NEPAL – Trekken bis zum Poonhill auf 3300m Höhe & mit Blick auf die Himalaya Kette – auf den Spuren der Tiger in Pokhara Nationalpark – Patan, Unesco Weltkulturerbe

NEPAL – Trekken bis zum Poonhill auf 3300m Höhe & mit Blick auf die Himalaya Kette – auf den Spuren der Tiger in Pokhara Nationalpark – Patan, Unesco Weltkulturerbe

Dienstag, 05.12.2017

 

Kathmandu – Patan – Führung mit dem Neffen von Gihendras – Erkundigung auf eigener Faust – Treffen mit Gihendra und Familie – schlafen oder Genuss pur

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

ABSCHIED NEHMEN FÄLLT IMMER SCHWER – DAS LEBEN HÄLT NEUE ÜBERRASCHUNGEN FÜR UNS BEREIT, AN DENEN WIR STÄNDIG WACHSEN UND LERNEN…ZU LANGE VON EINEM LÄSST UNS NICHT WEITERKOMMEN UND WIR KÖNNEN DIE SCHÖNHEIT UND EINZIGARTIGKEIT NICHT MEHR ERKENNEN ODER ÜBERSEHEN SIE…

 

Die Koffer sind gepackt, das Taxi wartet und los geht es nach Patan. Das Glöckchenklingeln der Tempelanlage gegenüber werde ich garantiert vermissen. Das ist irgendwie schön – wenn es auch um 4 Uhr früh schon ist und sich dann öfters wiederholt – besser wie bellende, obdachlose Hunde. Wie üblich weiss der Taxifahrer mal wieder nicht wo er hin muss und bittet mich mein Homestay anzurufen. 20 Minuten kommen wir an meinem heissgeliebten Durbar Square in Patan vorbei …viele Gerüste vom Erdbeben um einige Tempel – immerhin werden sie wieder aufgebaut und nicht einfach in Trümmern liegen gelassen wie in Kathmandu. Trotzdem hat der Platz nicht an seinem Charme verloren. Ich habe Tränen in den Augen. Kurz danach biegt das Taxi in eine enge, dunkle Gasse ein, fährt bei einem Wasserbrunnen rechts ab und ich stehe vor

einem sehr traditionsreichen, typischen nepalischen Haus aus rotem Backstein und Schiebetieren und wundervolle holzgeschnitzte Fensterrahmen, die mir förmlich aus der Fassade des Hauses entgegen springen. Der Besitzer und seine Mama heissen mich sehr herzlich willkommen und führen mich in ihr wahrhaftiges, traumhaftes Reich. Auch innen ist alles mit rotem Backstein. Überall sind geschnitzte Türrahmen, Balken und eingelassene weise, dreieckige Nischen in den Wänden mit Götterfiguren und Kerzen. Eine Lobby, die auf eine kleine Terrasse führt und mit bequemen Sitzen und einem Tischchen ausgestattet ist, kommt kurz vor dem Treppenaufgang. Die engen Treppen führen bis hoch auf die Dachterrasse…und wenn man ein wenig mutig ist und die Holzleiter bis zum obersten Teil des Daches hochklettert, sieht man sogar die Himalaya Kette! Im dritten Stock ist mein super süsses Zimmer, total rustikal mit einem grossen Bett, Schreibtisch und einem Holzbalkon…und endlich ein eigenes Badezimmer!

Herrlich! Nach 3 Nächten in der Enge und mit dem Badezimmer auf dem Flur, ist das richtig Nobel! Schnell richte ich mich wohnlich ein und schon steht der Neffe von Gihendra vor der Türe, der den Auftrag hat mir Patan zu zeigen. Was er mir wohl in Patan zeigen wird? Wir schlendern gemütlich durch die engen, ruhigen Gässchen Patans – wie schön, endlich kein Gedränge und Gehupe mehr. Es ist alles entspannter und bildschön. Man sagt auch Patan ist Kunst pur, wohingegen Kathmandu mit seiner Masse an Sehenswürdigkeiten nur so protzt.

Der Charme ist in Patan noch voll und ganz erhalten und seine lange Vergangenheit spricht Bände! Hier gibt es noch unzählige alte Häuser mit den Fassaden aus Backstein und den geschnitzten Türrahmen. Fast an jeder Ecke sind riesige Brunnenanlagen in den Boden eingelassen die mit kleinen Stupas und Göttern verziert sind. Leider ist kein Wasser mehr da, aber man kann sich immer noch an den kunstvollen Wasserspeiern oder Pumpen und Hähnen Wasser holen. Der Grossteil der Häuser hat zwischenzeitlich Wasserversorgung. Strom gibt es allerdings keine 24 Stunden. Am Tag kann es täglich bis zu 6 Stunden kein Strom geben. Wir gehen zum Durbar Square von Patan, der mit dem Königspalast, dem Museum und mit unzähligen Tempeltürmen bestückt ist. Leider sind vier Tempel durch das Erdbeben vor 2 Jahren sehr beschädigt worden und werden mit Hilfe von Deutschland wieder aufgebaut.

Spezialisten sind am Werk und die Gelder hierfür kommen auch teilweise von reichen Familien.

In Kathmandu ist Korruption – die gespendeten Gelder und Einnahmen für den Durbar Square sind Einnahmen für die Politiker, die leider in die eigene Taschen fliessen. Kein Wunder so gut wie jeder möchte einen Machtwechsel – da kann man nur hoffen, dass die Wahlen zugunsten des Volkes ausgehen. Durbar Square kann man nicht mit Worten bescheiben – man fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt. Alles zu schön um wahr zu sein. Der Eintritt in diese abgesperrte Zone is allerdings 10 US. Deswegen entscheiden wir uns, uns auf andere Sehenswürdigkeiten zu konzentrieren. Patan hat genug davon – das schwöre ich Euch! Wir gehen zum goldenen Tempel und zu einem buddhistischen Kloster zugleich. Genial. Eine riesige Tempelanlage, die komplett mit einer gehämmerten Messingfront abgedeckt ist und in der Sonne milde golden leuchtet. Wie in einem Märchenland! Im obersten Stockwerk gibt es dann noch ein tibetisches, buddhistisches Kloster, das wir ebenso besuchen. Alles mit viel Liebe zum Detail vor Jahrhunderten aufgebaut worden und der Zahn der Zeit hat den Rest dazu gegeben.

Schade, dass die Altäre bereits geschlossen sind – zu gerne hätte ich meinen Blick auf einige Gottheiten geworfen. Die tibetische Wandmalerei im Kloster ist unbeschreiblich bunt bemalt und mit ewig vielen Monstern, um alles Böse abzuwenden. Lange, schmale Messingzungen hängen von Tempeldach und enden kurz vor der Nische, in der eine Buddhastatue hinter verschlossenen Gittern steht. Die Messingzungen sollen den Göttern als Rutsche dienen, um uns auf der Erde zu besuchen J. Mensch – das ist echt einfallsreich und eine super Idee! Wir ziehen weiter zu einer hinduistischen Tempelstätte, die grösste in Patan. Im Altar selber ein vierköpfiger Buddha und vor dem Tempel eine Art Kuh aus goldenem Messing, die für Shiva als Reittier bereitsteht, um jederzeit mit ihm davonzureiten. Interessant. Der Tempel hat ungefähr 6 Dächer, die sich nach oben verjüngen. Kurz daneben ist ein riesiger Brunnen in den Boden eingelassen für die Wasserversorgung des Tempels. Kreuz und quer gehen wir durch das Städtchen und schauen uns noch einige Tempelchen und Versammlungsstätte an. Nach guten 2 Stunden sind wir wieder in meinem Homestay. Der Junge hatte heute schon 4 Deutschstunden und ist ziemlich müde – wir haben die gesamte Zeit Deutsch gesprochen und man merk deutlich, das ihn seine Konzentration verlässt. Halb so schlimm. Ich werde alleine losziehen. Es gibt so herrliche Fotomotive – während meiner Führung wäre es mir peinlich gewesen, immer die Kamara zu zücken. Es gibt so viele Ecken und Winkel, überall kleine Märkte und alte Läden oder Imbissbuden. Bald wird es dunkel und ich mache mich auf den Weg zurück. Schliesslich treffe ich mich mit meiner Familie um 17.30 Uhr. Nach einer genialen warmen Dusche werfe ich mich in meine frisch gewaschenen Klamotten und mache mich auf den Weg nach nebenan.

Gihendras Familie wohnt sage und schreibe 300 m von mir entfernt. Die Familie Gihendra wohnt immer noch im gleichen Haus wie vor 13 Jahren. Gihendra hat sich zwischenzeitlich ausserhalt ein neues Haus gebaut. Seine Mami und Daddy und sein Bruder mit seiner Frau und 3 Jungs, wohnen immer noch im alten Reich. Als ich es betrete, komme ich mir vor, als ob ich erst gestern da gewesen wäre! Wahnsinn, wie doch die Zeit vergeht! Gihendra sitzt neben mir und erzählt mir ein wenig, was so alles in den letzten Jahren passiert ist. Er hat jetzt eine supersüsse vier jährige Tochter – wirklich zum anknabbern! Seine Frau ist immer noch so hübsch wie vor 13 Jahren. Ein wenig pummeliger, aber wer wird das nicht? Seine Mama sehr gebrechlich und der Papa wegen Atemproblemen in Krankenhaus. Dieser Familie geht es im Verhältnis zu anderen Familien recht gut – um nicht zu sagen sehr gut. Gihendra arbeitet als Versicherungsmakler und ehrenamtlich beim Rotary Club. Sein Bruder stell detailgetreue Stupas her für Museen oder Ausstellungen – sein letzter war für die Weltausstellung in der Türkei.

Wie ich von Gihendra entnehmen kann, hat er super viele Kontakte, auch der Bruder, was ihnen verhalf ziemlich viel auf der grossen weiten Welt unterwegs zu sein, was eigentlich für die ärmlichen Verhältnisse in Nepal so gut wie gar nicht für „Normalsterbliche“ möglich ist. Die Familie hingegen war in Deutschland, Österreich & Schweiz, 2 x in Paris, Vietnam, Indien und vielen Ländern mehr. Nach einer guten halben Stunde wird Gihendra und mir Tee und Spiegelei mit Massala Würstchen serviert. Man bietet mir schwarz gebrannten Schnaps an – das es in meinem Magen rummelt, nehme ich das Angebot dankend an – vielleicht hilft es gegen meine Magenschmerzen – es bahnt sich da irgendwie was an. Bei einem Gläschen bleibt es allerdings nicht – das Zeug ist echt nicht schlecht …und da ich aus Höflichkeit das Spiegelei essen, ist es doch besser auch den Schnaps zu trinken…Auf Eier bin ich schon seit Jahren nicht mehr gut zu sprechen, seit ich mir in Marokko ordentlich den Magen verdorben habe. Salmonellen. Also noch einer…und noch einer. Die restliche Familie tummelt sich ein Stock höher in der Küche um unser Abendessen vorzubereiten. Es gibt eine Reisplatte. Wie ich doch das Essen in Nepal liebe! Wir unterhalten uns über die letzten vergangenen 13 Jahre und was noch so alles passiert ist und seine kleine Tochter kuschelt sich immer wieder an mich ran und schmust mit mir. Einfach herrlich. Sein Bruder hat 3 Söhne im Alter von 18, 13 und 9 Jahren. Einer will Profifussballer werden, der andere Ingenieur und der kleinste weiss es noch nicht. So vergeht der Abend im Nu und die Schnapsflasche ist auch irgendwann leer. Einige Zeit später begleiten mich alle zu meinem Homestay um die Ecke und schauen sich an wie ich residiere. Ich hatte vor 13 Jahren eine super schöne Zeit mit der ganzen Familie, was sich heute Abend wiederholt hat. Ich falle in mein grosses Bett und freue mich, mich so wohl und sauber zu fühlen. Jetzt heisst es erst mal wieder Ausschlafen, man könnte sich daran gewöhnen…und mit Rausch schläft sich’s sowieso besser…

 

Mittwoch, 06.12.2017

 

Patan – Kirtipur – Patans Altstadt bei Nacht – alles Schnaps oder Whiskey bis zum Abwinken…

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

NIE AUFGEBEN ZU ENTDECKEN UND ALLEM NEUEN EINE CHANCE GEBEN!

 

Sonnenaufgang! Durbar Square am frühen morgen, wenn das goldene Licht der Sonne auf das Unesco Weltkulturerbe fällt. Ich sitze vor dem Königspalast kurz nach 7 Uhr und beobachte das Treiben und was sonst noch so alles passiert. Vor mir ist eine Puja in einer der süssen, achteckigen Steintempeln. Die Nepalesen singen ihre Mantras für ihre Götter und einige Männer spielen dazu die typischen Instrumente des Landes wie Trommeln, eine Art Ziehharmonika und Rasseln. Die Frauen sind in rote Saris gekleidet. Ich komme mir vor wie in einem Märchenland.Zurück zum Hotel geniesse ich mein Frühstück bestimmt eine gute Stunde auf der Dachterrasse, bevor es mit dem Bus nach Kirtipur geht. Es geht alles Rucki Zucki. Innerhalb einer halben Stunde bin ich an Ort und Stelle von Kirtipur, um es zu erforschen. Ich stehe inmitten vom Rummel und weiss absolut und wirklich nicht wo es langgeht. Mein Reisehandbuch hilft mir auch nicht weiter. Ich weiss aber, dass Kirtipur auf einem Hügel liegt und dass die eigentliche Altstadt auch dort oben aufzufinden ist. Die nächste kleine Gasse, die steil nach oben führt marschiere ich nach oben und irgendwann komme ich in ein Armenviertel und habe das Gefühl, dass es hier wirklich nicht weitergehen kann. Als ich umdrehen will, steht plötzlich ein junger unheimlicher Mann neben mir und fragt mich, wo ich her komme. Da ich ihm nicht unbedingt preisgeben will, dass ich nicht weiss, wo ich bin, beantworte ich ihm meine Frage und er läuft neben mir her. Wie kriege ich den bloss los? Vielleicht mir Schweigen? Gerade als ich zum Umdrehen ansetze fragt er mich, ob ich denn nicht die Altstadt sehen will. Klar doch, meine ich. Er zeigt auf eine sehr unwegsame Strasse und ich folge ihm einfach. Schliesslich treibt mich ja die Neugierde – sonst wäre ich nicht hier. Schon nach kurzer Zeit merke und spüre ich, dass sich dieser junge Mann ziemlich gut auskennt, auch geschichtlich…nicht nur wo das und ich gebe ihm eine Chance. Er führt mit durch die engen Gassen bis hin zu der Ghilancho Stupa. Der Polizist davor will uns nicht reinlassen – Wahlbezirk. Aber letztendlich winkt er uns doch rein.

Hier befindet sich ein wichtiger Schrein der Buddhisten aus dem Mittelalter.  Er zeigt mir noch weitere wichtige Tempel und was mich fasziniert sind kleine Klosterstätte, die sich in den Innenhöfen von privaten Häusern befinden und einfach unbeschreiblich schön sind. Unzählige gibt es davon und es macht so richtig Spass sie zu besichtigen. Man geht in den Häusern durch eine Türe rein und kommt aus der anderen offenen Türe wieder raus – und das im Uhrzeigersinn. Und was das überraschende daran ist: es ist für jedermann zugänglich. Wir gehen durch die Strassen und überall sitzen ältere Männer vor Bars oder Cafes auf Mäuerchen und diskutieren – kein Wunder, morgen sind Wahlen…heute ist Mittwoch, aber da morgen ein Wahltag ist, verhält es sich heute wie ein Samstag und alle haben frei. An einem weiteren faszinierenden Tempel gesellt sich dann noch zufällig Volker aus Hamburg zu uns. Ein netter Deutscher aus Hamburg, der auf Reisen und sehr interessiert an den geschichtlichen und super guten Informationen von unserem „Reiseleiter“ Suman ist. Er gesellt sich zu uns. Ob Ihr es glaubt oder nicht, meine erste „deutsche“ Begegnung seit ich unterwegs bin! Seine Gesellschaft und unser beide Interesse erweckt unseren Reiseleiter noch viel mehr und er fängt an noch mehr zu erzählen. Wir sind in der Zwischenzeit an einem Tempel angekommen, der Geschichte schrieb. Kirtipur ist eine super alte Stadt – 1099 nimmt man an. 1767 kam es hier richtig zu Machtkämpfen. Der König vom Gorkhali Königreich hatte die Stadt versucht zu erobern, weil sie einfach strategisch super gut lag. Das ganze ist ihm jedoch erst nach dem dritten Anlauf gelungen – erst dann haben sich die Männer dieser Stadt ergeben. Als Strafe liess er daraufhin allen Männern die Nase und Lippe abschneiden. Seitdem darf keine königliche Familie mehr diese Stadt betreten. In diesem Tempel findet man die Sebel am Tempelturm festgebunden, mit denen dazumal die Nasen und Lippen abgeschnitten wurden. 1 x im Jahr werden auch Stiere an dessen Altar geopfert. Zudem befindet sich an einem kleinen Schrein nebenan eine Steinskulptur von einer gebärenden Göttin. Alle Frauen, die Probleme mit der Empfängnis haben, kommen von weither angereist, um ihr Kinderglück zu erbitten. Einzigartig in ganz Nepal. Von der Tempelanlage aus hat man bei klarem Wetter einen einmaligen Blick auf die Himalaja Kette – und wir haben echt wahnsinnig Glück und können sie bei herrlichem Sonnenschein bestaunen! Dann führt uns Suman in ein Heimatmuseum, in dem landwirtschaftliche Geräte und vieles mehr ausgestellt werden – mehr oder weniger im kleinen Rahmen. Dafür gibt es hier aber super leckeres Essen. Wir setzen uns auf Strohmatten auf den Boden und lassen uns mit typischer Hausmannskost aus dieser Region verwöhnen. Kurz danach zeigt uns Suman sein Zuhause, wo er mit seinem Papa, seinem Bruder und dessen Frau lebt. In super armen Verhältnissen. Der krönende Abschluss ist dann letztendlich die dreistöckige Pagode Uma Maheshwar aus dem 16 Jahrhundert. Sie liegt am höchsten Punkt der Stadt (1414m) und ist zugleich ein sehr erotischer Tempel. Wer sich gerne ein bisschen mit Tantra Positionen fortbilden möchte, ist hier sehr gerne willkommen, denn in den Holzsäulen der Pagode sind verschiedene Tantrapositionen geschnitzt. Genügend, um für die nächsten ywei Wochen in Übung und am auszuprobieren zu sein. Hahaha. Ich glaube es einfach nicht. Grins. Gleichzeitig hat man von hier aus ein überwältigender Blick über das Kathmandu Tal und den Bergen wie Langtang, Dorge Lakkpa, Chobhu Bhamure und Gaurishankar. Nach dieser letzten Station und Höhepunkt unseres „Besichtigungsprogrammes“ bringt uns Suma zu unseren Bussen nach Kathmandu und Patan. Volker und ich bleiben bestimmt in Kontakt und Suma kann ich nur wärmstens weiterempfehlen – eine solche Hingabe & Leidenschaft erlebt man selten!

Was für ein wertvoller Tag und ausführliche Informationen.

Genau so schnell wie ich in Kirtipur war, bin ich auch wieder zurück. Man hat mich gewarnt, vorzeitig den Rückweg anzutreten, weil ich Patan morgen Wahlen sind und eventuell schon heute Abend der Verkehr eingestellt wird. Da hatte ich ja nochmals Glück gehabt! Witzig, als der Bus in den Busbahnhof einfährt, haben sich schon sämtliche Menschen auf dessen Parkplatz breitgemacht um den Nachtmarkt vorzubereiten…mit Genehmigung, ohne Genehmigung…kreuz und quer mit Stand oder einfach auf dem Boden…sei es Essen, Kleider oder sonst irgendeinen Firlefanz. Der Bus muss sich wortwörtlich seinen Weg freihupen und die armen Leute haben wirklich nur sehr wenig Zeit ihre Sachen wegzuräumen, Kaum ist der Weg frei, versammeln ich tausende von Leuten um den Bus, alle wollen wieder mit ihm zurück nach Kirtipur fahren, wahrscheinlich ist es der letzte Bus von heute, denn es bricht fast schon Panik aus und wir haben wirklich Probleme gegen den Strom aus den Bus zu steigen. Ich halte mein Hab und Gut fest und dränge mich durch zur Strasse Richtung Altstadt vorbei an Marktständen bis hin zum Durbar Square. Es scheint ganz Patan unterwegs zu sein – Wahnsinn! Der Durbar Square ist bei Nacht echt ein Traum – ich will mal wieder Fotos schiessen. Aber der Platz ist leider abgesperrt?

Überall steht Polizei. Leute drängeln sich um die Absperrung. Als ich frage, was denn los sei, bekomme ich nur zur Antwort: Bombs. Hups – was ist hier los? Besser umdrehen – das brauche ich alles nicht, sagt mir meine innere Stimme. Ich gehe Richtung Homestay. Kaum gute 500m gegangen, höre ich hinter mir eine Explosion. Das war es dann wohl. Die Bombe – kleine Bombe…Gut, dass ich da nicht mehr bin. Im Homestay angekommen, weiss schon jeder bescheid…wie denn das? Es gibt momentan unzählige Bombendrohungen aufgrund der Wahlen. Überall. Nichts Neues. In Kathmandu wurde sogar eine Ausgehsperre für Touristen verhängt – na, da habe ich ja Glück dass ich in Patan bin? Einige Parteien sind nicht bei den Wahlen beteiligt und versuchen anderen Angst einzujagen morgen wählen zu gehen. Also Bombenanschläge um die Menschen einzuschüchtern. Im Homestay angekommen, erzähle ich aufgeregt über den Vorfall…die winken nur ab. Scheint also für Nepal normal zu sein. In der Lobby haben sich 3 Nepalesen zum Whiskey trinken versammelt. Eher selten so was zu sehen. Alkohol ist hier nicht in und ist mehr oder weniger im Verruf. Also hinter verschlossenen Türen – wenn auch hier gern Schnaps gebrannt wird. Scheinen Geschäftsmänner zu sein – nachdem wie sie gekleidet sind. Etwas später fragen sie mich, ob ich mich gerne zu ihnen gesellen möchte. Ich sage zu. Wieso nicht. Und ich trinke auch Whiskey! Wow! Ich und Whiskey? Tage vorher schwarz gebrannter Schnaps bei Gihendra und nun das? Was ist mit mir los? Gewöhne ich mich an das Zeug, das ich normalerweise bis zum Geht nicht mehr vermeide, da es mich entweder unschlagbar müde macht oder mich auf den Tischen tanzen lässt. Was solls…

Einer der Männer ist Reporter beim Fernseh & Radio und ziemlich bekannt… Reporter für Fussball und Kricket. Interessant. Wow. Wen ich hier alles begegne. Irgendwie schaffen wir zu viert dann auch noch die Flasche Whiskey. Und als ich aufstehe und mich verabschiede, bin ich froh, dass ich nur bis zum 3. Stock muss. Huiiii…ich schwanke…Glaubt mir, jetzt sind alle Bakterien der letzten 3 Tage gekillt…und morgen früh habe ich hoffentlich keinen Kater…

 

Donnerstag, 07.12.2017

 

Patan – Wahltag – verkehrsberuhigte Zone – Bummel durch Patan – Abschied nehmen von Gihendras Familie und von Nepal

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

EIN GESPÜR FÜR DIE GEFAHR HABEN UND SICH EINFACH ZURÜCKZIEHEN…MAN MUSS SICH NICHT IMMER INS ABENTEUER STÜRZEN UND WISSEN WO DAS STOP SCHILD STEHT!

 

Ausschlafen ist heute angesagt! Nach dem Rausch von gestern ist es glaube ich ganz gut mal nicht mit dem Wecker aufzustehen. Vorsichtshalber hatte ich ihn gestern vor dem Schlafen gehen auf 8 Uhr gestellt – den Tag verschlafen will ich schliesslich auch nicht!

Um 7 Uhr bin ich wach…das Bett ist so himmlisch bequem, dass ich mich noch ein wenig in meine Decke kuschele und vor mich hindöse. Kurz vor 8 Uhr räckle ich mich und beginne meinen letzten Tag in Nepal. Ich muss schon sagen – in diesem Homestay fühle ich mich wie zuhause – und nirgendwo seit meiner Reise in Nepal habe ich so herrlich geschlafen wie hier! Erst mal unter die heisse Dusche und dann den Koffer packen. Seit ich auf Reisen ging, habe ich ihn nicht mehr sortiert. Nun liegt alles auf meinem Bett und ich finde gar nichts mehr. Gut Ding will gut Weile haben. Um 10 Uhr geht es dann endlich zum Frühstück auf der Dachterrasse. Herrliches Wetter. Bevor ich mich auf die weitere Entdeckungstour in Patan mache, checke ich noch schnell meine Flüge und Gepäcklimit für Vietnam, Kambodscha und Hongkong, buche mein Hotel für Vietnam und bin startbereit für den Tag. Draussen sind die Strassen leer – und die Geschäfte und Strassenstände geschlossen. Wahltag. Es fahren keine Busse oder Taxis, selbst privaten Fahrzeugen ist es untersagt unterwegs zu sein. Es könnte ja sein, dass man 2x in einen anderen Bezirk wählen geht oder einen Anschlag woanders ausüben könnte. Mein Flug ist um 21.20 Uhr. Ab 19 Uhr dürfen alle Verkehrsmittel wieder fahren. Mein Taxi ist sicherheitshalber schon bestellt – notfalls bringt mich Saati vom Homestay mit dem Scooter zum Flieger – das wird spannend mit meinem Gepäck. Dann hoffen wir mal das Beste.

Es ist angenehm auf so ruhigen Strassen zu gehen und nicht laufend irgendwelchen fahrenden Gestellen auszuweichen. Trotzdem unheimlich so ganz alleine. In Kathmandu ist für die Touristen aufgrund der vielen Anschläge seit gestern Ausgangsperre verhängt worden. Aber wie ihr wisst geht auch in Patan das Unwesen um. Möglichst sich nicht da bewegen, wo die Wahllokale sind. Leider sind die Wahllokale immer unter freien Himmel und ausgerechnet in bei allen historischen Denkmälern. Weshalb auch immer – man hat nicht gerade nachgedacht, denn wenn die Bombenanschläge dort stattfinden, wird auch kulturelles Gut zerstört. Eine Stupa, die ich gerne sehen möchte – wir Ihr wisst, liebe ich ja total diese einzigartigen Stupas; darf ich leider nicht betreten und nicht einmal fotografieren…was? Ich verstehe ja, dass ich keine Wählerin bin und dieser „Stupawahlbezirk“ für mich nicht zugänglich ist, aber nicht fotografieren??? Schade eigentlich. Ich streife ohne Plan durch verwinkelte Gässchen in Patan und lasse mich einfach überraschen, was mir alles so begegnet. Überall wo „Tempel & Stupa Wahllokale“ sind, sind ewig viele Nepalesen versammelt oder sitzen auf den Denkmälern. Alle ganz schick gemacht. Wahltage sind Feiertage – dieser Wahltag ist unter der Woche. Es ist faszinierend diesem Rummel zuzusehen. Fast wie ein Volksfest. Es werden Luftballons an Strassenständen verkauft und gebrannte Erdnüsse sind total in. Überall liegt alles mit Erdnussschalen voll und laufend knackt es unter meinen Füssen. Mülleimer kennt nicht jeder Nepalese. Seltsamerweise sind nicht mal Lokale oder Teehäuser auf. Die Leute sitzen einfach rum und tratschen – Kinder sind seltens dabei. Und ich der einzige Touri. Viele grüssen mich freundlich. Einige Schnappschüsse bekomme ich auch, nachdem ich mir das OK eingeholt habe.

Keiner fragt allerdings nach Selfies. Irgendwann bin ich am Stadttor, das gerade restauriert wird – leider auf moderne Art und Weise. Das Alte wird mit Neuem ersetzt – leider. Die Kultur geht verloren. Auf dem Weg zurück komme ich wie aus Zufall bei dem Tempel der lebenden Göttin, Kumari, vorbei. Eine bewundernswerte Tempelanlage, die ausnahmsweise teils, teils gefliesst ist, Kacheln von 1930 …aus England oder Holland…um den Altar herum. Wahrscheinlich hat da jemand das gehämmerte Messing weggeklaut oder es ist verwittert und man hat es mit Kacheln ersetzt. Das Teakholz ist hervorragend und ins Detail geschnitzt und mit Götter & Göttinnen übersät – vor allem die Dachbalken. Einer japanischen Gruppe wird gerade der Tempel erklärt und sie werden darauf hingewiesen, dass sie die Kumari persönlich die Ehre erweisen können und sich sogar mit ihr fotografieren dürfen. Sie wohnt im Nebengebäude mit einem Priester und ihr Papa darf sogar auch bei ihr sein wenn sie Audienz hält. Ich bin erstaunt. In Kathmandu sieht man sie nur für Sekunden am Fenster und das fotografieren ist verboten. Es hängen Hinweisschilder am Nebengebäude, in dem die Kumari wohnt: Bitte läuten vor betreten des Hauses und Schuhe ausziehen. Die Japaner drängeln sich in das Haus und überlegen brauche ich nicht lange – wenn ich schon mal eine lebende Gottheit sehen darf, bin ich dabei. Man wird sogar von ihr gesegnet, wenn man eine Spende gibt. Nachdem der japanische Rummel einigermassen vorbei ist, ziehe ich meine Schuhe aus und gehe die dunklen, steilen Stufen hinauf in einen Vorraum. Der Raum ist voll mit Bildern der Kumari. Laut Informationen ist sie 9 Jahre alt. Kurze Zeit später betrete ich den Audienzsaal der Kumari und da sitzt sie vor mir – auf einer Art Thron, geschminkt, mit einer Art Krönchen und in einem prächtigen, roten Gewand mit Gold durchwirkt. Mit einem NAMASTE und gefalteten Händen verneige ich mich vor ihr und knie mich nieder. Keine Worte. Mit ernstem Gesicht schaut sie mich an und segnet mich. Dankend nicke ich ihr zu, falte vor ihr meine Hände, vorbeuge mich nochmals und darf sie sogar fotografieren. Stolz von einer lebenden Göttin gesegnet worden zu sein aber trotzdem sehr ernüchternd verlasse ich das alte Gebäude. Die Kleine hat keinerlei Mimik. Keine Wärme in den Augen, keine einzige Bewegung – nur als sie mit einem ihrer Finger mir die rote Farbe auf die oberste Mitte meiner Stirn tupft. Ist das so, muss sie sich so verhalten? Wurde ihr Stillschweigen verhängt und darf sie nicht ihr Gemütszustand zeigen? Das muss ich noch rausfinden, das interessiert mich. Wie auch immer, ich ziehe weiter auf meiner Entdeckungstour und finde noch hier und da einen Tempel, den ich vorher noch nicht gesehen habe, bummle durch enge Strassen und Gassen und bin schliesslich wieder beim Durbar Square, der heute frei zugänglich für alle ist! Ganz schön was los, denn ganz klar, dieser historischer Ort wird ebenso als „Wahllokal“ im Freien genutzt. Heute empfinde ich es wie auf einem Rummelplatz. Tausende Menschen sind unterwegs und sitzen vor den Tempeln, Pagoden oder dem Königspalast und geniessen den herrlich sommerlichen Tag in der Nachmittagssonne. Ich setze mich dazu und esse ein Eis und beobachte die Menschen und den Himalaja, der sich allmählich in ein rosa rotes Licht taucht. Schnell zum Homestay. Wahrscheinlich sieht man dann auch heute den Himalaja vom Dach meines Homestays Yamba. Und tatsächlich. Ich erklimme das Dach bis zum höchsten Gipfel – und das bei meiner Höhenangst! – und geniesse den Ausblick und den Sonnenuntergang bevor sich alles in absoluter Dunkelheit taucht. Bevor ich zum Flughafen aufbreche, verabschiede ich mich noch bei Gihendras Familie. Der Taxifahrer ist glücklicherweise um 19:30 Uhr fahrbereit – wir hatten schon gerätselt, wie ich zum Flughafen komme, falls er aufgrund der Wahlen doch nicht fahren darf. Gott sei Dank blieb mir der Transport mit dem Motorrad, Koffer, Rucksack ich und Fahrer erspart. Wieder einmal heisst es Abschied nehmen. Abschied nehmen von Nepal.

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