklärlich…solange sie mir nicht ihre Wildschweinzähne zeigen lasse ich sie walten…Kurz frisch gemacht und mich kann nichts mehr halten…ab zur Altstadt und Festung…meinem Orientierungssinn steht nichts im Wege. Das Hotel liegt an einem Hügel und somit unübersehbar…ein Kinderspiel später zurückzu-finden! Der Rezeptionist kopiert mir eine Stadtkarte, erklärt mir kurz den Weg und auf los geht es los. Ich bummle durch die Vorstadtstrassen und einem altertümlich anmutenden Basar in Richtung Festung Jaisalmer. Innerhalb der Stadtmauer und Festung wohnen sage und schreibe ca. 3000 Einwohner. Zur Stärkung nehme ich mir am Fusse des Stadttores noch einen Chai Tee zu mir bevor ich die Festung erklimme. Jaisalmer ist der absolute Wahnsinn! Ich gehe durch 3 riesige Stadttore bevor ich in das eigentliche Altstadtgetümmel und Labyrinth gelange. Rund um mich rum Souvenirgeschäfte, Mauern und unzählige Märchenland Rajasthan Paläste einer schöner als der andere. Jain Tempelstätte noch und nöcher. Angkor Watt gleich in Miniaturformat.Träume ich oder hat mir jemand was in meinen Chai Tee getan? Opium? Land der Legenden, Land der Fantasien? Worte reichen hier nicht mehr aus, um diesen Reichtum an Architektur und Schönheit zu beschreiben! Ich bin ÜBERWÄLTIGT, SPRACHLOS, GÄNSEHAUT!!! Ich schleiche durch die Gässchen wie Cinderella im Wunderland. Alle indische Frauen, die mir hier begegnen, kommen mir in ihren edlen Gewändern vor wie Prinzessinnen…wahrscheinlich lässt sie ihr magisches Umgebungsfeld noch verzauberter für mich erscheinen. Der Bazar super reizvoll, sicherlich finde ich heute noch Aladins Wunderlampe, dann wäre der Traum perfekt! In der Zwischenzeit wirft sich das Abendrot auf den roten Sandstein der Paläste. Schnell zum Sonnenuntergang am Rande der Stadtmauer. Ich entdecke ein süsses kleines Haveli Cafe namens KUK KUK, das zwei Brüdern gehört und eine Dachterrasse mit Blick auf die Halbwüste und auf die Vorstadt von Jaisalmer freigibt. Sonnenuntergang bei einem Ingwertee mit Milch und entspannte Gespräche mit den beiden Brüder lassen mich hier eine kleine Ewigkeit verweilen. Eine weitere Aussichtsplattform mit einer alten Kanone eröffnet mir noch mehr geniale Ausblicke…einfach unersättlich dieses Jaisalmer! Es ist bereits 21 Uhr und der Bazar hat bereits geschlossen…ich gehe immer noch gelassen und ohne jegliche Touris durch die Altstadtgassen und erlebe das Leben der Einheimischen hinter offenen Türen, bekomme mit, wie sie kochen, vor ihren Türen mit ihren Nachbarn angeregt schwatzen, wie die Kinder auf den Strassen noch spielen, wie die Männer die Kerzen und Räucherstäbchen im ihren Havelis anzünden und werfe einen Blick hinter die faszinierenden Kulissen der indischen Grossfamilien. Auf dem Rückweg lasse ich mir noch bei einem Chai Tee „Souvenirs & Saris“ präsentieren, die sich preislich nicht unbedingt eh nicht lohnen würden. Tja, dann mal nach Hause…leichter gesagt als getan…ich sehe den Hügel, an dessen Fusse das Hotel steht, nicht!

Eigentlich sollte mir meine Erfahrung von Mandawa besseres belehren! Leider nicht! Ich verirre mich noch weiter in der kleinen, alten Vorstadt und dessen verwinkelten Gässchen und beschliesse schliesslich mit meinem Stadtplan Auskunft in einem Hotel einzuholen. Ich will lediglich wissen, wo ich mich befinde, damit ich meinen Rückweg mit Hilfe meines Stadtplans wieder finde. Stattdesssen passiert was für mich äusserst empörendes: Die beiden Indier des Hotels rufen in meinem Hotel an und 20 Minuten später steht einer der Eigentümer meines Hotels mit dem Motorrad vor mir und bringt mich „nach Hause“. Oh jehhhhhhhhhh!!! Wie peinlich! Ich entschuldige mich tausendmal!

Kharma meint er nur zu mir! In der Zwischenzeit sitze ich mit ihm auf der Dachterrasse seines Hotels, trinke „Fanta“ und spreche „spanisch“…er hat Freunde auf Mallorca. Sieh einer an wie die Welt klein ist!

Mein Dornröschenschlaf trete ich recht spät an – mir Blick auf die Festung Jaisalmers und mit netten Telefongesprächen auf Whatsapp mit zwei meiner besten Freunde. Endlich Internet! Heimat kann so nah sein!!!

 

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