Jaisalmer – Mitten im Nirgendwo

Jaisalmer – Mitten im Nirgendwo

Sonntag, 29.10.2017

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

EINMAL NICHT ANDERE BEFRIEDIGEN SONDERN MICH! WIE OFT TUN UND LASSEN WIR DINGE FÜR ANDERE OHNE IM EINKLANG MIT UNS SELBER!

AUF MEINE INNERE STIMME HÖREN UND MEIN ICH MICH TREIBEN LASSEN! EINFACH MICH GANZ AUF MICH KONZENTRIEREN, MEINE BEDÜRFNISSE!

                                                                

Jaisalmer 

 

Ein Aufwachen in meinem Palast! Mit Blick auf das imposante Jaisalmer Fort! Das Frühstück nehme ich auf der Dachterrasse meine Hotels zu mir ein. Ich sitze in einem kleinen Erker und überblicke Jaisalmer in Vogelperspektive während ich meinen Masala Tee drinke und meinen Reis mit Gemüse esse. Sehr lecker und ausnahmsweise einmal nicht so scharf. Um 9 Uhr wartet ein älterer, örtlicher Reiseleiter auf mich, der einen sehr seriösen und professionellen Eindruck macht. Wir ziehen mit dem Wagen los Richtung dem See Gadsisar, der im 14 Jahrhunder vom Maharadschi Gadsi künstlich errichtet wurde. Er diente als Wasserquelle für die Menschen und als Veranstaltungsort. Unweit davon liegen die Gedenk – und Begräbnisstätte Maharadscha Familien. Von hier aus hat man einen herrlichen Sonnenaufgang. Zugang zum See hat ein verträumtes Eingangstor. Zum Baden lädt der See schon lange nicht mehr ein – allerhöchstens zum Bootfahren – aber ich glaube die Ruder würden vor Dreck im See stecken bleiben und wir wären in äusserster Seenot. Zurück zum Auto sind viele Inder, die sich für ein kleines Trinkgeld zu Schau stellen, sei es mit Musik oder ihren Trachten. Zucker süss fande ich kleine Jungs zwischen 3 – 5 Jahren, die in ihrer Tracht und mit Turban zu der „Life“ Musik ihrer Väter, Onkels und Opas tanzen. Wir sind nun auf dem Weg zum Jaisamer Fort. Kurz vor dem Stadttor lässt uns Marog springen. Das Fort und seine putzige Altstadt ist nicht für Autos erlaubt, zu eng und holprig – Gott sei Dank! Einmal mit nicht so viel Gehupe und ständig aus dem Weg springen! Was ich gestern noch kurz vor Sonnenuntergang zu sehen bekommen habe beeindruckt mich nun noch viel mehr im strahlenden Sonnenlicht. Architektonisch ist das Fort ein Meisterwerk wo man auch hinschaut! Wir schlängeln uns durch die Basare während mir mein Reiseleiter die stolze Geschichte von Jaisalmer und seiner Maharadschas und seiner Vergangenheit erzählt. Jaisalmer war oft umkämpft und mit tragischen Geschichten vereint – ich will hier gar nicht darauf eingehen. Immer haben sich darauf viele Mitglieder der hiesigen Königsfamilie in den Sati oder Ehren Tod gestürzt oder begeben, sei es von einem Berg oder im Feuer, wie 1751 zuletzt die sechs Gemahlinnen und 58 Konkubinen von Ajit Singh, als er sein rechtmässiges Königreich nach 30 Jahren zurückeroberte. Seitdem wurde es von der englischen Kolonie verboten.

Mitten in der hiesigen Altstadt besuchen wir eine riesigen Jain Tempelanlagen, eine der ältesten in Jaisalmer und sie steht unter Denkmalschutz. Sage und schreibe mehr als 500 Jahre alt! Mit meinen Slippern, die ich mir extra für den Moscheebesuch in Delhi erstanden habe, darf ich hier nicht eintreten! Ich muss mir extra Socken kaufen! Der Tempel ist eine absolute Wucht und lohnt sich auf alle Fälle einen Besuch. Das gesamte Steinwerk und seine Kuppeln sind aus Sandstein gemeiselt. Jede Gottheit hat seinen eigenen Tempelwächter, der ihnen immer frische Luft zufächelt und sie kühl hält. Sie werden sogar jeden Tag mit heiligem Wasser gewaschen und poliert! Ecken und Nischen sind mit Geschichten der abertausenden weiteren Gottheiten in roten Sandstein gemeiselt. Die Hauptgötter sind als Figuren wahrnehmbar. Jeder Tempel hat sogar nochmals einen eigene Balkonette, die man begehen kann. So begeben wir uns nach und nach von Tempel zu Tempel. Gaben und Trinkgelder werden natürlich mit grosser Vorfreude immer entgegengenommen. Ich bezweifle, dass alles an sein Ziel kommt. Was das Geld anbetrifft, lassen es die Tempelwächter in ihren Kluften verschwinden, es wandert nicht in die Opfertruhen. Ein Warnschild und fordert in Englisch und Indisch auf, Spenden nicht direkt an diese liebe Herren zu geben…das sagt schon alles, ohne Worte. Wir winden uns um Tourigruppen und mir werden noch einige Aussichtspunkte vom Ford aus gezeigt, von wo man bis in die Wüste und zum See schauen kann, ein weites Horizont ohne Ende. Dann verlassen wir die Altstadt und begeben uns zum Markt. Ich bin überzeugt, dass ich gestern alles gesehen habe, aber dem ist nicht so! Kurze Zeit später bin ich in einer Silbermanufaktur. Hier wird mir erklärt, dass Silber für die richtigen noblen Inder kein Wert hat, nur Gold. Alles andere trägt Gold. Gold dient hier zur Wertanlage. Ich bin ein wenig überrascht, der ganze Silberschmuck ist so überteuert, dass ich mich wundere, wie sich Inder dann überhaupt Gold leisten können? Schaut man die indischen, traditionellen Damen an, tragen sie ihre edlen Saris und hängen nur so voll mit Gold! Die Inder vom Lande tragen hingegen Silber! Ich frage nach, das Gold dient eben auch den Nachfahren – wird allerdings nur im äussersten Notfall verkauft. Die Frage, wie man sich das leisten kann und wo das Geld für Gold her kommt, wird mir allerdings nicht 100% beantwortet. Vom Ackerbau (?), Agrarwirtschaft (?) etc…Hmmm, wenn ihr die Menschen hier sehen würdet, wüsstet ihr was ich meine, denn die Leute sehen wirklich arm aus und viele noch ärmer…eventuell Gold zum Spottpreis? Mein Führer wird mir das sicherlich nicht verraten – lassen wir es dabei.

Der wirkliche Reichtum haben hier eigentlich die Kaufleute von dazu mal mit der Seidenstrasse sich einverleibt, Import, Export, Opium etc…das sieht man an den alten Havelis, die wir uns nun anschauen und die wirkliche Prachtstücke sind. Ich bin von deren Schönheit so überwältigt, dass ich absolut sprachlos bin. Es gibt keine Worte, die das alles beschreiben können…kleine Märchenschlösser? Wir sehen uns den Haveli Patwon und Nathmalji von aussen an. Den Haveli Salim Singh betreten wir. Er ist leider nicht mehr bewohnt – die Kaufmannsleute wohnen nun in Delhi und der Haveli ist leider wortwörtlich leergeräumt. Aber die Wandmalereien und die ganzen Steinarbeiten sind immer noch zu sehen und erzählen noch immer ihre Geschichten. Kaum aus dem Haveli getreten, werde ich zum Fotomotiv einer indischen Familie, die wie aus einem Bollywood Film kommend aussehen. Aufgestylt bis zum geht nicht mehr, in ihren besten Trachten wie aus 1001 Nacht, posieren sie mit mir. Sie haben einen „Hoffotograf“ dabei und ich stelle mich beschämt in meiner Trekkingkluft für ein Familienfoto mit Ihnen vor die imposante Eingangstür des Haveli Nahmalji. Ein Vorteil hat es: ich selber bekomme die Erlaubnis diese hüschen „Prinzessinnen“ abzulichten. Ich kann euch allen nur empfehlen, Antiquitätenläden zu besuchen, die in alten Havelis sind. Da könnt Ihr euch zumindest ein Bild davon machen, wie solche Havelis ausgesehen haben, als sie noch bewohnt waren. Wie auch immer, ich habe eine tiefe Liebe zu den Havelis gefunden – mit oder ohne Inhalt und ich schätze ungemein die Kunstfertigkeit der Inder, die sich in den ehemaligen Kaufmannshäuser und vielem mehr wieder findet!

Tja, kurz danach ist meine Stadtführung zu Ende und mein Reiseleiter bringt mich auf dem Motorrad zu einem traditionsreichen, indischen Lokal zum Mittagessen. Eine „indische“ Schlange steht davor aber ich darf sofort eintreten und werde zu einem riesigen Tisch für mich alleine geführt und wie eine Königin von allem was Hände und Füsse hat bedient. PEINLICH. Als zwei Männer an mir vorbeigehen, bitte ich sie zu mir zum Tisch. Wir unterhalten uns brockenhaft aber trotzdem interessant – so esse ich schon nicht alleine, wir essen gemeinsam – sie allerdings eine Reistafel und ich Birjani, Reis mit Gemüse, der so scharf ist, dass ich gerade mal 3 Esslöffel schaffe. Dankend lehne ich das Essen meiner beiden Herren am Tisch ab. Die Kellner finden das alles sehr lustig, denn von der Schärfe des Essens laufen mir zwischenzeitlich die Tränen. Der Wirt versucht es mit süssen Kuchen wiedergutzumachen. In der Zwischenzeit versammeln sich Menschentrauben an unserem Tisch! Wahrscheinlich haben die hier noch nie ein Touri gesehen? Mensch…die drängeln sich schon um uns, jeder will ein Blick auf mich werfen.

Hmmm…lass sie mal. Plötzlich zeigt mir einer der beiden Herren seinen Ausweis…oh weh.

Irgendein bekannter Innenminister von der Regierung in Rajasthan. Jetzt ist alles klar!

Er gibt mir sogar seine Telefonnummer und will Zeit finden, mich in Jaipur wieder zu sehen!

Ob ich das wirklich will? Mal sehen. Die Zeit ruft…Manoge wartet gleich auf mich für eine Kamelsafari bei Sonnenuntergang in der Wüste. Ich bedanke mich und verabschiede mich verneigend vor den beiden Berühmtheiten. Wen ich nicht alles kennenlernen darf im Leben!

In den richtigen Klamotten bin ich dann kurze Zeit später bereit für die Wüstensafari. Wir fahren eine gute Stunde – aber als Wüste empfinde ich das ganze noch nicht. Die Menschen sehen jedoch plötzlich anders und verstaubter aus und alle die uns begegnen tragen irgendetwas auf dem Kopf oder ziehen was hinter sich her. Die Frauen tragen alle einen Schleier über ihren Gesicht…hier sieht sie doch eh keiner? Aber das macht sie für mich sehr interessant, das sieht sehr geheimnisvoll aus! Leider will Manog für Fotos nicht halten, schade eigentlich…zu einem Schnappschuss komme ich so leider nicht. Auch nicht in den kleinen Dörfern durch die wir fahren oder die Camps. Zwei kleine Jungs machen vor uns ein Kamelwettrennen – bald bin ich dran, hoffentlich geht mein Kamel nicht mit mir so durch…da bekommt man echt Panik, wenn man die so rennen zieht…sieht wackliger aus als auf einem Pferd und dann noch auf sandigen Boden. Nach einer guten Stunde kommen wir am Ziel an. Manog musste allerdings ein wenig suchen…wahrscheinlich ist er selber zum ersten Mal hier!

Ewig viele Kamele und ihre Hirten warten schon auf mich? Ausser mir ist zumindest kein weiterer Turi mehr zu sehen…oder kommen die alle als mein Begleitschutz mit? Alles geht ruckizucki und bald sitze ich auf dem Kamel und ein kleiner Junge nimmt das Kamel am Seil und führt mich in die bekannten Sam Wanderdünen. Es gibt also doch Wüste! Was für eine Hitze, die Sonne prallt auf uns und der liebe Junge hat Müh und Not die Kamelin Jenny durch den Sand zu ziehen! Der arme Kleine! Oder lieber ich? Ich fühle mich hier oben ziemlich unsicher. Der Sattel ist nicht gerade ein Sattel und besteht mehr oder weniger aus dicken Decken und vor mir ein kleiner Holzhebel, an dem ich mich festhalten kann. Steigbügel fehlen jedoch. Anfangs presse ich meine Oberschenkel gegen das Kamel, das lasse ich jedoch bald sein. Mir geht die Kraft aus. Also lasse ich einfach meine Beine herabhängen. Ich glaube nach diesem Ausritt sind sie 5 cm länger, meine robusten Trekkingschuhe ziehen sie förmlich nach unten. Sicher fühle ich mich auch nicht – obwohl ich bei dem beginnenden Abendrot in atemberaubenden Sanddünen unterwegs bin. Fotografieren ist nichts. Zu unsicher. Ich male mir bereits schon aus, was passiert, wenn ich falle. Lassen wir diese Gedanken! Der Junge versucht, einen Steigbügel für mich zu Zaubern, aus irgendwelchen Schälen und Seilen. Jetzt habe ich die Beine fast auf Hüfthöhe und überhaupt kein Gleichgewicht mehr. Jenny fängt an zu murren und setzt sich plötzlich unangekündigt mit mir hin. Das finde ich alles gar nicht lustig! Ich steige ab und beschliesse, zu Fuss zu gehen! Der Junge kann es nicht glauben aber so ist es nun mal! 30  Minuten Beintraining bis zur höchsten Düne, von wo aus wir den einmaligen Sonnenuntergang sehen! Weitere Touris sitzen schon im Sand neben ihren Kamelen – meins faucht mich nur an und die anderen Kamelhirten lachen…geh mal davon aus der Junge hat bereits die Jungs gleich unterrichtet. Ich steig auf dem Rückweg nicht mehr aufs Kamel! Der Junge freut sich bestimmt, er erzählte mir vorher, dass er so gut wie nie reiten kann, da er immer nur Touris führt. Gott sei Dank sind auch Jeeps hier mit einer indischen Familie aus Bombay, die mir anbietet, mit ihnen zurückzufahren. Ich sage zu und sitze bald im Jeep auf dem Weg zurück zum Camp. Eine Jeep Ralley in den Sanddünen – auch nicht schlecht! Die Rückfahrt bei dunkler Nacht und klarem Sternenhimmel in mein in der Zwischenzeit geliebtes Jaisalmer. Mein Casanova, Tanon, vom Vortag wartet schon auf mich. Er hat Besuch. Besuch aus Mallorca! Julia und Luis! Was für eine Überraschung! Die Welt ist klein! Wir nehmen einen Drink zu uns auf der Dachterrasse meines Hotels mit dem genialen Blick auf die Festung von Jaisalmer und schnattern ohne Ende – schliesslich haben wir uns viel zu erzählen. Auf dem Weg zum schlafen gehen, sehe ich die Angestellten schlafen…auf dem Boden des Restaurants, hinter der Rezeption, auf dem Dach..

und ich werde erfüllt von tiefer Dankbarkeit…ja, Dankbarkeit! Ich habe ein Bett und vieles mehr!

 

 

Montag, 30.10.2017

 

Jaisalmer – Osian – Jodhpur  310 km, 7-8 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

HEIMAT KANN SO NAH SEIN. HEIMAT IST DA, WO MAN FREUNDE FINDET!

 

Oh, wie ist es schön, oh, wie ist es schön, so was hab ich lang nicht mehr gesehn, so schön, so schön! Jaisalmer! Jaisalmer habe ich in mein Herz geschlossen, auch die Menschen hier! Alles so familär! Tanon war ein super Gastgeber, auch seine Angestellten! Leider geht meine Reise weiter und ich nehme mit den Mallorquiner und Tanon noch unser gemeinsames Frühstück ein. Kurzes Erinnerungsfoto und ab geht die Post.

Dieses Mal versuche ich meine Zeit mit Reiseführer lesen, Handynachrichten lesen etc. zu überbrücken. Da ich nicht besonders lange geschlafen habe, nicke ich irgendwann ein und bin kurz vor Ossian wieder wach. In Ossian stehen asbachuralte Tempelstätte, die unter Denkmalschutz stehen. Unter anderem ein bekannter Wallfahrtsort. Der Haupttempel befindet sich auf einer Anhöhe von ca. 150 m und enge Strassen, in denen unendlich viele Souvenirs und Opfergaben dargeboten werden, säumen den Weg. Da hier anscheinend tausende von Pilgerern kommen, ist der Haupttempel echt verschandelt. Er ist abgrenzt und mit Absperrungen auf dem Hin- und Rückweg zum und vom Tempel. Man meint echt man ist auf einem Rockkonzert oder noch härter ausgedrückt, man versucht die Schafsherden wie in Neuseeland kurz vor dem Scheren mit Schranken unter Kontrolle zu bringen! Oder man trennt sogar die schwarzen von den weissen Schäfchen…also ich bin ein weisses und man versperrt mir den Weg zum Haupttempel! Ein Unding! Ich lümmele also rum und will nicht eingeschnappt sein – andere Länder, andere Sitten! Bald habe ich meinen Trost gefunden. Ein Altar vor dem ein riesen Feuer ist und dahinter in einer Ecke Ganesh mit einem batzen abgeschnittenen Haaren vor sich…gleich unter dem Altar ein Mülleimer mit noch mehr Haaren…komisch, für den Abfall gibt es fast nirgendwo Mülleimer in diesem Lande aber für die wertvolle Haarpracht, wie erniedrigend! Man opfert seine Haare, weil ein Familienmitglied verstorben ist oder weil man eine ganz besondere Fürbitte an seine Götter hat! Vom Haupttempel aus hat man eine wahnsinnige Aussicht! Man sieht kleine Tempelanlagen ein klein wenig ausserhalb des Städtchen Ossians, die ich mir gleich mal anschauen werde. Ich kehre dem Tempel den Rücken und stürme los. Mir kommen auf dem Rückweg dann auch Pilgerer entgeben – bisher war ich alleine. Die Tempel ausserhalb sind leider über die Jahrhunderte vergessen worden. Es sind nur noch teilweise Ruinen – eine wortwörtliche Schande, denn sie übertreffen die Schönheit des Haupttempels. Wieder mal ein kleines Angkor Watt um das Ganze ein wenig zu umschreiben! Besonderheiten, der Mahavira Tempel, Surja Tempel und der Turga Tempel…den Indern soviel Wert, dass diese ca. 700 Jahre alten Tempelanlagen wie auf Müll drohnend schwimmen. Dann noch daneben ein junger Mann, der sich mir zum Sex anbieten möchte vor kleinen Mädchen, die sich an das Fenstergitter einer Schule hängen (sind sie dort eingeschlossen, weil sie nicht rauskommen?) und mich bitten, ein Foto von ihnen zu schiessen. Ein Kulturschock, oder? Andere Länder, andere Sitten.

Jodhpur ist wie ich wahrnehme eine sehr industrielle Stadt – wie ich sie zumindest von den Aussenbezirken her wahrnehme. Mein modernes Hotel ist dieses Mal leider ein wenig ausserhalb aber in einer sehr begrünten Gegend. Ein kleiner Wolkenkratzer. Ich bekomme ein Zimmer im vierten Stock mit einer riesigen Fensterfront und einer unendlichen Aussicht auf die Landschaft. Wieder ein Bett zum ausstrecken und wohlfühlen! Wie Ihr mich ja kennt, gebe ich mir nie so richtig Zeit zum Ausruhen – ich habe immer Hummeln im Hintern! Kaum angekommen sitze ich schon im Tuk Tuk Richtung Jodhpur! Jodhpur ist die blaue Stadt Rajasthan und liegt inmitten der Wüste Thars. Wieder eine Festung auf einem Hügel, dieses Mal namens Meherangath, aber dieses Mal ohne Bewohner. Die Bewohner wohnen unterhalb des Forts und die Altstadt erstreckt sich innerhalb der Stadtmauer bis kurz vor dem Fort. Ich lasse mich direkt zum Basar bringen, der sich um den dortigen alten, kolonialen Uhrturm verteilt.

Ein wirkliches Getummel hier. Entweder ist meine Nase empfindlicher geworden oder hier sind die Gerüche intensiver. Ich nehme das Obst, Gemüse und die gesamten Kräuter und Gewürze wahr wie noch nie. Meine Nase ist überfordert! Ich setze mich auf eine Mauer und beobachte das Treiben. In Ossian sind die Menschen bisher die Ärmsten gewesen, die ich bisher gesehen habe. Hier ist es fast so ähnlich. Die Frauen und Männer sind sehr dünn, hager und klein. Ein Inder spricht mich an und bittet mich an seinen Stand. Er beliefert indische Restaurants in Deutschland und spricht sehr gutes Englisch. Innerhalb von Sekunden sitze ich in seinem in dritter Generation betriebenen Tee – und Gewürzladen von 1951. Er lässt mich sämtliche leckere Gewürze und Tee schnuppern. Niesanfall und tränige Augen sind die Antwort! Was ist mit mir los? Er bietet mir einen Tee mit Safran, Kardamon und Zimt an. Der soll Energie bringen, das brauch ich jetzt! Sein Bruder will er mir auch vorstellen. Er hat einen Stoffladen. Auf weitere Verkaufsgespräche will ich jedoch verzichten, bedanke, verabschiede mich und mache mich aus dem Staub. Ab ins Marktgetümmel und sehen was es sonst noch so gibt. Einen Mango Lassi zur Erfrischung und ab mit dem Tuk Tuk Mann, der auf mich gewartet hat, wieder zum Hotel – ich bin in der Zwischenzeit zu erschöpft und will ausnahmsweise nur noch schlafen – und zwar ausgiebig. Die angeblich blaue Stadt werde ich morgen erleben, bisher noch keine Spur davon!

 

Dienstag, 31.10.2017

 

Jodhpur 

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

DANKBARKEIT!

ICH BIN DANKBAR, DASS ICH SOLCHE TOLLE DINGE ERLEBEN KANN! DANKBAR, DASS ICH IN EINER WELT LEBEN DARF, WO ES MIR GUT GEHT UND WO ICH NICHT HUNGERN MUSS! DASS GROSSES REICHTUM MICH UMGIBT, WAS MAN AUCH IMMER ALS REICHTUM EMPFINDET!!! DAS IST NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH, DAS IST EIN GESCHENK!!! ICH BIN DANKBAR FÜR ALLES WAS ICH HABE UND WAS ICH BIN UND FÜR MEINE GESUNDHEIT UND LIEBE, DIE MICH TÄGLICH UMGIBT UND DIE ICH SPÜREN DARF! FÜR MEINE ELTERN & FREUNDE UND FÜR VIELES MEHR! DANKE, DANKE, DANKE!!! WENN DU DAS ALLES HIER SIEHST, WIRD DIR UM SO MEHR BEWUSST, DAS ZU SCHÄTZEN WAS DU HAST UND WER DU BIST!!!

 

Aufwachen mit dem Blick ins Weite und eine gute indische Stärkung zum Frühstück! Chai Tee und gefüllte Pfannkuchen mit Spinat und Joghurt! Hmmm…was will man mehr? Ashes, mein Reiseleiter für heute, wartet bereits schon auf mich und unsere Fahrt geht hoch zum Fort Meherangarh. Hört die Schönheit dieser Prachtbauten überhaupt nicht mehr auf? Ich gebe auf das alles zu beschreiben, Ihr langweilt euch dann nur noch! Ich weiss nur ein, besser als das hier geht es kaum noch. Wie die Wehrtürme in die Höhe schiessen und darauf, ja darauf die Palastanlage thront und bis ins Detail in wieder mal in Sandstein gemeisselt ist. UNGLAUBLICH!

Die Räumlichkeiten und Innenhöfe selber ein Sesam öffne dich! Wir sehen Transportmittel der vergangenen 300 Jahre, sprich Elefantensattel von den Herrschern aus purem Gold und Silber!

Ashes erzählt mir ganz nebenbei die Geschichte Jodhpurs während er mir das alte Brahmapuri zeigt, die blaue Stadt…also weitab von dem Markt und nicht so leicht zu finden. Vor unseren Füssen alles blau! Es gibt sie also doch!!! Nach guten 2 Stunden Führung durch den Thronsaal, Audienzsaal, Gemach des Maharadschas und seiner Gemahlin, einem Museum und vielem, vielem Meer, begeben wir uns noch zur dortigen Tempelanlage, wo mir erst bewusst wird, wie gross die Festungsanlage ist. Die Mauer drumherum erinnerst mich an die grosse Mauer von China! WOW! Die Gedenk- und Begräbnisstätte der Königsfamilie befindet sich nicht unweit und ist aus weissem Marmor und einem kleinen See davor. Taj Mahal in Kleinformat sage ich da nur! Ein Guru wartet auf uns für eine kleine Meditation, in der ich eine Vision von einem grünen Buddha habe, der von weissen und roten Licht umgeben ist! Wichtige Chakrafarben in der Meditation und ich bin mein eigener Meister meint der Guru nur. Was mein Reiki 2 Grades alles aus aus mir herausholt? Ein Meister bin ich noch lange nicht…

Das Königshaus ist zwischenzeitlich 5 km von dem Meherangarh Fort entfernt, der König hat es zwischen 1929 und 1949 erbauen lassen. Ein absoluter Wahnsinn und eines der besten Hotels der Welt. In einem Teil wohnen die Touris, im anderen Teil ist ein Museum und im hinteren grossen Flügel mit Blick auf das Fort wohnt die Königsfamilie.

Meine Führung ist für heute zu Ende. Mit Ashes habe ich noch super interessante Gespräche über Politik, Kultur und Religion gehabt. Ich möchte mich gerne neutral halten und werde nicht tiefer darauf eingehen. Ich habe Ashes als einen ausgezeichneten, hoch intelligenten Reiseleiter empfunden und kann ihn nur wärmstens empfehlen, sehr weltoffen und er lässt tiefer als alle anderen in die Kultur und Geschichte Indiens blicken!

Ab nach Brahmapur, die blaue Stadt. Wieder einmal mit Tuk Tuk – anscheinend weiss nicht mal der Tuk Tuk Fahrer wo seine weltbekannte blaue Stadt ist. Grins Grins. Es ist ein richtiges Labyrinth, man muss tatsächlich sich darauf einlassen verloren zu gehen um alles zu sehen und einfach hoffen, dass ich mich dieses Mal nicht verlaufe!!! Ich glaube hier kann mir keiner helfen, weil mich keiner verstehen kann. Hier sind sie alle noch ärmer als die Kirchenmaus – hier fängt erst richtig das dritte Welt Land an. Alte, teilweise verfallene Havelis. Der Glanz vergangener Zeiten ist noch zu spüren. Aber das Leben pocht hier. Viele alte und junge Indierinnen sitzen vor ihren oder in ihren Havelis, ihre Männer handwerken oder halten ihre Siesta und die Kinder spielen auf den Strassen. Die blaue Stadt ist zwischenzeitlich jedoch nicht mehr ganz so blau oder war sie überhaupt je ganz blau? Klar, blau ist die Hauptfarbe, aber es mischen sich tausende von anderen Pastellfarben dazwischen wie gelb, rosa, grün, violett, aprikose…etc.

Ich gehe enge Gassen hoch und runter mit herrlichem Blick auf das Fort und lasse mich treiben…Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich sehe hier auch unzählige Ratten, aber die sehen hier wirklich um einiges gesünder aus als im Rattentempel! Die Blaue Stadt ist trotzalledem einmalig! Es gibt sogar einen kleinen See dort! Ein kleiner Junge lädt mich in sein Haveli ein und ich komme tatsächlich mit! Ich weiss, er verdient somit sein Geld, aber ich weiss auch, das dies eine einmalige Gelegenheit ist, das Leben der Einheimischen hautnah mitzuerleben! Seine Oma winkt rein und führt mich ins Haus – was für eine Armut! Spärlicher geht es nicht mehr! Auch Tauben haben hier ihr zu Hause. Auf der Dachterrasse habe ich den Rundblick überhaupt!

Auf die blaue Stadt, auf das Fort. Eine tolle Erfahrung! Und ratet mal was ich um die Ecke entdecke? Ein heimlicher Zugang zum Fort! Hinter einem riesen grossen Tor! In dem grossen Tor ist eine kleine Türe und ich spähe vorsichtig hindurch! Jawohl, wer hier kein Eintritt bezahlen möchte kann von hier aus zum Fort hochmarschieren! Auf dem Rückweg knurrt der Magen und ich begebe mich in ein tolles Eingangstor in ein vegetarisches Restaurant. Während ich in dem alten Haveli auf mein Essen warte, fragt mich die Kellnerin, ob ich gerne den Ausblick auf die Stadt vom Dach aus sehen möchte! Ich bin natürlich begeistert und gehe sofort die hohen Stufen regelrecht atemlos bis auf das Dach! Wow!!! Panoramablick! Was für ein Glück ich doch habe! Und zu guter letzt bekomme ich auch noch mein Essen hier serviert!!! Mein erstes indisches Gemüse das nicht scharf und göttlich ist! Der beste Mango Lassi! Und wie es sich herausstellt ein kleines Hotel mit super romantischen Zimmerchen! Eins davon auf dem Dach! Ich frage die Kellnerin, wo die blaue Stadt mit am schönsten ist, sie zeigt in eine Richtung und ich ziehe los, gebe es aber bald auf. Der Weg ins Paradies wird mir zu gefährlich!

Hier drohen keine Männer, die einem unsittlich berühren oder belästigen, sondern knurrende, bellende Hunde, die kurz davor sind mich zu beissen, wenn nicht ein älterer Inder sie davon gejagt hätte. Ab dem Moment begegnen mir auf Schritt und Tritt bellende und angriffslustige Hunde – Zeit, die blaue Stadt zu verlassen, für mich ein deutliches Zeichen meine Neugierde zu bändigen und mir ein neues Ziel zu suchen: zurück zum Markt. Meine Wegbegleiterinnen sind zwei junge Inderinnen, die auf dem Weg auf einen Tee und zum Sari kaufen unterwegs sind.

Bald darauf bin ich unterwegs zum Hotel mit dem Tuk Tuk. Eine kalte, erfrischende Dusche und ab ins Bett…wie doch die Zeit vergeht…schon wieder 20 Uhr…

 

Mittwoch, 01.11.2017

Jodhpur – Ranakpur – Udaipur  260 km, 6 -7 Stunden

 

 

 

 

 

 

 

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