NEPAL – Om Mani Padme Hu…

NEPAL – Om Mani Padme Hu…

NEPAL

 

Montag, 20.11.2017

 

Rishikesh – Delhi – Kathmandu

 

Auf zum Flughafen Dehradun – Delhi – Kathmandu

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

FREI SEIN FÜR NEUE ERLEBNISSE UND ABENTEUER! GLÜCKLICH & DANKBAR SEIN, DAS ALLES WAHRNEHMEN UND ERLEBEN ZU DÜRFEN!

 

Gähn! Um 4.30 Uhr morgens klingelt mein Wecker. Nicht unbedingt meine Uhrzeit. Punkt 5 Uhr stehe ich vor meinem Guesthouse und warte auf mein Taxi zum Flughafen. Kurzes Schwitzen – denn es läst auf sich warten. 15 Minuten später ist es dann da. Habe mir schon ausgemalt, wie ich um diese Uhrzeit zum Flughafen kommen könnte – denn hier ist weit und breit keiner unterwegs! Pustekuchen! Ich steige ins Taxi und es geht zum Dehradun Flughafen. Auf der Landstrasse ist Gott und die Welt unterwegs: ganze Familien, Jung & Alt & zu meiner Überraschung gibt es auch Hunde an der Leine mit Herrchen. Dieses Szene begleitet uns bis zum Flughafen. Mein Taxifahrer meint nur: Morning Walk und Fitness…da kann ich mir wahrhaftig eine bessere Uhrzeit vorstellen, als im Morgengrauen um 5 Uhr bei Nebel einen Spaziergang zu unternehmen…auch super gefährlich, hier gibt es keine Gehsteige und man sieht die Menschen kaum. Am Flughafen geht alles Rucki Zucki und schnell sitze ich im Flieger.

Juliane, ein Mädchen aus Malta und nun in London lebend, erzählt mir von ihrer Ashram Erfahrung. Tagesablauf: 4 Uhr beten, 1-2 Lehrstunden der indischen Manuskripte für ein besseres Leben, 1 Stunde Yoga, weitere Lesungen, gemeinsames Mittagessen, frei bis ca. 16 h, 1 Stunde Meditation, beten, 1 Stunde Yoga, Lehrstunden zu Yoga und so geht dann der Tag rum. Yoga hätte ich definitiv nicht überstanden – ein Versuch wäre es trotzdem wert gewesen. Nächstes Mal und dann danach den Reiki Master. Als der Flieger in der Luft ist, kommen mir die Tränen – traurig, das so wunderschöne, eigenartige Land Indien zu verlassen, noch trauriger, meinen Reiki Meister nicht mehr um mich zu haben – eine Art Lehre Buddhas. Spiritualität pur, wie ich sie bisher noch nie in meinem Leben erfahren durfte. In Delhi ist Smog total – da nutzt mir auch ein Fensterplatz nicht. Bei verlassen des Fliegers kann man nicht mal die Flieger in 15 m Entfernung erkennen obwohl bereits Tageslicht ist. Wie auch immer, ich bin froh als ich in den Anschlussflieger nach Kathmandu steige. 2 Stunden später bin ich da und mit einem Taxi, dass ich mit einer Deutschen und mit einem Türken teile, werde ich in mein Hotel in Thamel Distrikt gebracht. Verkehr ohne Ende aber kein Gehupe wie in Indien – das tut gut. Bisher habe ich nichts wiedererkannt. Kathmandu scheint sich seit 2004 sehr verändert zu haben. Mein gebuchtes Hotel entpuppt sich nicht gerade als das Schönste und für den Preis nehme ich mir definitiv vor morgen ein anderes zu suchen. Ich packe meinen Koffer aus und mache mich zu Fuss auf den Weg in die Altstadt Kathmandus, zum Durbar Square. Angeblich 15 Minuten zu Fuss…mal sehen ob ich das in diesem Labyrinth von Strassen finde. Alles sehr ordentlich und gepflegt in Gegensatz zu Indien. Überall meine geliebten Tempelchen soweit das Auge reicht und auch eine nette kleine Stupa mit dem dritten Auge an einem kleinen Platz…das genau liebe ich an Nepal! Aber zur erst zum Durbar Square, der mich schon immer magisch anzog. Unesco Weltlkulturerbe und Zeuge einer 800 jährigen Vergangenheit! Inmitten von alten Tempelstätten aus Holz und Ziegelstein geht das alltägliche Leben ab. Die Nepalesen verkaufen ihr Obst, ihr Gemüse, Souvenirs, Kleider und vieles mehr auf den Tempelstufen. Steinerne Skulpturen wie Elefanten oder Löwen werden als Aufhänger für ihre Tücher, Schals, Sarongs und vieles mehr benutzt – das gehört eben alles dazu, sogar Garkocher, wo Chai Tee oder Essen zubereitet wird, finden vor den Tempeln Platz. Bei uns würde stehen: Bitte nicht betreten, bitte nicht berühren oder alles würde hinter Gitter oder abgeschränkt sein. Alles ist zugänglich. Zwischen Ruinenfelder vom Erdbeben tummeln sich spielende Kinder und ein grosses Schild weißt darauf hin, dass der Eintritt von 1000 Rupies (ca. 8 Eur) zum Wiederaufbau des Durbar Square verwendet wird. Seit dem Erdbeben wurde nichts getan, wortwörtlich nichts! Die drei Haupttempel sind komplett zusammengebrochen und alles liegt noch herum als ob es gestern gewesen wäre – wahrscheinlich hat sich in den letzten 2 Jahren jeder sein Baumaterial von den Ruinenfeldern zusammengesucht. Es waren Stufentempel, der Grund aus Stein und anschliessend Teakholz. Teilweise sieht man noch die langen, bemalten und geschnitzten Teakholzbalken an Häuserwänden liegen oder sie werden zum Abstützen des Königspalastes benutzt. Der gesamte Durbar Square ist abgegrenzt und Touristen werden aufgefordet, das Eintrittsgeld zu bezahlen. Warum sollte man für etwas Eintritt bezahlen, das aussieht wie ein Ruinenfeld und zudem eh nicht gepflegt wird? Ich traure dem Flair und Charme von dazumal nach…aber das ändert leider die Situation nicht. Die jetzige Regierung ist Korruption und alles gesammelte Geld wird in die eigene Tasche gesteckt. Alle nach dem Erbeben gewordene Obdachlosen haben bis heute nicht die versprochene Entschädigung bekommen. Die Regierungsbeamten schwimmen im Reichtum und haben Luxusvillen und Privatjets. Hoffentlich gewinnen bei den anstehenden Parlamentswahlen die Demokraten. In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden, reges Treiben und Handeln in den Strassen. Mein Abendessen nehme ich auf einer Dachterrasse eines Restaurants ein, von dem ich den Durbar Square im Blick habe und das Tal von Kathmandu bis zum Monkeytempel. Als ich mich auf den Heimweg mache ist immer noch reger Verkehr in den engen Gassen. Kein Wunder hier trägt jeder Mundschutz – Staub ohne Ende, denn teilweise sind die Strassen nach dem Erdbeben immer noch nicht asphaltiert.

Erstaunlicherweise finde ich ohne Probleme zum Hotel zurück und im gleichen Atemzug ein günstiges Hotel in der Nachbarschaft. Nach einem langen Tag bin ich total erschöpft und falle ins Bett…endlich schlafen.

 

Dienstag, 21.11.2017

 

Kathmandu – Durbar Square – Monkeytempel – die schlafende Vishnu (Jalasayana Narayan) – Boudhanath – Pashupatinath – Nagarkot

 

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

ERSTENS KOMMT ANDERS, ZWEITENS ALS MAN DENKT! GO WITH THE FLOW!

 

Früh am morgen um ca. 4 Uhr klingeln bei der Tempelzeremonie eines alten Tempels neben dem Hotel bereits die Glöckchen – das hört sich an wie beim Abendbrot bei der katholischen Kirche. Ich werde wach, schlafe aber nochmals ein und wache ca. 5 Stunden später wieder auf. Der Schlaf war notwendig. Direkt vor dem Hotel ist eine kleine Garküche, in der ich meinen Chai Tee trinke und eine Kleinigkeit esse. Neben mir sitzen zwei Asiaten, die sich seltsamerweise auf English unterhalten. Sie sprechen mich an und fragen woher ich komme. Es stellt sich heraus, dass die beiden ein Paar sind in ungefähr meinem Alter und in Nepal einige Tage Urlaub verbringen, genau genommen nur 3-4 Tage. Sie ist aus Thailand und heisst Hola und er aus Indien, Bombay und sein Name ist Rias. Für heute ist eine „japanische Sight Seeing“ angesagt und sie fragen mich doch tatsächlich, ob ich daran teilhaben möchte. Japanisch deswegen, weil sie an einem Tag sehen wollen, wo andere 3-4 Tage dazu benötigen. Klar, das ist ne feine Sache…so sehe ich wenigstens ohne Anstrengung wieder, was ich 2004 in 4 Tagen gesehen habe und vielleicht so nicht unbedingt wieder gesehen hätte, denn mein Programm sieht anderes vor. Nachdem ich mein neues Hotel bezogen habe, treffe ich mich wieder mit ihnen und unsere Tagestour geht los. Da bin ich aber mal gespannt. Es geht zu erst zum Durbar Square. Die Polizistin ist so mit dem Eintrittsgeld der beiden beschäftigt, dass ich ganz übersehen werde – auch nicht schlecht. Da ich am Abend vorher schon hier war und natürlich 2004, führe ich die beiden ein wenig durch die Gegend und zeige ihnen die wichtigsten Gebäude. Der Tempel der lebenden Göttin (living Godness) ist komplett aus Holz geschnitzt und ein Prachtexemplar. Wir betreten ihn. In seinem Innenhof sind lauter Haremsfenster und ihn einem dieser Fenster erschein mehrmals am Tag die lebende Göttin. Familien bieten dem Tempel ihre Töchter ab 1nem Jahr an, bis zu ihrer Regel werden sie in dieser Tempelstätte erzogen. Auserwählt wird die lebende Göttin von den Priestern. Sie muss mehrere Prüfungen bestehen. Wie das genau vor sich geht kann mir keiner sagen. Auf alle Fälle bekommen wir sie zu Augen – sie ist ca. 2 Jahre alt und wurde extra in Schale und Tracht geworfen um sich uns geschminkt an einem der offenen Haremsfenster zu zeigen. Kurz winkt sie uns zu, schaut uns an und verschwindet wieder. Tradition seit Jahrhunderten. Hola ist Buddhistin, sie betet noch vor einigen Tempeln während ich fotografiere. Nach einer guten Stunde verlassen wir wieder den Durbar Square und weiter geht es zum Monkeytempel oder auch Swayambhu genannt. Unter Buddhisten Nepals von höchster symbolischer Bedeutung. Immerhin soll der Hügel schon vor fast 2000 Jahren als Kultstätte gedient haben und somit ein Kraftzentrum der Buddhisten darstellt. Oben auf dem Berg steht eine enorm grosse Stupa, die nur zu Fuss über mehrere hundert Stufen den Berg hinauf zugänglich ist. Nach dem erschwerlichen Aufgang drehen wir im Uhrzeigersinn unsere Runden und drehen gleichzeigig die Gebetsmühlen, die am Fusse der uralten Stupa angebracht sind. Von hier oben hat man einen erstaunlichen Ausblick über Kathmandu. Bei einigen Gottheiten kann man seine Opfergaben und Geldscheine in Rollen in Sandgefässe stecken. Wenn es also an Geld fehlt, findet man hier genügend. Eine sehr schöne Dekoration, denn die Geldscheine sind sehr kunstvoll gedreht und sehen zusammengesteckt aus wie eine Lotusblüte. Der nächste Anlaufpunkt ist die schlafende Vishnu. In einem Lotusteich liegt aus einem einzigen Stein gehauener Cobra eine schlafende Vishnu, die 5 m lang ist. Es ist ein solches Meisterwerk, dass die Nepalesen annehmen, dass sie von selbst entstanden ist. Sie wird von den Hindus verehrt und hat eine silberne Krone auf und ist mit ewig vielen Blumenkränzen geschmückt. Beeindruckend und einfach einmalig. Wir nehmen ein kurzen Snack neben der Kultstätte zu uns. Weiter geht es nach Boudhanath. Die hier stehende Stupa zählt zu einer der weltgrössten und ist einer der wichtigsten Stupas ausserhalb Tibets und somit eine Pilgerstätte der Exiltibeter. Für mich schon seit eh und je einer der magischsten religiösen Stätte überhaupt. Schon 2004 konnte ich mich nicht von ihr losreisen. Die tibetische Musik, die hier ertönt ist wie ein Ohrwurm…und gleichzeitig hypnotisierend – für mich zumindest. Ich könnte hier Ewigkeiten verbringen und es ist bestimmt nicht das letzte Mal während ich in Nepal bin, dass ich Boudhanath einen Besuch abstatte. Ich freu mich schon darauf. Pashupatinath ist Nepals heiligster Pilgerort für Hindus. Das Varanasi Nepals. Hier werden Tote verbrannt und die Asche in den Fluss gestreut. An diesem Ort verbrannt zu werden bedeutet für die Hindus die Unterbrechung ihres Zykluses der Wiedergeburt. Der Tempel ist allerdings nur für Hindus zugänglich. Wahnsinn…beim letzten Mal habe ich Tage gebraucht dies alles zu sehen und nun alles in Hektik. Ich halte mich normalerweise immer fast einen Tag an solchen historischen und religiösen Stätten auf – und nun geht es schon wieder weiter. Wir fahren bereits schon bei Dunkelheit Richtung Nagarkot, wo die beiden übernachten wollen um den Sonnenaufgang am frühen Morgen zu sehen, bevor sie nach Kathmandu zurückkommen. Nagarkot ist auf einem Berg und bietet wahnsinnige Rundumblicke auf den Himalaya, wenn man Glück hat sogar bis zur Annapurna Gebirgskette und dem Mount Everest! Leider sehe ich das alles bei Nacht, denn ich übernachte nicht und werde nach der Ablieferung der beiden zurück nach Kathmandu gebracht. Die Fahrt dorthin dauert eine kleine Ewigkeit. Wir tummeln uns bei Nacht auf den Berg hinauf und fahren durch sämtliche Schlaglöcher und Militärskontrollen. 2004 unternahm ich einem Tagesausflug mit meiner Familie aus Nepal und wir bewunderten den Sonnenuntergang. Damals gab es noch Natur und kaum ein Haus. Jetzt ist alles voll von Hotels und Restaurant. Der Ort hat die Magie verloren – zumindest bei Nacht.

Wahrscheinlich entschädigt der Blick bei Sonnen Auf- und Untergang. Wir kommen um ca. 20h in Nagarkot an, kurze Zeit später düse ich mit dem Taxifahrer zurück und bin um 22 Uhr wieder im Hotel. Was für ein Tag. Mammutprogramm für heute beendet. Erst Mal alles verdauen.

 

Mittwoch, 22.11.2017

 

Kathmandu – Boudhanath – Nachbar Jam aus Mallorca lässt grüssen – Bihendra und Trekking

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

DER RICHTIGE ZEITPUNKT KOMMT – ABWARTEN UND TEETRINKEN UND SCHNELL HANDELN WENN ES SOWEIT IST.

MEINE PLÄNE STEHEN EIGENTLICH FEST – WEITERFAHRT NACH POKHARA UND DEN CHITWAN NATIONALPARK BESUCHEN! MORGEN SOLL ES LOSGEHEN! ABER WIE ICH DAS GANZE PLANE WEISS ICH NOCH NICHT – ICH WEISS NUR, WAS ICH WILL ABER DIESES MAL RECHTZEITIG EINE ENTSCHEIDUNG TREFFEN MÖCHTE, NICHT ZU SPÄT WIE IN RISHIKESH.

 

Heute geht es Jam in Boudhanath besuchen. Der Sohn meiner Nachbarfamilie aus Nepal ist bis 5 Dezember in Nepal seine Familie besuchen und möchte mich gerne sehen. Auf dem Weg zur Busstation wird mir mal wieder hervorragend von einer Nepalesin geholfen, die mir mitteilt mit welchem Pickup Bus ich bis nach Boudhanath kommen. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich Gott weiss wo gelandet! Nach einer guten Stunde bin ich da, allerdings hatte der Busfahrer mich vergessen und ich muss ein gutes Stück zurücklaufen um bis zu unserem Treffpunkt, dem Boudha Gate zu kommen. Jam wartet bereits schon auf mich. Welch eine Freude – und natürlich einmalig wieder in Boudhanath zu sein. Ich liebe diese mythische Atmosphäre und die begleitende Musik um die Tempelanlage. Nur den Eintritt find ich gemein. Aber Jam weiss ein Hintertürchen um dies zu vermeiden. Als Buddhist geht man in Nepal immer 3 x um eine Tempelanlage und dreht die Gebetsmühle. Wir begeben uns auf den Weg und tun Dasselbe. Er als Buddhist legt Wert darauf aber ich finde es klasse, denn so kann man sich so richtig umschauen und die Einheimischen beobachten. Bevor wir die Stupa begehen, besuchen wir noch eine nahe liegende Tempelanlage und Jam erzählt mir über sein Leben, als er mit seiner Familie noch in Nepal lebte. Spannend. Er hatte eine sehr lebhafte Kindheit und ich erfahre mehr über die Traditionen und Kultur von Nepalesen. Wir essen in einem seiner Lieblingslokale seiner Kindheit, er zeigt mir das Haus, in dem seine Familie vorher gewohnt hat und wo sie als Kinder gespielt haben. Wir besuchen sogar einen Einkaufscenter – er will sich ein Hemd kaufen aber alles unheimlich teuer im Vergleich und keine Qualität. Wenn ich hier auf Western Style Kleider angewiesen würde, würde ich nackt rumlaufen. Miese Qualität und teuer. Aber es gibt auch die traditionelle Kleidung, die mich eher anspricht. Da wir ohne Erfolg sind zeigt mir Jam ein Kaffeehaus und wir nehmen typische Süssigkeiten und Kuchen zu uns. Leider kann ich Jam nicht länger sehen, da er in Reisevorbereitungen ist um seine Grosseltern zu sehen – eine weiter Reise von mehr als 14 Stunden mit dem Bus steht ihm morgen bevor. Mein Gott, eine halbe Weltreise. Er begleitet mich zu einem Pickup Bus und eine Stunde später bin ich wieder in Kathmandu. Fragt mich nicht, wie ich zum Hotel zurückgefunden habe…Wie Jam vorher mit Bihendra vereinbart hatte, wartet Punkt 19 Uhr Bihendra auf mich in der Lobby des Hotels. Bihendra ist ein guter Freund von meiner Freundin Johanna aus Österreich und er will mir eine Trekkingtour in Pokhara und eine Jeepsafari im Chitwan National Park organisieren. Jam hat zwar auch Kontakte, aber seine Kontakte sind momentan nicht vor Ort. Aber immerhin gibt er mir die Visitenkarte seines Onkels, dem in Pokhara das Pokhara Eco Resort direkt am See gehört. Bratan. So ein Zufall aber auch. Thema Hotel geklärt – ich werde da einfach aufschlagen. Mit Bihendra gebe ich mich direkt auf die Hotelterrasse und nach guten 2 Stunden steht mein gewünschtes Programm fest. Ein Drama an das ganze Geld zur späten Stunde zu kommen, aber wenn es ums Geld geht hat man immer hilfreiche Unterstützung und der Geldautomat spuckt plötzlich Umsummen, was ich nicht für möglich hielt! Alles in trockenen Tüchern, morgen bringt mich der Bus nach Pokhara, Bihendra besorgt die Trekkingerlaubnis und ich treffe dann meinen Trekkingführer und meinen Träger gegen Abend in meinem Hotel.

Mein Inder und meine Thailänderin sind per Zufall auch in meinem Hotel – aber für sie geht letztendlich morgen die Reise zurück nach Indien. Schade, ich hatte die Hoffnung sie begleiten mich aber immerhin habe ich die Gelegenheit mich von ihnen zu verabschieden. Ich kam sogar noch dazu mein Daddy zum Geburtstag zu gratulieren, meine Eltern haben sich riesig über meinen Anruf gefreut! So geht ein turbulenter, ereignisreicher Tag zu Ende und ich freue mich riesig auf eine abenteuerliche Trekkingtour & den Chitwan Nationalpark!

 

Donnerstag, 23.11.2017

 

Kathmandu – Pokhara

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

SIMPLY GO WITH THE FLOW…GEMACHT GETAN…DAS MOTTO HEUTE IST MEINEM REIKIMASTER GEWIDMET – ES IST SEIN SPRUCH FÜR MICH, DEN ICH HEUTE BEHERZIGEN WERDE…

 

Ich laufe zur Bushaltestelle – es ist 6 Uhr. Es ist ja nicht ganz soweit – ca. 15 Minuten zu Fuss, das schaffe ich schon. Besser als sich von den Taxifahrern veräppeln zu lassen. Für die kurze Strecke von ca. 1,5 km wollen sie sage und schreibe umgerechnet 3 Euro. Da schleppe ich lieber meinen Koffer und trage meinen Rucksack, dann wird mir auch warm. Der Bus nach Pokhara steht schon einsteigebereit am Wegerand. Ein Chai um mich wachzurütteln und ich nehme ziemlich weit vorne im Bus Platz. Fensterplatz, rechte Seite. Wichtig, wie sich später herausstellt. Um 7 Uhr geht die Fahrt los. Ins Schlaraffenland. Nach kürzester Zeit haben wir Kathmandu verlassen, am Monkeytempel vorbei und landen in einer Gebirgswelt, das seines Gleichen sucht. Fast auf der ganzen Strecke sind wir von der Amapura Gebirgskette begleitet, kurvige Strassen in Täler mit herabstürzenden Wasserfällen, breite, rasende Flüsse mit riesigen Gesteinsbrocken und Sandbänken, fast Seychellen mässig. Überall schwindelerregende Hängebrücken, Palmen, riesige Bananenstauden, Bambussträucher und für alle die sich gerne berauschen möchten, unendlich grosse Marihuana Pflanzen am Wegesrand soweit das Auge reicht. Dieses Landschaftsbild zieht sich fort und fort und fort. Ganz nebenbei auch schnuckelige Dörfer und Märkte, die die seltsamsten Dinge verkaufen wie getrockneter Fisch am Spies und sonstige undefinierbare „Köstlichkeiten“. Sogar eine Hochzeitsgemeinschaft macht mir uns auf dem Weg Pause. Die Frauen in Prinzessinengewänder gehüllt. Zum Foto reicht es leider nicht, sonst fährt mein Bus ohne mich weiter. Nach sage und schreibe 10 Stunden komme ich endlich in Pokhara an – mehr Sitzfleisch hätte ich auch nicht mehr gehabt. Ab zum Hotel mit dem Taxi. Böse Überraschung: Einmal nicht gebucht und das Hotel ist ausgebucht! Mensch Meier. Ich frage nach Barat, den Onkel von Jam. Gott sei Dank ein Kontaktname. Er bringt mich ohne zu zögern zum Nachbarhotel und bald darauf habe ich ein tolles und einigermassen günstiges Hotelzimmer am See von Pokhara – da es bereits schon Dunkel ist, nützt mir die Seesicht allerdings weiter. Mit Bärenhunger verschlinge ich meinen frittierten Reis mit Gemüse. Ganesh, mein Rucksackträger während meiner Trekkingtour wartet bereits schon auf mich. Ein netter junger Mann mit einem göttlichen Namen. Er beleitet mich zu einem Trekkingladen, wo ich mit einer roten Daunenjacke, einen Daunenschlafsack, Trekkingstöcke und Rucksack ausgestattet werde. Dann bringt er mich zurück zum Hotel, wo mir mein Trekkingführer Dorge vorgestellt wird, auch sehr nett und jung. Beide zusammen haben mein Alter: 50! Ich fühle mich geehrt, so nette junge Männer um mich rum – und das für 5 Tage. Ich bin eine Prinzessin! Wir nehmen an einer Getränkehütte Platz und reden über unsere bevorstehende Trekkingtour…meine Zweifel, ob ich das alles durchstehe werden schnell besänftigt. Es gäbe so viel unterwegs zu sehen, dass ich ganz das trekken vergessen würde und Schwubs die Wups wären wir dann auch immer an unserem Tagesziel. Na dann bin ich aber mal gespannt…Als die beiden Weg sind, schaue ich mir noch ein Hotel an, dass ein wenig günstiger ist…als ich es nach dem Trekkingrucksack packen reservieren möchte, hat es allerdings schon zu…hoffentlich habe ich morgen die Gelegenheit dazu, denn ich will nicht mehr vor einem ausgebuchten Hotel stehen.

Schnurstracks ins Bett. Ich bin sooo müde, obwohl ich den ganzen Tag nur im Bus gesessen habe. Noch ne Moskito totschlagen und ab in die Falle…

 

Freitag, 24.11.2017

 

Pokhara – Baglung Buspark – Nayapul – trekken nach Uleri (2200m) – Pratap Hotel, 5-6 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

THE NEVER ENDING STORY…https://www.youtube.com/watch?v=Gf1WT8VEZxk

 

Wieder einmal einer der frühen Morgenstunden. Der Koffer ist bereit zum Abgeben, der Trekkingrucksack gepackt und ich bin neugierig und bereit auf meine bevorstehende 5 Tage Trekkingtour. Im Pokhara Eco Resort stärke ich mich für den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück – wer weiss wann die nächste Gelegenheit kommt? Punkt 7.30 Uhr steht mein Trekkingführer und mein Träger bereit. Ich reserviere noch schnell mein neu erwähltes Hotel wenn ich zurückkomme, denn ich will nicht wieder vor einem ausgebuchten Hotel stehen. Nachdem mir der Mann Trekkingequipmentverleih mein spärliches Bargeld entledigt hat, brauche ich dringend Nachschub, denn auf unserer Route in den Bergen gibt es zwar Zivilisation aber keine Banken.

Wir fahren mit dem Taxi zur Bushaltestelle – ich verstehe ja, dass es früh am Morgen ist, aber normalerweise ist überall in Asien immer rege Betriebsamkeit, nicht heute. Kein Verkehr, keine Busse und an den Strassen stehen überall Polizisten. Was passiert hier? Es sind Wahlen – keiner ist erlaubt durch die Gegend zu fahren. Man hat Angst, dass es wegen den Wahlen Anschläge gibt. Nur das Problem ist, wie kommen  wir zu unserem Ziel, wenn keine Busse und Taxis fahren. Mist. Bihendra hätte das wirklich wissen sollen. Selbst ein Taxi würde uns nichts nützen.

Ich frage Dorge Bihendra anzurufen und nach Rat zu fragen. Touristenbusse sind die einzigsten, die fahren dürfen und wir heuern kurzerhand einen an – Gott sei Dank hatte Bihendra einen Kontakt dafür. Natürlich nicht im Preis einbegriffen. Ich fange an nach Touristen Ausschau zu halten und baggere sie an – ich will schliesslich nicht den unverschämten Preis von ca. 30 Euro bezahlen um an mein Ziel zu kommen. Normalerweise sind es 10 Euro. Nach kurzer Zeit haben wir einen Russen und ein französisches Pärchen, die bereit sind die Kosten mit uns zu teilen. Wir haben überhaupt Glück ans Ziel zu kommen und ich bin echt dankbar…verschieben auf den nächsten Tag hätte die gesamte Planung durcheinandergebracht, denn am spätestens 2. Dezember muss ich zurück in Kathmandu sein – ich bin bei meiner Familie zu einer Weihnachstfeier eingeladen. Es wäre schade, sie nicht vor meiner Abreise zusehen und zusammen Advent zu feiern. Die Fahrt mit dem kleinen Transporter geht hoch in die Berge. Wir sehen die Annapurna Gebirgskette – ein absoluter wunderschöner und majestätischer Anblick. Für mich ein kleines Deja Vu – ich fühle mich in die Picos de Europa zurückversetzt – da wo ich Ende letzten Jahres und Anfang dieses Jahres Tage, Wochen und fast ein Leben bei Esteban verbringen wollte aber letztendlich die Liebe ein anderen Weg für mich bereithält? Die Fahrt durch unzählige urige Dörfer, die wie Vogelnester in die Berge gebaut sind, ist einfach einmalig. Nach einer guten Stunde kommen wir am Ziel an. Schnell ein Chai Tee, ein heisser Gebäckring, so ähnlich wie der Churos in Spanien und los geht unser Tour in die Berge! Das Dorf durch das wir gehen, ist super ursprünglich und man fühlt sich Anfang des 19 Jahrhunderts zurückversetzt. Teilweise Holzhäuser, teilweise Steinhäuser und alle Nepalesen in ihren Trachten. Alle schauen neugierig auf. Eine weisse Frau mit zwei Nepalesen in Begleitung hat man sicherlich selten. Wir gehen Steintreppen hinunter zu einem Flusslauf, über den eine kleine Hängebrücke führt – ringsum Bergen und tropischen Pflanzen umgeben. Auf Steinen im Fluss waschen Frauen ihre Wäsche und legen sie gleich zum trocknen auf die nahe liegende Gebüsche oder grossen Steine. Die Kinder spielen neben ihnen. Nach einigem trekken in der Natur Berg auf und Berg ab, kommen wir zu weiteren tibetischen Dörfern. Viele Tibeter sind damals mit Dalai Lama aufgrund der politischen Situation aus Tibet geflohen und haben sich in Nepal, Indien etc. niedergelassen. Hier in den Bergen findet man viele kleine Gemeinschaften, in denen sie mit ihren Familien leben und arbeiten. Neben uns begleitet uns ständig ein Flusslauf und die Natur zeigt sich in den prächtigsten Farben und Vollendung. Sehen, riechen, hören & fühlen! Tausende von überwältigenden Eindrücken – ob meine Begleiter das genauso sehen oder sind sie diese Einmaligkeit schon gewöhnt? Sehen es auch die Trekker vor lauter trekken und möglichst viele Kilometer in wenigen Stunden hinter sich zu bringen noch all das oder geht es nur noch um Leistung um möglichst bald am Ziel zu sein? Meine Wenigkeit stürmt mit der Kamara meinen beiden Jungs hinterher, kaum fassend, dass es auf der Welt so schön sein kann. Das Schlaraffenland. Es geht weiter berg hoch. Weiter über Hängebrücken, unter denen der Fluss hinunterrauscht und Wasserfälle mit ihrer Gischt uns erfrischen. Wir haben Sonnenschein und ca. 24 Grad…wortwörtlich eine Erfrischung, denn wir kommen bergauf ganz schön ins Schwitzen. Uns begegnen bepackte Essel, Träger, die Lebensmittel das Tal oder den Berg hoch befördern, Trekker, die uns entgegenkommen um ihre Tour in den nächsten Stunden oder vielleicht auch Tagen zu beenden. In einer urigen Hütte nehmen wir das Mittagessen ein…die beiden Jungs eine Maggi Nudelsuppe und ich getraue mich an ein Omelett mit Blattspinat – das erste Omelett seit Jahren, nach meiner bitteren Erfahrung in Marokko. Ein Chai danach darf nicht fehlen und unsere Tour geht weiter steil bergauf. Irgendwann schwindet die Sonne und es wird bewölkt. Die herrliche Aussicht auf die Annapurna Gebirgskette schwindet und bald geht es mit steinernen Treppen in die Höhe. Unendliche Treppenstufen, die kein Ende nehmen. Puhhh. Mit geht die Puste aus. Unsere Stopps für eine Ausschnaufspause werden mit atemberaubenden Panoramablicken auf das Gebirge und ewig viele Terrassen am Berghang und auf kleine Dörfchen belohnt. Irgendwann benenne ich diesen endlosen Aufstieg „the never ending Story“…irgendwo gehen Träume in Erfüllung aber trotzdem sind die Stufen unendlich…und summe das Lied vor mich hin – ich versuche es zumindest, den mein Atem reicht nicht dazu aus. Nach guten 3 Stunden Trekking mit unbeschreiblichen Naturschönheiten auf das Drumherum und dem weiten Tal, das sich unter uns ersteckt, kommen wir endlich an unserer Herberge an. Sie liegt direkt am Berghang. Mein kleines Zimmer hat den Ausblick auf den Fischschwanz – Fishtale, wie man den bekannten 3100 m Berg sehr gerne nennt. Alles ist hier sehr rustik, mit Holz und auf einfachste Weise. Mein Bett ist ein Bretterschlag mit Schaumstoffmatratze aber immerhin ein  grosses Bett! Rote Mickeymouse Bettwäsche geben dem Zimmer ein wenig Farbe und Aufmunterung – goldig und einfach süss! Ich nehme in einem kleinen Gemeinschaftsdüschchen eine eiskalte Dusche – Warmwasser gibt es hier nicht, aber nach dem Schwitzen tut es wortwörtlich gut! Da ich durchgeschwitzt bin Durch den Sonnenuntergang färbt sich Stunden später die Gebirgswelt alles in rosarot & rot. Ein fantastischer Anblick! Wir essen zu abend – die bekannte nepalesische Thali – Reisplatte. Echt lecker. Eine aus Batterien betriebene Lampe spendet uns Licht – Strom gibt es erst gegen später, wenn wir Glück haben!

Tja, nichts mit Handy aufladen oder Reiseberichte schreiben…es ist erst 18.30 Uhr und ich dachte das wäre ein willkommener Zeitvertreib. Dortge nimmt mich mit auf Dorferkundung am Hang. 18 Jahrhundert. Das wenige Licht in den Hütten weißt uns den Weg. Die Nepalesen sitzen alle in ihrem Heim und wärmen sich am Ofenfeuer ihrer Küche. Wir gehen wieder zurück und ich bekomme eine halbe Stunde die Gelegenheit auf Strom für meinen PC um meine Reiseberichte ein wenig auf Vordermann zu bringen und dann wird alles wieder duster. Zum Glück habe ich eine Taschenlampe um alle sieben Sachen einzupacken um um 20 Uhr im Bett zu landen. Alle anderen sind schon um 19 Uhr verschwunden. Das heisst meine beiden Jungs und ein junger Franzose, der schon seit 2 Wochen alleine die gesamte Gebirgskette des Himalayas trekkt. Hut ab. Ohne Strom und Licht was tun? Ausruhen und Ausschlafen! Morgen um 6 Uhr klingelt der Wecker. Das bedeutet 10 Stunden Schlaf! Was für ein Luxus!

Was für ein einmaliger Tag! Was für ein Glück ich habe, das alles erleben zu dürfen! Was brauche ich mehr? Seltsamerweise auch ohne Muskelkater und Beschwerden. Ich falle bald in meinem kuscheligen Bett mit Blick auf die Berge in einen tiefen Schlaf…

 

Samstag, 25.11.2017

 

Uleri – Bhanthati – Gorepani (2870m) – Kamala Lodge 4-5 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

TAKE MY BREATH AWAY – GENAUSO EMPFINDE ICH HEUTE, ATEMBERAUBEND SCHÖN IST DAS LANDSCHAFTSBILD UND ATEMRAUBEND SIND ALL DIE STUFEN UND DER STEILHANG, DER NOCH VOR MIR IST UM MICH AN MEIN ZIEL ZU FÜHREN! ALLES HAT SEINEN PREIS!

 

Um 6 Uhr morgens liege ich im Bett und bestaune die teils teils noch in Nebel gehüllte Fischflosse vor mir. Was für eine Wohltat dies Nacht und was für ein göttliches Aufwachen. Was will man mehr? Frühstücken und weiter geht es. Bergauf. Bergauf. Bergauf. Wir lassen ein atemberaubender Ausblick auf die Gebirgswelt in rosarotem Licht gehüllt zurück…das entschädigt ein wenig den weiteren Aufstieg. Auch heute habe ich mein Motto: Take my breath away. Das ganze nimmt kein Ende zu nehmen. Bald entledigen wir uns sämtlicher Kleidungstücke. Die eisige Kälte am Morgen lies sich nur mit Daunenjacken und langen Unterhosen bewältigen. An einem Wasserfall machen wir kurz Stopp und packen alles Überflüssige in unsere Rücksäcke. Dieses Mal haben wir keine Ausblicke – dafür aber tropischen Regenwald mit unendlichen Regenwäldern, vielen Blumen, Flüsschen und Wasserfälle, die uns während des gesamten Weges bergauf begleiten. Meine Begleiter unterhalten sich angeregt und nach einiger Zeit kommt mir die nepalische Sprache bekannt vor…ich komme zu dem Schluss, dass Tolkien in Herr der Ringe für die Elfensprache die nepalische Sprache als Anregung benutzt hat. Auch ein blblblbl… wie im Buch und wie im Film…hahaha. Meine beiden Jungs finden das Ganze sehr amüsant und versuchen mir ihre Sprache näherzubringen. Mal sehen was hängen bleibt? Nach Sage und Schreibe 4 Stunden ohne Rast und Pause – ok…Toilettenpause, kommen wir in Gorepani (2870m) an! Ausnahmsweise geht es mal bergab…aber nur ein klein wenig, denn an einem Bergrücken liegt unsere Lodge Kamala mit Blick auf die Annapurna Gebirgskette. Ich beziehe mein kleines Zimmerchen…super süss unter dem Dachstuhl mit Blick auf die Gebirgswelt. Heilfroh, dass wir so früh angekommen sind. Ohne grosse Pause sind wir ca. 1,5 Stunden früher da als angenommen. So haben wir genügend Zeit, um uns von den Strapazen zu erholen. Ich bin mir nicht ganz sicher was schlimmer ist…bergauf oder bergab. Für heute bin ich auf alle Fälle geschafft. Nach meinem Mittagessen mit meinen beiden Jungs sitze ich zwischenzeitlich auf meinem Bett … es ist eiskalt! Ich habe meine Daunenjacke an und meine Beine sind in meinem Daunenschlafsack. Endlich Strom. Zeit für meine Reiseberichte, wenn auch kein Internet. Irgendwann, nachdem ich mich ein wenig aufgewärmt fühle, mache ich mit Dorje einen kleinen Rundgang durch unser Dorf Gorepani. Es gibt allerdings nicht viel zusehen, ausser an Unmengen an Unterkünften und View Points – aber ab ca. 12 Uhr zieht sich in den Bergen eh alles zu. Am frühen Morgen nach Sonnenaufgang klärt sich alles auf und man hat eine einmalige Sicht auf die Süd Annapurna Kette (7200 m).

Tja…es ist noch hell und zwischenzeitlich bitterkalt – ich begebe mich in den Speiseraum, wo in der Zwischenzeit der Holzoffen angeworfen worden ist. Umweit davon nehme ich Platz und wärme mich. Meine beiden Jungs halten Mittagsschlaf – noch eine Möglichkeit sich warm zu halten, wenn man in seinen Daumenschlafsack schlüpft. Nach unseren gemeinsamen Abendessen gehen wir früh ins Bett – es ist 20 Uhr. Morgen heisst es um 5 Uhr wach sein, denn es geht zur Punhill Station zum Sonnenaufgang. Als ich im Bett liege, frage ich mich, ob man vor Kälte im Bett sterben kann, obwohl man in voller Montur und mit einem Schal in seinen Daumenschlafsack steigt, eine Daumenjacke über den Kopf hat und noch zusätzlich mit einer gefütterten Decke zugedeckt ist. Ich kann mich weiss Gott nicht an einem Moment im Leben erinnern, als es so kalt war. Gefühlte -20 Grad und es war nur 0 Grad!

 

Sonntag, 26.11.2017

 

Kamala Lodge – Sonnenaufgang an der Punhill Station (3210 m) 1 Stunde mit Aussicht auf die Gebirgskette Arnapurna, Dhaulagiri (8172m), Fishtail (6994m) & Himchuli (6400m) – Frühstück im Hotel – Bhanthati Hungry Eye Lodge Mittagspause – Tadapani (2660m) – Super View Lodge – 4-5 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

TOO MUCH ENERGY – TOO MANY ACCIDENTS! WIEDER EIN MAL EIN MOTTO MEINES REIKIMASTERS! DER TAG HEUTE SOLL LANGSAM VERLAUFEN! ICH WERDE ALLES IN RUHE ANGEHEN LASSEN UND KEINER WIRD MICH DEN BERG HINAUF- ODER RUNTERTREIBEN! ENERGIESPARMODUS!

 

Ich habe super gut geschlafen – wahrscheinlich die Höhenluft und irgendwann war die Kälte vergessen! 5.15 Uhr klopft Dorje an meine Tür. Es geht los. Dorje mit Headlamps, Ganesh ohne etwas und ich mit einer Taschenlampe stürmen wir Punhill Station. Stürmen ist übertrieben! Es geht wieder einmal bergauf – 1 Stunde Stufen! Von 2870 auf 3210 Höhenmeter. Nach knappen 10 Minuten geht mir schon der Atem bei den überaus steilen Stufen aus. Wie soll ich das nach oben schaffen? Viele werden bei der Höhe Höhenkrank und ich bin sehr dankbar, dass das bei mir bisher nicht der Fall ist – aber wenn man sich überanstrengt, kann sich das ganz schnell ändern. Ich lege ständig eine Pause ein, den mein Sauerstoff in der Lunge und Oxygen Wert im Blut geben mir keine Einverständnis. Wenigsten habe ich so ein Fotostopp, denn die Gebirgswelt um uns gibt allmählich ihren majestätischen Blick frei und es fällt mir schwer mich loszureissen. Wie so auch? Kann es überhaupt noch besser werden. Ich verliere fast die Lust auf den Sonnenaufgang, der soviel Hingabe und Stufen abverlangt. Irgendwann akzeptiere ich das Verlangen meines Körpers und ich gehe auf Energiesparmodus. Lieber langsam als nie und siehe da, irgendwann kommen wir an der Punhill Station an – mit einer halben Stunde „Verspätung“ aber die Berge sind immer noch da, wenn auch das Morgenrot in der Zwischenzeit verflogen ist. Einen Sonnenaufgang gab es nicht – es war zu nebelig. Was soll ich sagen, wie soll ich das alles beschreiben? Die gesamte Gebirgswelt zu meinen Fuessen! Die Gebirgskette Arnapurna, Dhaulagiri (8172m), Fishtail (6994m) & Himchuli (6400m). Es könnte nicht besser sein. Ich besteige den Aussichtsturm um noch einen besseren Blick zu erhalten. Es ist wie Fliegen hier oben und ich verweile eine ganze gute Weile und schaue zu, wie sich die Farben des Morgenrots ständig auf der schneebedeckten Gebirgskette verändern! Etwas schöneres habe ich tatsächlich noch nicht in meinem Leben gesehen! Absolut beeindruckend! Nach dem Abstieg wird kurz gefrühstückt und dann begleitet und die Gebirgskette noch eine geraume Zeit in unserem Rücken als wir wieder mal unendlich bergauf Richtung Tatapani ziehen. Schwindelige Anhöhen – im wahrsten Sinne des Wortes! Irgendwann geht es dann endlich mal bergab. Ich weiss wirklich nicht, was mir lieber ist, denn nun sind Trekkingstöcke gefragt und es geht richtig steil hinunter. Teilweise rutschige Treppen, teilweise Steine und feuchter Laubboden. Meine Kamara packe ich sicherheitshalber weg, schade eigentlich, denn ich hätte zu gerne eine kleine Erinnerung von diesem Feen ähnlichen Zauberwald mit seinen moosbedeckten Bäumen, Wasserfällen und tiefen Schluchten. Dorje erklärt mir, dass viele Touristen beim Trekken auf eigener Faust in diesen Wäldern verloren gehen. Vorallem die Jugendlichen mit wenig Budget, die sich keinen Trekkingführer leisten möchten. Wenn man in diesen schwindeligen Höhen abstürzt und niemand dabei hat, verhungert man elendig oder wird von den Schwarzbären gefressen. Gruselig. Irgendwann ändert sich die Flora und Fauna und wird ein wenig härter. Viele umgefallene, moosbewachsene Bäume und die Wege werden teilweise unbegehbar. Unheimlich grosse Bäume mit den seltsamsten Formen, fast Trollartig. Nach 2 Stunden eifrigen bergab legen wir eine Mittagspause in Bhanthati ein und zwar in der Hungry Eye Lodge mit leckeren Thali. Das tut gut. Pause für die Beine und für das Gemüt, denn schliesslich steht und danach wieder ein 1 stündiger Aufstieg bevor nach Tadapani (2660m). Stufen satt und rutschiges Erdreich. Immerhin erwartet uns in Tadapani ein wieder mal genialer Ausblick auf ein Tal, natürlich erst am Morgen, als wir ankommen ist alles bereits in Nebel gehüllt und wieder mal eisig kalt. In der Super View Lodge bekomme ich das Zimmer 07, das sich allerdings nicht als 7 Himmel entpuppt sondern als Gefängnisszelle. Immerhin ist der Speisesaal warm geheizt, das entschädigt! In gemütlicher Runde sitzen wir um den Ofen – es ist erst 14:30 Uhr – die Zeit vergeht in Asien einfach nicht – aber das finde ich wunderschön!

In Familienrunde – einfach herrlich! Alles sitzt gegen später immer noch um den angeworfenen Holzofen. Ach wie kuschelig warm. Die Mami gibt ihrem 1 Jahr alten Baby die Brust, die anderen Mädels sind mit nähen beschäftigt, Männertalk, den ich auch auf Deutsch nicht verstehen würde…einfach interessant…wann gönnen wir uns in Europa eine solche Gemütlichkeit? Wir benötigen den Fernsehe, Kino, Party, Kneipe, Bar und Disco oder sind mit Freunden unterwegs um was zu erleben. Hier gibt es noch das soziale Familienleben, das bei uns grossteils schon vergessen ist. Draussen ist es eisig kalt…wieder mal mehr gespürte Kälte als wirkliche! Ich bleibe hier bis alle ins Bett gehen – die Wärme muss man mitnehmen. Zwischenzeitlich habe ich das Zimmer gewechselt. Jetzt bin ich in einem Galeriezimmer mit Fenster rundum und zwei kleine Betten. Herrliche Aussichten auf den Fishtail und die Dörfer ringsum und ein sagenhafter Sternenhimmel bei Nacht. Heute Nacht ist so bitter kalt, dass ich wieder einmal nur meine Trekkinghose ausziehe und sogar meine Strumpfhose anlasse. Die Toiletten sind in allen Unterkünften in den Bergen wenn man Glück hat auf dem Gang. Auch das Waschbecken und die Duschen. Dieses Mal leider nicht. Ich muss das Gebäude komplett verlassen und im Freien eine Katzenwäsche vornehmen. Das Wasser ist eiskalt. Warmwasser gibt es nicht. Das Duschen verschiebe ich auf morgen. Ein Genuss im kuscheligen, warmen Bett zu liegen und nach draussen zu schauen – die Bergkette bei Nacht, die Lichter der Dörfer in der Ferne, den Sternenhimmel über mir…

 

Montag, 27.11.2017

 

Tadapani (2660m) – Super View Lodge – Gandruk (1860m) – Syaulibazzar (1200m) 5-6 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

STAIRWAY TO HEAVEN! ES GIBT IMMER EINE STEIGERUNG, AUCH WENN MAN DENKT, MAN HAT DAS HIGHLIGHT SCHON ERREICHT! MIT BEGNÜGSAMKEIT HÄLT MAN SICH IMMER EIN TÜRCHEN OFFEN FÜR ÜBERRASCHUNGEN IM LEBEN!

 

Aufwachen mit dem Sonnenaufgang über dem Tal und mit Blick auf den Fishtail – er zeigt sich zwar noch im Nebel gehüllt aber gegen später lichtet er sich bestimmt. Das ist alles wie ein Traum. Wieder einmal ausgeschlafen, obwohl es erst 6 Uhr morgens ist – immerhin war ich um 20 Uhr im Bett! 10 Stunden Tiefschlaf! Ganesh, Dorje & ich neben ein typisches nepalisches Frühstück zu uns – so was ähnliches wie eine Linsensuppe aber mit grossen Kartoffelstücken und Bohnen, ziemlich scharf das ganze. Dazu wird ein hart gekochtes Ei serviert und Fladen.

Man muss stark sein für den Tag – immerhin haben wir einen Tagesmarsch von 5-6 Stunden vor uns. Ausnahmsweise geht es steil bergab…stundenlang. Es begleitet uns der Fishtail, der nach ca. 2 Stunden seinen Blick auf ihn ohne Wolken freigibt. Alles ziemlich glitschig hier, es gibt keine Stufen sondern Wege an Hängen, die teilweise von grossen Steinen und Wurzeln unterbrochen sind. Ringsum dichter Wald und viele Lianen…fehlt nur noch Tarzan. Es gibt hier Schwarzbären, Tiger, Leoparden & Affen. Allerdings nur in den frühen Morgen- oder Abendstunden eine Gefahr. Neben uns begleitet uns immer den Weg hinab kleine Wasserfälle, die irgendwann einmal in riesige Wasserfälle enden und uns die Gischt ins Gesicht treibt. Nach und nach wird es immer grüner, schliesslich kommen wir von 2660 m auf allmähliche 1200 m.

Irgendwann endet der Wald und wir stehen an einem Berghang, der uns den Blick auf das weite Tal von Gandruk freigibt und auf den Fishtail. Vor uns ein Dorf an einem steilen Berghang mit typischen nepalischen Häusern. Gegenüber des Tals Reisfelder soweit das Auge reicht. Das Tal wird von einem reissenden Fluss durchschnitten. Alles ist grasgrün, kunterbunt mit Blumen übersät und blühenden Bäumen. Schmetterlinge, die Vögel zwitschern und in der Ferne hört man den rauschenden Fluss…für mich der Stairway to heaven…einfach überwältigend! Ein Augenschmaus. Der absolute Höhepunkt an Schönheit während meiner 4 Tage Trekkingtour.

Mit Worten unbeschreibbar. Unser schmaler Pfad führt direkt am Berghang entlang weiter – Höhenangst darf man auf dieser Tour nicht haben…ein falscher Tritt und man würde ganz tief fallen – nicht nur heute, sondern während unserer gesamter Tour, in der sich einige tiefe Schluchten offenbart haben. Uns begleitet die Sonne und es ist wollig warm – eine Wohltat nach den letzten 2 kalten Tagen. Wir nehmen in einen kleinen Bergdorf Chai Tee zu uns und eine „deutsche“ Nussschnecke frisch aus dem Ofen mit Blick auf das Tal und ewigen Reisterrassen. Wir sind nun schon fast 4 Stunden unterwegs – und nur bergab. Meine Knie sind schon ganz wackelig und meine Zehen schmerzen. Mit den Trekkingstöcken brauche ich länger als ohne – aber besser abgesichert sein. Die Stufen hinab sind ziemlich hoch oder der Weg richtig steil…nicht vergessen, hier gibt es keine geteerte Wege oder Wege mit Kieselsteinen gepflastert…man geht entweder auf rutschigen Schiefersteinen, Steinen, pure Erde oder Laub!

Die letzten 2 Stunden gehen wir auf einem Pfad entlang der Reisterrassen. Überqueren Hängebrücken oder auf quergelegten Bäumen Flüsse. Teilweise moosige Brücken, die mit grösseren Steinen geflickt sind, um Holzlatten zu ersetzen. Wohlgemerkt, die Brücken ohne jegliche Absicherung und Geländer – es sei denn es sind wackelige Hängebrücken mit einen Stahlseil links und rechts. Uns begegnen viele Einheimische, die immer irgendetwas tragen. Sei es Holz in Bastkörben oder Lebensmittel in käfigartigen Gestellen. Einige Trekkinggruppen haben sogar Frauen zum Tragen angeheuert – das würde ich nicht zulassen. Sie tragen teilweise ihr Eigengewicht. Auch die Männer. Die Trekkingroute ist absolut nicht mit fahrbarem Untersatz befahrbar. Nur zu 30% sind die Wege für Esel als Transportmittel zugänglich. Sprich, alles, was ich in den letzten 4 Tagen bisher gesehen habe, ist nicht einfach erreichbar und nur auf eigene Faust erkundbar! Wow! Allerdings ein schlechtes Omen für die Menschen, die hier leben – sie müssen ziemlich weite Wege zurücklegen. Wir sehen erstaunlicherweise viele alte Menschen, die sich mit Krücken oder Stöcken die Wege hinaufschleppen. Wer nicht gehen kann hat Pech gehabt – alles ist nicht mit rollbaren Untersatz erreichbar – auch nicht mit dem Fahrrad, Mountainbike, Jeep, Rollstuhl oder Kinderwagen – ich will das nur nochmals betonen!

Endlich sind wir unten im Tal und gehen direkt am Fluss entlang. Unser Weg schlängelt sich durch Reisterrassen. Nach zwei Stunden sind wir in unserem Syaulibazzar Guesthouse, dass direkt an einem rauschenden Fluss zwischen Bergen und Reisterrassen liegt. Ein Eckzimmer mit Blick auf den Fluss mit einem grossen Bett – es besteht also keine Gefahr mehr aus dem Bett zu fallen! Dorje und Ganesch begleiten mit zum Fluss und führen mich ein wenig rum. Das Guesthouse hat einen grossen, mit Blumen überfluteten Garten und sogar ein Fischteich. Vor der Tür arbeiten Frauen auf dem Reisfeld und sieben den geernteten Reis. Auf eigene Faust drehe ich dann meine eigene Runde, Fuchur, der Hund des Eigentümers, begleitet mich. Ich nenne ihn zumindest so, weil er aussieht wie der fliegende Drache von der unendlichen Geschichte. Nach vier Tagen endlich eine warme Dusche! Was für eine Wohltat! Entspannen, relaxen und Nichtstun! Nach 6 Stunden bergab ist mein Kniegelenk geschwollen und tut richtig weh – kein Wunder nach diesem Mammutwalk heute. Um 18 Uhr sitzen wir drei beim Abendessen und wie üblich gibt es nicht sonderlich viel zu tun. Strom ist da, aber keine Steckdose…wie man sieht, passt hier immer was nicht…die ganze Zeit hatte ich Steckdosen und kein Strom…also nichts mit Reiseberichten schreiben und Fotos hochladen. Auf das Internet muss man beim Trekken eh verzichten – aber es tut auch mal gut von der Welt abgeschnitten zu sein und einfach bei sich selber zu bleiben…Ich freu mich auf eine erholsame Nacht mit Flussrauschen und klarem Sternenhimmel…Die Temperaturen liegen deutlich über dem Gefrierpunkt: 10 Grad – was für eine Wohltat!

 

Dienstag, 28.11.2017

 

Syaulibazzar (1200m) – Nayapul (1000m) 2 Stunden, 1,5 Stunden Busfahrt nach Pokhara

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

DANKBARKEIT FÜR EINE GENIALE ZEIT & FÜR DIE ABSOLUTE & UNVERGESSLICHEN  HIGHLIGHTS MEINER 5 TÄGIGEN TREKKINGSTOUR!!! ICH BIN GESUND UND MUNTER UND KAM HEIL ZURÜCK! ICH HABE ES GESCHAFFT 85 KM DURCH DIE HIMALAYA GEBIRGSWELT ZU TREKKEN BIS ZU EINER HÖHE VON 3220 M – FERNAB VON JEGLICHER ZUVILISATION UND NUR ZU FUSS ERREICHBAR! 5 TAGE SIMPLYCITY AND BACK TO NATURE!

 

Wieder einmal ein herrlicher Morgen in den Bergen! Ich wache auf in einem herrlichen, grossen Bett und mir ist so richtig kuschelig warm und endlich mal ohne Gänsehaus aufstehen.

Dorje und Ganesh warten schon auf mich um gemeinsam zu frühstücken. Die Familie unseres Homestays sind so freundlich und haben ein solch schönes Lächeln. Es war so richtig nett bei ihnen aber wir trekken weiter Richtung Nayapul, um unsere 5 tägige Trekkingtour zu beenden.

Immer schön dem Fluss entlang, vorbei an Reisfeldern und kleinen Dörfern, über Hängebrücken, Baumstämme, die uns über den Fluss führen, vorbei an Wasserfällen, Schluchten und Gärten. Früh am Morgen ist einiges los. Man sieht, wie die Mütter ihre Kinder für die Schule vorbereiten, sie kämmen ihnen am Strassenrand vor dem Haus die Haare oder waschen sie am Brunnen, setzen ihnen den Schulranzen auf oder begleiten sie sogar zur Schule. Einige Kinder, die nicht zur Schule gehen können, fegen den Gehsteig, sammeln Holz am Strassenrand oder helfen der Oma beim waschen oder spülen das Geschirr am Brunnen.

Männer sitzen zusammen und tratschen…einige sind auf dem Reisfeld mit dem Ochsengespann und andere schleppen Futter für die Wasserbüffel in ihren Schuppen…ich werfe einen Blick zurück – und erhasche einen letzten Blick auf die schneebedeckte Gebirgskette und dem Fishtail… nach guten 2 Stunden kommen wir im Nayapul an und nehmen eine kleine Stärkung zu uns, bevor es zurück nach Pokhara geht. Wir sind mit dem Bus ca. 2 Stunden unterwegs.

Ganz schön eng, ein asbachuralter Bus und man glaubt es nicht mit Video…ein Bollywoodfilm!

Eine super Vertonung…man hört jedes Wort obwohl wir in der letzten Reihe sitzen. Das Landschaftsbild auf dem Rückweg ist einmalig! Berge, Reisterrassen, Dörfer und vieles mehr.

Wir wechseln nochmals den Bus und den Rest zu meinem Hostal gehen wir zu Fuss – was plötzlich kinderleicht ist – keine Treppen rauf und runter, keine Anhöhen, kein Stock und Stein…alles gerade, geteerte Strassen…ich bin so im Laufrhythmus, dass ich gar nicht aufhören möchte zu gehen. Im Hostal bekomme ich ein richtig nettes, sonnendurchflutetes Zimmer mit grossem Bett…ich liebe grosse Betten, das habt Ihr sicherlich schon festgestellt, grins. Jetzt heisst es Abschied nehmen von meinen fabelhaften Jungs, mit denen ich wie eine Prinzessin eine solche besondere Zeit und kleine Abenteuer erleben durfte! Ich bin heilfroh und weiss es sehr zu schätzen, dass ich das alles erleben durfte! Gott sei Dank auch dafür, dass ich mit den Jungs alleine war – auf einer solchen Tour sollte man nicht abgelenkt sein – sonst kann man alles nicht mit seinen sieben Sinnen erleben! Ich war 100% dabei und habe bis zum geht nicht mehr genossen! Jeden einzelnen Augenblick! Um mich abzulenken, dass ich mal wieder ganz alleine bin und ohne eine grandiöse Begleitung, schnappe ich mein Reiseführer und erkundige mich zu erst einmal was als nächstes ansteht bei einem Chai Tee und Thali. Dann mache ich mich auf dem Weg zum Phewa See und gehe an seiner Uferpromenade spazieren. Super romantisch und eine spitzenmässige Lage ringsum vom Gebirge umgeben. Bei guten Wetter hat man von Pokhara und von seinem See aus uneingeschränkte Sicht Annapurna Gebirge und dem Bergmassiv Fishtail – aber natürlich lange nicht so gigantisch, wie ich es auf meiner Trekkingtour in 3220 m Höhe hatte…Pokhara liegt lediglich 800 m über dem Meeresspiegel.

Ich treffe noch ein älteres Ehepaar aus Seattle, das uns während des Trekkens begegnet ist.

Sie geben mir noch einige nette Tipps für Pokhara und Vietnam und wir verabschieden uns.

Sonnenuntergang und ein geniales Licht zum fotografieren mit all den bunten Booten auf dem See. Gegen später gehe ich nochmals zum See, denn es gibt hier unheimlich viele Restaurants und Bars und in einigen ist abends immer eine kulturelle Veranstaltung mit traditionellen nepalischen Tänzen & Musik. Das muss ich natürlich sehen! Ist ganz nett und mal was anderes, vor allem die Musik und die wunderschönen Trachten. Wir Frauen lieben Make up um einen schönen braunen Teint zu haben – die Nepalesinnen bevorzugen einen weissen Teint und haben weisses Make up.  Die Tänzerinnen sehen dabei allerdings aus wie Schreckgespenster. Trotzalledem ist die Show für mich ein kleines Highlight. Als alles zu Ende ist, ist es bereits schon 22 Uhr. Jetzt aber nichts wie schlafen, denn morgen wartet ein Mammutprogramm auf mich!

 

Mittwoch, 29.11.2017

 

Pokhara

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

SELBST IST DIE FRAU!

 

Man braucht nicht immer alles voll und ganz durchorganisiert haben und dann noch ein Vermögen dafür zu bezahlen. Ich gehe heute auf eigene Faust los und organisiere meinen Tag.

Für alles was ich vorhabe, wollen die Taxifahrer 60 US Dollar – das finde ich wirklich übertrieben. Mit dem Inder und der Thailänderin haben wir vergangene Woche für einen ganzen Tag 24 US Dollar bezahlt und waren den ganzen Tag unterwegs. Die sehen in uns Touristen echt die Dollar! Punkt 8 Uhr stehe ich nach einem kurzen Frühstück am Strassenrand und warte auf einen Bus, der mich mit nimmt bis zu einem buddhistischen Tempel ca. 8 km ausserhalb von Pokhara, den Bindhya Basini Tempel. Der Bus fährt ewig – fast 45 Minuten bin ich unterwegs. Ich weiss in der Zwischenzeit wirklich nicht mehr wo ich bin – obwohl ich normalerweise eine sehr gute Erinnerung habe. Als der Busfahrer mir ein Zeichen gibt, dass wir da sind steige ich aus und laufe in die Richtung, die er mir zeigt. Der Tempel ist auf einer Anhöhe und normalerweise ist er der perfekte Aussichtspunkt für die Gebirgskette rund um Pokhara – leider ist es nebelig und man sieht nicht sonderlich viel. Trotzdem ist der Tempel sehr urig, vor allem weil im Hintergrund die Mönche singen. Ein Hochzeitspaar bekommt gerade ihre Segnung bei einem Priester in einem winzig kleinen Tempel, der Ganesh geweiht ist, mit gerade mal sage und schreibe 4m2 Fläche. Die Hochzeitsgesellschaft wartet davor und kriegt eigentlich so gut wie nichts mit. Eine Schulklasse ist auch unterwegs mit ewig lautem Geschrei – das würde keine Andachtsstätte bei uns gedulden, aber in Nepal gehört das dazu. Ich mache mich auf den Weg zu dem alten Bazar. Er soll sehr bekannt sein. Man sagt das ist wie Kathmandu vor 30 Jahren. Und es stimmt tatsächlich. Aus rotem Backstein erbaute Häuser säumen den Wegerand. Die Fenster sind noch typisch und kunsthandwerklich aus Holz geschnitzt. Im Untergeschoss sind Läden mit Schiebetüren und geschnitzten Säulen. Der Strassenzug ist mit ewig kleinen schnuckeligen Tempeln inmitten der Strasse gesäumt, woran sich Autos, Busse und Motorräder vorbeikämpfen, weil die Strasse zu eng ist. In einem winzigen Tempel findet wieder mal eine Hochzeit statt….warum ist das hier alles unter der Woche?

Wie auch immer, die Hochzeitsgesellschaft ist auf beiden Strassenseiten verteilt und wartet auf das Brautpaar im Tempel. Ich geselle mich dazu und warte einfach ab was passiert – die ganzen Frauen in ihren Kostümen begeistern mich einfach – ich fühle mich ein anderes Jahrhundert zurückversetzt – alle wunderhübsche Frauen in ihren glitzernden Saris. Die Männer lassen mich kalt – sie stehen in ihren Anzügen rum mit ihren seltsamen Mützen. Irgendwann kommt ein Fotograf und begleitet das Brautpaar zu einem typischen, traditionsreichen Haus mit Holzbalkon und Galerie, von dem aus sich das Brautpaar fotografieren laesst. Die Braut in Nepal ist komplett in rot gekleidet – ein Zeichen, dass sie jetzt die Ehe eingeht. Bei dem Bräutigam spielt die Farbe keine Rolle, aber dieser hier ist in seiner traditionellen, wundervollen Tracht und sieht aus wie ein Maharadscha! Bevor ich gehe, werde ich noch vom Priester und einer alten Oma gesegnet, bekomme Reis auf die Stirn geschmiert und rote Farbe und ein weisses Band um den Hals. Sowas hätte ich bei einer touristischen Tour sicherlich nicht auf diese Weise miterlebt. Meine Tour geht weiter ins tibetische Hemja Camp. Die Tibeter sind hier angesiedelt worden als sie vor 50 Jahren aus Tibet kamen. Das ganze hat sich zwischenzeitlich zu einem kleinen Dorf mit einer Teppichproduktion, Schule und einem tibetischen Tempel entwickelt.

Im tibetischen Tempel findet mitten an Nachmittag eine Zeremonie statt. Ich nehme daran teil und höre wieder mal Mönchsgesänge und Gebete. Das alles fasziniert mich – es hat so was verträumtes und spirituelles an sich. Was ich nicht so toll finde ist die Technik, die zwischenzeitlich auch hier angekommen ist: ein Grossbildschirm vor dem Tempel, damit die Tibeter, die vor dem Tempel im Freien sitzen auch mitbekommen, was im Tempel abgeht.

Ich habe Glück und auf dem Rückweg nimmt mich ein tschechisches Paar aus Prag mit dem Taxi bis in die Stadt zurück. Den Rest der Strecke fahre ich mit dem Bus bis an den See, wo ich anschliessend den Sonnenuntergang geniesse. Wieder mal ein Tag mit viel kulturellen & traditionsreichen Einblicken. Was man nicht alles erlebt, wenn man sich selber auf den Weg macht. Einiges mehr als in führenden Händen zu sein – vor allem weil man viel mehr Zeit mit bringt und offener für Begebenheiten ist und bereit zu empfangen…

 

Donnerstag, 30.11.2017

 

Pokhara – Chitwan National Park

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

FREU DICH ÜBER ALLES, WAS DU IM LEBEN AN ÜBERRASCHUNGEN UND SCHÖNES BEKOMMST! …UND SEI ES „NUR“ EIN WUNDERVOLLER SONNENAUF- ODER UNTERGANG! ERWARTE NICHTS UND SO MEHR WIRST DU ÜBER DAS WAS DIR IM LEBEN BEGEGNET DANKBAR SEIN! NIMM ES AN ALS EIN GESCHENK! ES GIBT VIELE REICHTÜMER AUF DIESER WELT…MAN MUSS SIE NUR ERKENNEN!

 

Das Taxi steht schon um 5.50 Uhr zur Abholung bereit – zumindest sind die Taxifahrer in Nepal pünktlich, nicht so wie in Spanien, wo sie teilweise nicht einmal erscheinen…vor allem wenn es sich um die frühen Morgenstunden dreht! Ich steige ein und die Fahrt geht zum Busbahnhof.

Noch schnell einen Chai Tee und Boxenstopp und nichts wie rein in den Bus, denn es ist bitter kalt. Wir verlassen mit dem Sonnenaufgang Pokhara. Ich sitze auf der rechten Seite im Bus – auf der Fahrt nach Pokhara soll man von dieser Seite den besten Ausblick haben. Es ist Nebel, der sich nach ca. 2 Stunden klärt. Ich höre tibetanische Musik und träume so vor mich hin, während ich aus dem Fenster schaue und überrascht bin, was für eine wunderschöne tropische und saftig grüne Gebirgswelt uns umgibt. Wieder einmal mit einem breiten, reissenden Fluss, der uns fast während unserer ganzen Reise begleitet. Durch das Erdbeben vor 2 Jahren hat leider sehr die Strasse gelitten und die serpentinenreiche Strasse besteht aus unzähligen Schlaglöchern und rechts von mir geht es steil den Abhang zum Fluss hinunter…hoffentlich bricht die Strasse nicht ab…Bauarbeiten sind auf dem grössten Teil der Strecke, was teilweise dazu führt, dass für uns oder dem Gegenverkehr die Strasse im 20 Minuten Takt gesperrt ist.

Danach fängt das Überholmanöver unseres Busfahrers auf der engen Strasse an. Ich komme hier echt ins Schwitzen. Der hat wahrscheinlich irgendeine Wette mit jemand abgeschlossen, wie lange er braucht um an sein Ziel zu kommen…und das auf unsere Kosten. Keine Toilettenpause seit fast 4 Stunden…meine Blase platzt förmlich. Als wir endlich halten komme ich mir vor wie ein Abwasserlieferant. Es haben sich Liter gestaut! Nach guten weiteren 2 Stunden kommen wir endlich in Chitwan National Park an. Zu meinem Erstaunen verschwindet die hügelige Landschaft und alles ist flach und sandig. Meine Abholer von der Dschungellogde haben mich irgendwie vergessen oder ich existiere nicht – aber ich habe ja gelernt mich zur Wehr zu setzen und werde letztendlich zur Lodge gebracht – nach langen Hin- und Her gibt man mir dann doch ein wunderschönes grosses Zimmer mit Veranda mit Blick zu einem Fluss.

Die Anlage ist sehr angenehm und sehr begrünt. Ich nehme mein Mittagessen auf der herrlichen Terrasse der Lodge ein und schaue über den Fluss. Kurze Zeit später bekomme ich mein Programm für heute mitgeteilt. Tierbeobachtung am Fluss entlang und Sonnenuntergang.

Wir sehen im Fluss Krokodile und ein wortwörtlich riesiges Nashorn, in der Ferne rennt Rotwild über die Steppe. Es gibt hier unzählige Vogelarten, die ich noch nie gesehen habe. Der Sonnenuntergang am Fluss ist bombastisch. Bei Einkehr der Dunkelheit sollte man jedoch nicht mehr unterwegs sein, denn dann machen sich die Nashörner auf den Weg zum Fluss und auch die Leoparden…und dieser Fluss ist nur 150 m von meiner Lodge entfernt! Ich erfahre einiges mehr über Nashörner, was mich erstaunt: Sie legen ihren Dung für Wochen oder Monate immer an derselben Stelle ab. Nashörner können allerdings keine Samen verdauen, die sie fressen. Das Resultat davon ist, dass die Samen irgendwann aus dem Dung spriessen und ganze Dschungel und Weiden dadurch entstehen. Und man wundert sich warum in den Bäumen und Sträuchern Dung und Stroh ist…in der Wachstumsphase bleibt es einfach an den Samen kleben und wenn der Samen wächst & spriesst hängt der Dung dann daran fest und klebt förmlich daran. Wahnsinn! Auf dem Weg zurück besuchen wir ein Elefantencamp. Sie werden von der Regierung gehalten, damit Wilderer nicht an ihr Elfenbein kommen. Leider sind sie alle in Ketten gelegt, was ich nicht so schön finde. Es gibt natürlich auf Wilde Elefanten – aber das Risiko ist einfach zu gross, dass sie unter die Räder kommen. So kann man sie zumindest in den „Auffanglagern“ zur Arbeit mitverwenden. Vorallem Holztransport im Wald, Strassenbau oder Touristentransport. Mit 50 gehen sie in Rente und an Feiertagen haben sie frei! Interessant.

Um 18 Uhr gibt es „europäisches“ Abendessen – daran muss ich mich erst wieder gewöhnen – ich bekomme glatt von den Pomme Frites, Gemüsepuffer und den Nudeln Sodbrennen. Das straffe Programm geht weiter. Wir spazieren zu einer kulturellen Veranstaltung mit Tanz, wo uns ca. 40 Männer und Frauen traditionelle Tänze vorführen. Eine wahnsinnige Koordination aus Schritten…und viel mit Stöcken – keiner ist erstaunlicherweise verwundet obwohl sie ihre Stöcke während sie tanzen gegeneinander im Takt hauen – und das mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit. Der Flammenwerfer arbeitet auch in einem Eiltempo, was ich vorher noch nicht gesehen habe…da sind unsere Akrobaten Schildkröten dagegen. Auf dem Rückweg erfahre ich mein Programm für morgen – da bin ich aber mal gespannt, was ich alles zu sehen bekomme und was wir alles unternehmen! Mein Tag morgen zumindest ist ausgebucht von Aktivitäten! In Afrika wäre das alles undenkbar und würde ein Vermögen kosten – in Nepal ist es erschwingbar. Mein grosses Bett mit Moskitonetz wartet schon auf mich. Den Vorhang ziehe ich nicht zu…vielleicht sehe ich ja heute Nacht Nilpferde oder Leoparden an meinem Fenster vorbeischleichen?

 

Freitag, 01.12.2017

 

Pokhara – Chitwan National Park

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

SICH EINFACH FALLEN LASSEN…UND DAS HIER UND JETZT GENIESSEN!

MANCHMAL SIND DIE SCHÖNEN DINGE DIREKT VOR DER NASE UND MAN SUCHT SIE AM WEITEM HORIZONT!

 

Ein nebliger Morgen, man sieht kaum die Hand vor den Augen – na ja…vielleicht wird es noch besser. Es ist 5.55 Uhr. Um 7.00 Uhr beginnt unsere Kanutour. Erstmal frühstücken. Um 6.30 Uhr – pünktlich wie die Eieruhr, holen uns unsere Dschungelführer ab…Zwei Mädels und zwei Männer – was für ein Glück ich auch immer habe – gestern war ich ja schon mit meinem Dschungelführer Bean alleine…heute ist er wieder dabei und noch ein anderer…ich tu mir echt schwer mir ständig neue Namen zu merken, vor allem wenn die Nepalesen eh nur kurz in mein Leben treten und innerhalb von 2 Stunden eh wieder verschwinden…ich konzentriere mich lieber auf die Menschen, die Eindruck hinterlassen. Nichts desto trotz. Wir laufen am Flussufer entlang zu unserem Kanu. Hätte ich gestern den Fluss nicht mit eigenen Augen gesehen, könnte ich schwören es ist Nebel über einer Wiese…Es ist wirklich wie die Nebel von Avalon. Es fehlt nur noch Morgan…Das Kanu ist wie aus alten Zeiten aus Holz. Dieses Mal schliesst sich uns noch eine kleine Gruppe an, wir sind insgesamt 9 Mann im Boot – natürlich alle mit Schwimmwesten. Die würden uns beim Kentern zwar retten, aber wer rettet uns dann vor den Krokodilen? Ziemlich wackelig das Ganze und wenn man erst mal auf seinen kleinen Holzstuhl im Kanu sitzt, sind es gerade mal sage und schreibe ca. 10 cm Spielraum zwischen Bootskante und Wasser. Wenn wir da in eine Strömung kommen oder eine kleine Welle kommt…ich glaube dann schwappt das Wasser ins Boot oder wir ins Wasser. Ich fühle mich vor und strecke kurzerhand meine Hand testend in den Fluss um mich für den Fall und die Kälte vorzubereiten…wow…ca. 23 Grad…ziemlich warm…wärmer als die Aussentemperatur, die ziemlich chillig ist…sagen wir mal 7 Grad? Die Strömung reisst uns mit und man braucht nicht mal zu rudern. Der Nebel steht immer noch über dem Fluss und die Sichtweite ist gleich null…wie sollen wir da auf Flusssafari gehen? Wie auch immer, in der Stunde, die wir unterwegs sind, sehen wir sehr viele Vogelarten, Kraniche, Enten und auch zweierlei Krokodile…eine ist eine gefährdete Art in Nepal und zudem vegetarisch! Das tröstet ungemein. Unheimlich romantisch – alle sind mucksmäuschenstill und hören den vielen Vogelgeräuschen und dem Rauschen des Wassers zu…Natur pur. Irgendwann gehen wir vier an Land und die anderen fahren mit dem Kanu weiter flussabwärts. Wir setzen unsere Dschungelsafari zu Fuss fort. Vorbei an Krokodilen, die bis zu 2 km in den Dschungel wandern können, unter anderem um ihre Eier zu legen und zu brüten. Blackface Affen schlingen sich von Baum zu Baum. Rotwild ist auch ziemlich viel unterwegs und in unserer direkter Nähe. Nilpferde sind auch nicht weit – allerdings nicht sichtbar aber wir sehen ihre Fussstapfen. Der Dschungelführer warnt uns; es kann ziemlich gefährlich werden zu Fuss unterwegs zu sein, vor allem wenn Nilpferde uns sichten. Folgendermassen könnten wir bei Gefährdung reagieren: 1. den nächsten Baum hochklettern, und zwar mehr als 2 m   2. Sich hinter einem grossen Baum verstecken   3. Etwas fallen lassen, damit das Nashorn vorübergehend abgelenkt ist   4. Im Zickzack davon rennen, den das tonnenschwere Vieh kann uns nicht so schnell folgen, weil es nicht so wendig ist…

Ich fange an zu überlegen, was ich nach und nach ablegen könnte und halte nach bekletterbaren Bäumen Ausschau…irgendwie wird mir ganz mulmig…aber es wird schon alles gut gehen. Schwitz…Wir entdecken frische Tigerspuren, und kurz danach gleich wieder Rotwild.

Bean nimmt an, dass der Tiger auf Rotwildjagd ist und sich im Schilf versteckt. Das Rotwild rennt auch nicht vor uns weg, was bedeutet, sie sind zu konzentriert und spüren, dass ein Tiger in der Nähe ist…und sie wissen genau, dass wir auf alle Fälle keine Gefahr für sie sind. Unsere beiden Jungs rätseln, ob wir weiter auf Fährtenjagd des Tigers gehen wollen. Sie drehen kurzerhand um und entscheiden sich, in die Gegenrichtung zu laufen. Mit so Grünhörnern wie wir will man sich wahrscheinlich keiner Gefahr aussetzen. Kurz darauf kommen uns Wildhüter auf 2 Elefanten und einem Elefantenjungen entgegen. Die Elefanten sind einfach riesig und das Baby, ca. 5 Jahre alt, ist mit einem Seil mit der Mutter verbunden und wird eingeritten. Nach einer guten Stunde erreichen wir das Elefantenbaby Camp, wo die kleinen grossgezogen werden. Fast alle Babies sind von einem freilaufenden Bullen, der hier alle Elefantenmamis träge macht…in der Nacht kommt er ins Camp und sorgt für Nachwuchs. Manchmal lässt man auch die Weibchen für eins zwei Nächte ziehen damit das ganze nicht ganz so stressvoll für den Bullen ist. Interessant das ganze. Auf dem Weg zurück sehen wir noch Wasserbüffel, die den Fluss überqueren. Am Ufer unserer Lodge befindet sich die Badestelle der Elefanten. Ich sitze fast eine Stunde auf einem Hügel am Fluss und beobachte, wie Jungs die Elefanten im Fluss mit Steinen abschrubben und waschen. Ziemlich lustig sieht das ganze aus. Die Elefanten liegen wortwörtlich genüsslich im Wasser und pusten immer wieder Wasserfontänen über ihre Jungs.

Eine junge Japanerin will sich mit einem der Elefanten fotografieren lassen und man bittet sie, doch gleich auf einen der Elefanten zu klettern. Eine Szene für Götter – wie Bridget Jones…die Kleine ist ein wenig dicklich und tollpatschig – und schon allein auf den Elefanten zu klettern obwohl er im Wasser liegt, gestaltet sich ein wenig schwierig. Endlich hat sie es geschafft und alles im trockenen Zustand. Kaum sitzt sie, steht der Elefant auf und sie schreit laut auf. Kurzerhand steckt der Elefant seinen Rüssel ins Wasser und bewegt ihn danach wie eine Dusche nach hinten und spritzt die Japanerin pudelnass. Das ganze Drama setzt sich ca. 5 Minuten fort, bis die Japanerin komplett durchnässt ist. Als sich der Elefant mit ihr ins Wasser setzt, fällt sie kurzerhand von seinem Rücken in den Fluss und geht wortwörtlich baden. Ein heikler Moment, den das Krokodil auf der anderen Uferseite ist plötzlich nicht mehr da…aber das Fluss ist Gott sei Dank nicht tief genug und die Kleine hat sich ziemlich schnell wieder ans Ufer gerettet… Ein Bild für Götter…Nach einer guten weiteren Stunde und nach dem Mittagessen ziehen wir dann los zu unserer Jeepsafari im Dschungel. Ich verzichte auf die Safari mit Elefanten – meine Erfahrung wollte ich nicht wiederholen…mit steifen Kreuz oder kaputten Steissbein sich tagelang herumquälen…darauf habe ich echt keine Lust. Wir setzen mit dem Kanu oder Einbaum auf die andere Uferseite über und werden mit 6 weiteren Leuten und einem neuen Dschungelführer in einen offenen Jeep gesetzt. Ich sitze mit dem Führer und 2 Holländerinnen in der ersten Reihe – Blick auf die freie Wildbahn. Die Safaris sind hier komplett anders als in Afrika – was ich den Leuten in Nepal hoch anrechne. 1. Alles ist mit Kamara überwacht 2. Den ganzen Tag, auch bei Nacht, patrollieren Wachen durch den Park, um Wilderei zu unterbinden 3. Es gibt mehrere Checkpoints, wo alle Fahrzeuge nochmals kontrolliert werden (Waffenbesitz, Wilderei, Schmuggeln von Tieren etc.) 4. Es gibt vorgeschriebene Wege, die man fahren muss, man kann nicht querfeldein fahren

Was mich ebenso begeistert, man hat Seen und Flüsse und ewig viel Dschungel, Weiden, Schilffelder etc. nicht wie in Afrika hauptsächlich Steppen ….was in Afrika Dschungel bezeichnet wird, sind gerade einmal ein paar Bäume, die nicht mal 5 Meter hoch sind…es ist mehr oder weniger ein „afrikanischer Sträucher“ Dschungel…zumindest das, was ich bisher in Tanzania, Kenia und Südafrika gesehen habe. Klar, die Vielfalt der Tiere ist in Nepal vielleicht nicht so gross, aber dafür exklusiver und entspannter, weil nur eine bestimmte Anzahl an Jeeps pro Tag den Dschungel befahren dürfen und alle immer nur im Abstand von ca. 15 Min. Wir sehen während unsere Safari gerade mal 2 Jeeps. Während unserer Safari begegnet uns Rotwild, viel Vogelarten, Kraniche, Affen, Krokodile, Elefanten und zwei Nashörner, die sich allerdings so im Gebüsch verstecken, dass man sie mit Müh und Not nur wahrnehmen kann. Wir fahren insgesamt 40 km in 4 ½ Stunden durch den Dschungel, unter anderen besuchen wir auch eine Krokodilaufzuchtsfarm. Das Highlight kommt schon nach einer Stunde: wir entdecken Tigerfährten und bleiben des öfteren mit dem Jeep stehen, weil unser Dschungelführer den Tiger hört oder riecht. Tagsüber ist es eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit Tiger zu sehen oder generell sehr, sehr schwer und am frühen Morgen oder bei Nacht, wo die Tiger sehr aktiv sind, dürfen wir den Park nicht betreten. Fehlalarm. Wir fahren weiter. Wieder Tigerfährten. Wir bleiben wieder stehen und sind mucksmäuschenstill. Die anderen beiden Jeeps fahren an uns vorbei und glauben nicht an Wunder. Wir gedulden uns weiter und haben wieder kein Erfolg.

Bei der Weiterfahrt, nach ca. 5 Minuten, sagt einer der Gäste: Tiger. Der Jeep bleibt stehen und fährt rückwärts. Was wir die ganze Zeit in einer gewissen Ferne & Distanz vermutet haben, ist 1 m vor uns im Gebüsch: EIN TIGER!!! Wow, Wow, Wow…eine Tigerin…und sie rennt nicht mal davon. Sie geht in aller Seelenruhe durchs Gebüsch neben uns und wir warten neugierig, wann wir sie eventuell ganz zu Auge bekommen. Plötzlich kommt sie hinter den Sträuchern vor und läuft ganz gemütlich über die Piste, überlegt sich’s anders und läuft gemütlich vor unserem Jeep der Piste entlang bis sie sich nach guten 3 Minuten entscheidet, links von uns wieder in den Wald zu verschwinden. Wir alle zücken wie wahnsinnig wie Reporter unsere Kamaras, Telefone etc. und schiessen um die Wette Fotos…und jubeln uns zu…es ist fast schon ein Monat her, dass ein Tiger im Chitwan Nationalpark so lange und so nahe gesehen wurde – meistens nur ganz kurz und flüchtig, ohne Chance auf irgendein Foto…Nach so einem Highlight, kann kein weiteres Highlight mehr kommen! Vielleicht noch ein Schwarzbär? Bei Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg aus dem Park und bei Dunkelheit sind wir zurück in unserer Lodge. Ein erfolgreicher, erfüllter Tag voller Erlebnisse, Besonderheiten und dem Tiger!

 

Samstag, 02.12.2017

 

Chitwan National Park – Kathmandu – Durbar Square bei Nacht – tibetisch essen mit Bihendra

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

AUSZEIT – ZEIT ZUM ZURÜCKLEHNEN UND AKZEPTIEREN, DASS NICHT IMMER WAS PASSIEREN MUSS, WENN NICHTS PASSIEREN KANN…UND EINFACH GESPANNT SEIN, WAS NOCH SCHÖNES PASSIERT OHNE ERWARTUNGSHALTUNG…

 

Frühes Frühstück und los geht es Richtung Kathmandu. Der Bus fährt um 7:30 Uhr los. Sogar mit WIFI! Wow! Es steht uns eine unberechenbare Zeit bevor…vielleicht fahren wir 5,6,7 oder sogar 8 Stunden nach Kathmandu zurück. Es sind nur 265 km aber unter katastrophalen Bedingungen was die Strasse betrifft. Ein Teil der Strasse fahren wir wieder dieselbe Strecke wie von Pokhara – also mal wieder auf unendliche Schlaglöcher nah am Wegerand und neben uns die tiefe Schlucht mit dem Fluss. Wie auch immer…dieses Mal sitze ich nicht auf der Flussseite – vielleicht auch besser so…alles etwas entspannter. Im Bus sitzt auch die französische Familie mit ihren 2 Kindern, die 1 Jahr auf Weltreise sind. Sie waren auch im Camp. Sehr, sehr nett. Wir unterhalten uns über ihre bisherigen Reiseziele und künftige. Ich finde es riesig, dass sie mit Isabell, 6 Jahre und Esteban, 10 Jahre einfach losziehen – mit den Schulbüchern im Handgepäck. In Frankreich ist so was möglich – in Deutschland nicht. Ich lehne mich zurück und höre tibetische Buddha & Entspannungsmusik – einfach entspannend. Ganz nebenbei schreibe ich endlich mal persönliche Nachrichten an meine Freunde oder hinterlasse eine individuelle Sprachnachricht. Leider ist das während meiner Reise fast nie der Fall – es happert an der Internetverbindung und ich bin froh, wenn ich an alle eine Sprachnachricht posten kann, die ewig braucht, bis sie per Whats app oder Email versendet wird. Im Bus ist erstaunlicherweise sehr gutes Internet und ich habe die Zeit und Muse – es passiert eh nicht viel hier. Zeit zum surfen ist angesagt was meine weitere Reise anbetrifft und Reiseführer lesen. Irgendwann nicke ich dann zu meiner tibetischen Musik ein. Dieses Mal macht der Busfahrer wenigstens oft genug Pause und meine Blase wird nicht mehr auf Höchstleistung trainiert. Die Sonne scheint durchs Fenster und endlich ist es mir zur Abwechslung auch mal warm. Die Zeit vergeht wie im Flug obwohl es ewig dauert bis wir in Kathmandu sind: 16 Uhr. Geschlagene 8,5 Stunden! Der Bus lässt uns irgendwo in Kathmandu in der Nähe vom Busbahnhof aussteigen und wieder frage ich mich einmal, wie ich zu meinem Hotel ohne Strassenkarte finde…Ich beziehe mein Zimmer, pack meine Kamara ein und los geht es – noch ist Tageslicht und ich möchte gerne in die historische Altstadt bevor es dunkel wird. Eine kurze Stärkung mit Chai Tee und einer Samosa und los geht es. Den Weg weiss ich ja.

Estaunlicherweise sehe ich auf meinem Weg mehr als beim ersten Mal vor knapp 2 Wochen. Wahrscheinlich weil ich gelassener und mit mehr Ruhe bin. Ich entdecke unzählige kleine Tempelchen am Strassenrand und Seitengässchen, besuche eine Stupa und ein tibetisches Kloster abseits der Touristenroute und betrachte das Treiben der Nepalesen. Endlich mal nicht so viel Verkehr und die Strassen und die Sicht auch die kulturellen Highlights ist frei. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich nochmals in das Kathmandu von heute neu verlieben könnte, jetzt, nachdem durch das Erdbeben die historische Altstadt ihr Gesicht verloren hat. Aber ich verliebe mich tatsächlich neu – alles so mythisch und auf seine Weise wunderschön. Der Durban Square bei Vollmond und die ganze Tempeltürme in einem ganz besonderen Licht. Überall die ganzen Händler auf den Ruinenfeldern oder Stufen der Tempel. Überall feilschen und Verhandlungen um den besten Preis zu bekommen. Überall reges Treiben…und überall ewig alte Steine, Paläste, Tempel und Zeremonienstätte, die eine lange Geschichte über ihre Vergangenheit erzählen…das begeistert mich. Die Nostalgie, das Alte, das Vergängliche und doch noch existierende…alles vor meinem Auge, alles unglaublich erstaunlich, bemerkenswert und atemberaubend. Ich bin begeistert und muss mich leider auf den Weg zurück zum Hotel machen – Bihendra, der für mich das Trekken organisiert hat, wartet auf mich…Morgen komm ich einfach wieder und bringe mehr Zeit mit…Wir gehen zusammen tibetisch Essen – Momos mit Büffelfleisch gefüllt und scharfen Erdnuss Sosse dazu und eine tibetische Gemüsesuppe. Hmmmm. Natürlich war unsere Hauptunterhaltung über meine 5 tägige Trekkingstour und er erzählte mir noch einige Geschichten aus seiner Vergangenheit. Morgen Abend wollen wir uns wieder treffen. Er bringt mich zurück zum Hotel. Ich schaue auf die Uhr….21 h…Ich habe echt gedacht es ist viel, viel später. So geht ein gemächlicher Tag zu Ende…mehr brauch ich nicht, er war schön genug, auch wenn nicht so viel passiert ist. Ich bin sehr glücklich und zufrieden!

Rundum!

 

Sonntag, 03.12.2017

 

Kathmandu – Bodnath

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

 

 

 

Sonntag, 03.12.2017

 

Kathmandu – Boudhanath

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

MEDITIEREN AN EINEM DER SCHÖNSTEN STUPAS & HEILIGTÜMER NEPALS!!!

 

Meine Tour geht jetzt zum dritten Mal seit ich hier bin nach Boudanath um seine Stupa zu besuchen. Heiligtümer in Nepal soll man 3 x im Uhrzeigersinn umrunden…und alles ist gut und wird gut…das habe ich jedes Mal gemacht und nun bin ich zum 3. Mal hier. Doppelt hält besser!

Das Frühstück nehme ich in einem typischen tibetischen Lokal ein. Chai Tee und so was ähnliches wie scharfe Kichererbsen mit Kartoffeln und tibetische Fladen. Hmmmm…. Ich gehe die erste Runde um die Stupa und drehe die Gebetsmühlen. Bald darauf setze ich mich auf eine Bank und beobachte ewig lange die Menschen, die anstürmen um die Gebetsmühlen zu drehen und an ihrem Mala die 100 Gebetsperlen abzuzählen…so ähnlich wie bei uns der Rosenkranz.

Die meisten sind Tibeterinnen. Zwei alte Tibeterinnen setzen sich zu mir auf die Bank und tratschen ein Weilchen, bevor sie weiterziehen. Ein älterer Mönch geht und fällt auf die Knie und geht zu Boden, betet, steht wieder auf und das Ganze geht von vorne los, bis er die Stupa 3 x umrundet hat…eine Umrundung ist ca. 500 m. Meine Runde geht weiter, mit dem Kopf erhoben Richtung Stupa schauend…die Stupa hat auf sich so was ähnliches wie ein Quadrat mit darauf gemalten Augen und ein drittes Auge in der Stirnmitte…danach kommt eine „Kopfbedeckung“ und ein Schirm…es hat alles eine Bedeutung…von unten nach oben, schaut Euch also am Besten meine Bilder von der Stupa an:

 

  1. Mandala – Haus von Buddha
  2. Dome – Symbol des Universums
  3. 2 Augen – Symbol von Weisheit
  4. Harmika – Symbol der 8 edler Wege
  5. Nase – Symbol des Nirvanas
  6. 13 Stufen – 13 Stufen bis zur kompletten Erleuchtung Bodhisattvas
  7. Lotus – Symbol des Mitgefühls und Reinheit
  8. Schirm – Beschützer der drei Juwelen Buddha, Dharma und Sangha
  9. Pinnacle – Symbol von Mount Sumeru (dem König der Berge)

 

Ich höre auf meinem IPod während meines Rundganges meine tibetische Lieblingsmusik – ein Mantra: https://www.youtube.com/watch?v=0Ix9yfoDHJw

Diese Musik habe ich 2004 zum ersten Mal hier gehört und sie lässt mich seitdem nicht mehr los. Heute gehe ich alles ganz gelassen an und bin einfach im hier und jetzt. Vom tibetischen Tempel aus höre ich trommeln und ein Mönch trompetet in ein Horn – nichts wie hin, da findet eine Zeremonie statt…ich liebe es den Mönchen zuzuhören, wenn sie beten oder singen…man kommt da echt in Trance…Ich ziehe meine Schuhe aus und betrete den Tempel…Oh ja, wie herrlich, eine Hochzeit! Stillschweigend setze ich mich mit einer tibetischen Familie an die Wand und schliesse die Augen. Ich höre entspannt den Mönchen zu…Meditation pur. Das Hochzeitspaar sitzt direkt vorne vor dem Hauptaltar…allerdings würde ich einen Bräutigam, der während seiner Hochzeit mit seinem IPhone rumspielt und auch noch einen Anruf entgegennimmt, nicht zum Mann nehmen…wenn der nicht mal die Beine 30 Minuten am schönsten Tag seines Lebens stillhalten kann, dann würde ich echt den Gottestempel verlassen!

Gemächlich drehe ich nach einiger Zeit imeine Runden weiter und halte vieles mit meiner Kamara fest. Spannend. Eine Klangschale darf nicht fehlen…kurze Zeit später halte ich meine Eroberung in den Händen. Eine wunderschöne alte Klangschale aus einem tibetischen Kloster mit dem dritten Auge, Lotusblumen und geschriebenen Mantas. Was ganz besonderes…wenn auch die Schale einen kleinen Gussfehler hat – aber wer ist schon perfekt? So zieht sich der Tag hin…Um 9 Uhr war ich bereits hier…Ob Ihr es glaubt oder nicht, ich begegne bei der zweiten Runde Jam, meinen tibetischen Nachbar aus Mallorca. Wir halten ein kurzes Schwätzchen, bevor ich weiterziehe und ein junger Mönch mich anspricht und eine dritte Runde mit mir zieht…oder ist es schon die fünfte? Wir gehen zusammen einen Chai drinken und unterhalten uns. Mit 13 ist er aus Tibet geflohen – ein Monat über die Berge. Er hat seine Familie hinter sich gelassen um Mönch in Indien zu werden und ist nun in Nepal um die Heiligtümer zu besuchen.

Jetzt ist er 34. Nach Tibet zurück kann er nicht mehr – die politische Lage…Wir betreten zusammen die Stupa und drehen unsere Runde weiter und tauschen unsere Kontakte aus. Nächstes Jahr will er nach Europa reisen. Plötzlich ist er verschwunden – wie vom Erdboden verschluckt. Ich halte inne und beende andächtig meine Runden. Zurück nach Kathmandu und ein feines Abendessen an einer Imbissbude – eine Reisplatte und entspannend den Abend ausklingen lassen.

 

Montag, 04.12.2017

 

Kathmandu

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

Urlaub vom Urlaub – einfach die Seele baumeln lassen…

 

Eigentlich wollte ich ganz früh aufstehen – um 6 Uhr. Als der Wecker klingelt drehe ich mich nochmals um. Dann sehe ich halb nicht wie das Leben am Durbar Square erwacht und die Sonne über dem Weltkulturerbe aufgeht. Ich war schon so oft dort, hauptsächlich am Abend, dass es letztendlich keine Rolle spielt ob am frühen Morgen, Nachmittag oder Abend ich dort meine Runden drehe! Um 8 Uhr bin ich dann wirklich hellwach. Ich checke mein Mails und stelle fest, dass eine sehr gute Verbindung da ist…na ja, besser als sonst und so verliere ich mich bis ca. kurz vor 12 Uhr mit Bildern bei Facebook hochladen und die nächsten Tage mit Gihendra und seiner Familie zu organisieren. Gihendra habe ich 2004 kennengelernt und ich habe fast meine 10 Tage in Nepal nur mit seiner Familie verbracht. Wir hatten eine gigantische Zeit und sind seitdem in Kontakt! Morgen will ich nach Patan und sie alle besuchen! Die Vorfreude ist gross! Alles ist organisiert und jetzt erst Mal ein verspätetes Frühstück und dann neue verwinkelte Gässchen in Kathmandu entdecken! Gesättigt ziehe ich los und lande in einem Sportbekleidungsgeschäft – kurze Zeit später komme ich mit einem langarmigen Thermo Shirt und einem Fleecepulli wieder raus – seit Pokhara ist es mir eisig kalt – es wird auch immer kälter, zumindest bei Nacht. Tagsüber sind hier 24 Grad und nachts friere ich mir die Zehen ab.

Nachdem ich schon 2 Wolldecken in meinem Bett habe, ist mir immer noch kalt und dem wollte ich endlich Abhilfe schaffen. Mich wundert es eh, dass ich noch gesund und munter bin. Alles ist erkältet und krank – jetzt sogar Bihendra – er hat mir für heute Abend abgesagt – auch gut, so habe ich Zeit für mich, meine Reiseberichte und unendlichen Fotos…Bald bin ich wieder in der Altstadt von Kathmandu. Nachdem ich andere Ecken und Winkel erforscht habe, lande ich an einem herrlichen Platz mit einer Stupa, die ich im Uhrzeigersinn umgehe. Ein Spanier aus Galicien spricht mich an und wir unterhalten uns ein wenig über unsere Reisen. Er ist 6 Monate unterwegs. Bei einem Chai geniesse ich in einem Cafe den Ausblick auf die Stupa, lasse mir die Sonne auf die Nase kitzeln. Kurz darauf komme ich mit einem Israeli und 2 Nepalesen ins Gespräch und wir unterhalten uns über Gott und die Welt. In einem Bazar beim Momo essen treffe ich dann noch einen Holländer…wir tauschen uns ebenso über unsere Reisen aus. Man erfährt so immer wieder Neuigkeiten, die teilweise wichtig für das Reisen sind…Tipps und Empfehlungen und vieles mehr. Ich habe mich in den letzten 6 Wochen zusammen nicht so viel unterhalten wie an diesem Tag…gut zu wissen, dass ich noch sprechen kann…Es ist schon dunkel als ich durch die Basare ziehe und im Hotel zurück mache ich es mir bequem und gebe mir Zeit & Muse für Euch und für mich…Reiseberichte und viele Fotos…

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