Jodhpur – die blaue Stadt und auf den Spuren verlorener Welten & vergessenen Königreichen

Jodhpur – die blaue Stadt und auf den Spuren verlorener Welten & vergessenen Königreichen

Mittwoch, 01.11.2017

 

Jodhpur – Ranakpur – Udaipur  260 km, 6 -7 Stunden

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

KUNSTFERTIGKEITEN ZU SCHÄTZEN WISSEN UND ANZUERKENNEN! ES GIBT SOVIEL VON MEISTERHAND GESCHAFFENE WERKE! WAS MENSCHEN AUS DEM GLAUBEN HERAUS ALLES SCHAFFEN KÖNNEN IST UNGLAUBLICH! EGAL WELCHE RELIGION ODER WELCHER GLAUBES ES IST! WICHTIG IST NUR, WAS SIE ANTREIBT UND DASS SIE DAS GEWISSE GOTTVERTRAUEN HABEN, ES ZU SCHAFFEN UND ZU VERWIRKLICHEN! OHNE SOLCHE GENIES GÄBE ES KEINE WELTWUNDER!!!

 

Nach einem himmlischen indischen Frühstücksbüffet ohne Wartezeiten wie Tage zuvor, das fast schon Thai angehaucht und ausnahmsweise mal nicht so scharf ist, packe ich mal wieder meine sieben Sachen, sitze pünktlich in der Lobby des Hotels und warte auf Manog. In verspätet sein wechseln wir uns anscheinend ab – heute ist er an der Reihe. Gute 20 Minuten später ist er da und unsere Fahrt geht los. Es erwartet uns heute eine 6-7 stündige Fahrzeit. Wir verlassen immer mehr die Einöde und die wüstenartige Landschaft und es wird Stunde für Stunde grüner, auch die Strassen werden besser, wenn auch die Dörfer, die wir durchfahren, einfacher und die Menschen ärmer werden. In der Zwischenzeit haben wir ganz einfache asbachuralte fast schon anmutende Hütten. Die Frauen sind nicht mehr so prachtvoll gekleidet, die Männer hingegen sehen aus wie prächtige Pfauen mit ihren kräftigen, orangenen oder sogar pink farbenen Turbanen. Anscheinend gibt es hier mehr Schulen, denn uns begegnen ewig viele Kinder, dieses Mal auch Jungs und nicht nur Mädchen, in ihren braunen & hellbraunen Schuluniformen. Mit der Zeit fängt mehr und mehr Agrarlandschaft an, die unter anderem auch mit Hilfe von Kamelen bearbeitet wird. Sogar eine riesige Seenplatte liegt links von mir. Manoge stoppt, um sich mal wieder sein Energypowder zu kaufen, ich hingegen hole mir Kekse – ich brauche Zucker, um wach zu bleiben. Irgendwie wird er immer unruhig, wenn ich mit ihm aus dem Auto steige. Er lässt mich nie so richtig aus den Augen – aber ich habe keinerlei Angst und sehe auch keine Gefahr. Bald ändert sich das Landschaftsbild wieder. Es wird hügliger und fast schon tropenmässig: Palmen, Bäume mit Lianen, dichte grüne Wälder, kleine Bäche. Inderinnen kommen uns entgegen und tragen Grünzeug auf dem Kopf, Holz oder Tonvasen. Inder sind auf Fahrrädern unterwegs. In einer weiten grünen Tal Ebene halten wir dann zum Mittagessen an einem Resorthotel an. Wie üblich suche ich nach etwas einfacheren und finde gleich neben an ein Guesthouse mit vegetarischer Küche und einen super netten Vorgarten. Da es so heiss ist, ziehe ich es vor drinnen zu sitzen. Kolonialstil pur – oder besser gesagt minimalistischer Stil?

Zumindest stehen hier noch die Klimaanlagen ano dazumal und die Ventilatoren sehen aus, als ob sie gleich von der Decke fallen. Als der Kellner bemüht beides irgendwie zum laufen zu bringen, winke ich lachend ab. Das Essen ist echt sehr köstlich – Hausmannskost eben, es wird extra für mich gekocht – kein anderer als ich ist anwesend. Bei uns wäre das nichts gutes ahnend – hier in Indien aber ein gutes Zeichen? Ich bin so gut wie immer die Einzigste, wenn ich in Indien irgendwo  „einkehre“ aber biisher bin ich immer sehr gut gefahren und ohne jegliche Nebenwirkungen! Als Manoge kurze Zeit mit mir weiter fährt, kommen immer mehr Resortshotels und irgendwann geht es talabwärts tief hinein in die Aravelli Bergkette. Linker Hand sogar ein Wildlife Resort, wo man auf eine echte Tigersafari gehen kann – die Jeeps stehen schon an den Strassen gereiht und warten auf Kunden. Kein Wunder, den kurz danach ist ein grosses Eingangstor, wo der ganze Massentourismus hintransportiert wird und es könnte ja sein, dass einer sich doch noch entschliesst Tiger zu sehen: Die eine der bekanntesten Wallfahrtsorte Indiens: Die Jain Tempel von Ranakpur. Der eigentliche Haupttempel zählt sogar zu einer der Grössten! Das Ganze wurde im 15 Jahrhundert gegründet und in weissen Marmor gemeiselt. Das ganze ist dem Hinduherrscher von Mewa gewidmet. Der Haupttempel besteht aus 29 Hallen und 1444 Säulen wobei jede einzelne Säule individuell in weissen Marmor gemeiselt ist. Ein absolutes Meisterstück der Kunst, was seines gleichen sucht. Wie ein Urwald aus tausenden von Bäumen, Göttern und Elfen! Ein Anbetungsort der Ruhe und absoluten Magie! Ich hätte hier ewig verweilen können, aber wir haben noch eine ziemlich lange Fahrt vor uns und ich will Udaipur noch bei Tageslicht sehen! Die Fahrt aus dem Tal ist in Serpentinen bergaufwärts und die Strasse ist recht eng. Überholmanöver äusserst gefährlich und so düsen wir geraume Zeit einem alten Omibus hinterher. Bald wird es wieder sehr landschaftlich, Agrarlandschaft und die Berglandschaft geht in leichte Hügelform. Nach guten weiteren drei Stunden sehen wir schon das Venedig von Indien: Udaipur. Seenplatte an Seenplatte breiten sich vor uns bei dem allmählich beginnenden Abendlicht vor uns aus. ALLES von Menschenhand erschaffen! Mein Hotel liegt direkt an einem der Seen. Ein Hotel im Kolonialstil. Total urig und verwinkelt. Das Rampratrup Palace.

Ich habe ein nettes grosses Zimmer mit Erker und einem riesigem, nostalgischen Bett. Wieder einmal zum Wohlfühlen. Ich will nur noch in die Altstadt düsen und am romantischen Pichola See den Sonnenuntergang erleben. Schnurstracks bringt mich ein Tuk Tuk zum Stadtpalast, zwei Hotels in einem und gleichzeitig Residenzsitz des Maharadschas dieser Region. Jede Region hat seine eigenen Maharadschas, die allerdings keine Aristokraten mehr sind, aber immer noch sehr viel Einfluss und Anerkennung geniessen – sogenannte Könige ohne jegliche Macht. Dieser Palast zählt unter anderem zum zweit grössten Palastes ganz Indiens. Gleich neben dem Palast ist auch der See. Ich setze mich ans Ufer und schaue dem Treiben der Menschen und der Sonne am Horizont zu, bis sie verschwunden ist. Es gibt hier unheimlich viele Havelis, Brückchen, Ecken und Winkel, die sich im Pichola See spiegeln. Sieht man Udaipur von oben, weiss man ganz genau, warum es das Venedig Indiens genannt wird – ich gab es dem Namen im ersten Augenblick, bevor man es mir überhaupt gesagt hat. Ich bummle am Wasser entlang und beobachte Inder an einem kleinem Tempel am See wie sie Opfergaben bringen und Männer, die ihre Wäsche am Uferrand schrubben. Ältere Inderinnen sitzen vor einem Tor mit Blick auf dem See und schnattern nehme ich an über Gott und die Welt. Und mich treibt der Hunger aufs Dach eines Restaurants mit Blick auf den Pichola See und den Stadtpalast. Lieber Gott im Himmel, was für ein Ausblick! Jetzt muss ich nur noch heil nach Hause kommen – wie Ihr bereits wisst, ist das in Indien ja teilweise immer ein kleines Problem. Zu den Highlights finden es die Tuk Tuk Fahrer immer, aber zurück? Seid Jodhpur zumindest habe ich dieses Tuk Tuk Fahrer Vertrauen verloren. Vielleicht führe ich ja durch mein Denken schon diese Situationen herbei? Immerhin ist es schon wieder der Fall und der Tuk Tuk Fahrer kreist durch die Nacht. Irgendwann komme ich dann doch im Hotel an und falle todmüde ins Bett. Was denkt Ihr wieviel Uhr es ist? Na??? Um 21.30 Uhr geht mein Nachttischlämpchen aus…hier scheint tagtäglich die Zeit stehenzubleiben…ich hätte schwören können es ist 1 Uhr nachts…

 

Donnerstag, 02.11.2017

 

Udaipur 

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

WACH AUF! WACH AUF! ES IST DEIN LEBEN! TU DAS WAS DIR GUT TUT UND RICHTE DICH NICHT IMMER WIEDER NACH DEN ANDEREN! TU WAS GUTES FÜR DICH! NIMM NICHT IMMER ZUVIEL RÜCKSICHT AUF ANDERE – ES IST DEINE REISE, DEINE REISE INS ICH, DEINE REISE ZU DIR! SCHLAG MIT DER FAUST AUF DEN TISCH, GETRAUE DICH, UND LASSE NICHT IMMER ALLES ZU, WAS MAN DIR AUFDRÄNGT! WEHRE DICH! SETZE DICH DURCH! IM BERUFSLEBEN IST ES EINFACH FÜR MICH, ABER IN MEINEM PRIVATLEBEN HALTE ICH MIR ZURÜCK UND WERDE ZU GERNE DIE MARIONETTE DER ANDEREN! SCHLUSS DAMIT!

 

Ein herrliches Frühstück mit Blick über den See! Gleich geht es los Udaipur zu erforschen. Ich stelle fest, dass Stadt auf alle Fälle mit die sauberste ist, die ich bisher in Indien gesehen habe. Der Reiseleiter wartet auf mich vor dem Stadtpalast. Wir begeben uns direkt zum indischen Tempel Jadisch. Es wird gerade eine Tempelzeremonie abgehalten. Mein Reiseleiter hat es ziemlich eilig und lässt mich bald alleine, als er spürt, dass mein Interesse nicht 100% ihm gehört. Wie denn auch? Ich will liebe den Tempel bestaune und nicht seinem unverständlichen Englisch zuhören. Jedes Mal wenn ich ihn frage, mir es nochmals zu wiederholen was er gesagt hat, ist er super genervt und gibt mir eine giftige Antwort. Da bin ich lieber alleine. Zeit für mich!

Der Tempel ist auch von aussen sehr beeindruckend mit seinem Turm, der bis ins Detail mit Götterfiguren ins weisse Marmor gehauen ist. Eine indische Schülergruppe will Selfies mit mir schiessen. Was für ein Geschrei und Gejubel einen Touri zu sehen. Bald fangen nochmals die Glocken des Tempels laut an zu läuten – für mich ist es wie ein Symbol, ein Symbol des Aufwachens und des Mottos des heutigen Tages. Sämtliche indische Frauen knien anbetend vor dem Altar und ihren Götterfiguren. Der Priester segnet sie und sie fangen an zu singen. Ausser den Priestern gibt es keine weiteren Männer zu sehen. Sie sind am arbeiten und ihre Frauen am beten. Auch ne gute Lösung – das muss ich mir mal für die Zukunft merken! Ich hole schnell meine Schuhe beim Aufpasser ab, wie üblich war ich mal wieder im Tempel mit meinen Tempelsocken unterwegs, Gott sei Dank nicht barfüssig. Mein Reiseleiter – weiss Gott wie er heisst, führt mich gestresst zum Stadtpalast, der auf einem Felsvorsprung steht.  Seine Aussenfassade besteht aus gelben Gestein und ist überseht mit verzierten Balkonen und Türmchen. Ich komme mir vor wie eine Japanerin auf Durchreise. „You can take a picture“ und schwubs die wups ist er im Stadtpalast Museum verschwunden. Hier drin ist es wie in einem Labyrinth. Der Palast ist aus dem 16 Jahrhundert aber jeder Herrscher hat natürlich das Seine hinzugefügt …insgesamt 11 weitere Paläste, die nahtlos ineinander übergehen. Und das ist also das Ergebnis der vergangenen 400 Jahre: Die ganzen Räumlichkeiten im Innern erinnern deutlich an Indiens Kolonialzeiten. Der Vorgänger vom jetzigen Maharadscha war sehr von der englischen Krone beeinflusst.  Die Kronleuchter an den Decken sind zum grösstenteil vom Buckingham Palace, wie mir mein Reiseleiter verrät. Ach wirklich? Was hängt dann in dem Buckingham Palace in London? Ich frage nicht länger nach. Die Wände sind allerdings immer noch sehr schön mit Miniatur Malerei bemalt – sämtliche Gottheiten Indiens. Ewig viele Säulen von Raum zu Raum und die Decken und Fenster mit buntem Spiegelglas, in dem sich das Licht bricht und man sich teilweise wie in einer Disco vorkommt. Aber alles ist lange nicht so prachtvoll wie in all den anderen Palästen, die wir bisher in Rajasthan gesehen haben. Ich glaub ich bin allmählich schon sehr verwöhnt. Der Stadtpalast ist natürlich trotzdem unbeschreiblich schön – ich vergleiche lediglich. Bestechend durch seine Lage am Pichola See. Ich komme mir vor wie auf der Flucht, mein Reiseleiter jagt mich mit kurzen Kommentaren von Raum zu Raum. „Picture please“ – anscheinend sein Lieblingsspruch. Zeit für Bewunderung bleibt nicht lange – der Palast ist brechend voll mit Touristen und man muss teilweise Schlange stehen um in den Königsgemächern, die nur durch vereinzelte Türen einsehbar sind, einen Schnappschuss zu erhaschen. Zu guter letzt sehen wir von weitem den jetzigen König, bevor wir den Palast verlassen, um mit einem Boot auf dem Pichola See eine Runde zu drehen. Hier wird nochmals deutlich klar: Udaipur – das Venedig Indiens! Der Herrscher hatte in Udaipur sogar seinen eigenen „Lustgarten“ – der ein wenig ausserhalb und jetzt öffentlich zugänglich ist. Seine „Königinnen“ und Konkubinen hatten in diesem herrlichen Garten sogar einen eigenen Brunnen zum Baden! Nachdem meine Führung zu Ende ist, bin ich ausnahmsweise mal heilfroh, wieder alleine zu sein und frei Schnauze meinen Weg wählen zu können. Es zieht mich mit dem Tuk Tuk in das Kunsthandwerkerdorf Shilpgram. Als mein Tuk Tuk Fahrer plötzlich ziemlich weit ausserhalb der Stadt ohne jegliche Zivilisation mich fährt, wird es mir schon ein wenig mulmig. Was mache ich, wenn irgendetwas passiert? Bald sehe ich Touristenbusse und meine Sorge ist vergessen. Gott sei Dank! In dem Kunsthandwerkerdorf gibt es einiges zu sehen. Es stellt vor allem verschiedene Regionen Indiens vor und wie die Menschen dort leben, sprich nachgebaute Häuser, Hütten, Zelte, samt Dekoration und immer mit einer Puppe, die die entsprechende Tracht der jeweiligen Region trägt. Im Dorf selber leben natürlich auch verschiedene Völkergruppen, die hier ein wenig ihren Traditionen nachgehen und ihr Handwerk verkaufe. Um verschiedene Uhrzeiten werden auch Volkstänze aufgeführt. Eine willkommene Abwechslung und sehr interessant gestaltet. Die einzelnen Kostüme sind unheimlich prachtvoll. Leider darf man nicht fotografieren! Mein Rückweg gestaltet sich äusserst schwierig. Als ich das Dorf verlasse bin ich echt verlassen. Kein fahrbarer Untersatz. Alle Tuk Tuks, die erwerbbar wären, warten noch auf ihre Kunden. Der Fahrer eines Kleintransporter empfängt seine fünf Männer, die ich auch schon vorher im Dorf gesehen und die mich bereits schon angesprochen hatten. Sie fragen mich, ob sie mir helfen können. Ich meine nur: „No Tuk Tuks?“ Hmmmm…Sie bieten mir an, mit ihnen mitzufahren. Sechs Männer und eine Frau? Gang Bang?

Oder hier im Künstlerdorf schlafen? Letztendlich steige ich in ihren Wagen. Bin ich mutig oder wahnsinnig? Ich setze einfach zu viel aufs Spiel aber die sehen ja eigentlich ganz nett aus.

Viel englisch können sie nicht und wir unterhalten uns mit Hand und Fuss. Nichts passiert. Sie bringen mich sogar mit Navigator zurück zum Hotel – und wie es sich zum Schluss herausstellt , bin ich in den sichersten Händen: Sechs Polizisten auf Betriebsausflug! Ich bin aber auch ein Glückskind! Im Hotel wartet bereits eine Nachricht für mich. Sabine hat angerufen. Sabine ist eine sehr nette Dame, die ich vor meiner Reise bei „Reisepartner gesucht.de“ kennengelernt habe und Reitersafaris in Indien anbietet. Leider passten unsere Reisetermine nicht zusammen und so tauschten wir unserer Routen, Hotels & Daten aus. Sie ist reinzufällig heute in Udaipur und will mich sehen. Natürlich will ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und schon wieder sitze ich in einem Tuk Tuk, dieses Mal vom Hotel angeheuert, und lasse mich in das Boheda Palace Hotel fahren, dass direkt hinter dem Stadtpalast ist und von seiner Terrasse aus einen umwerfenden Blick darauf bietet. Sabine freut sich – ich natürlich auch! Sie kommt mit zwei Frauen an, die auf Reitsafari mit ihr sind und mit dem Besitzer des Reiterhof, dem wie sich später herausstellt das Boheda Palace Hotel gehört – ein Kleinod inmitten von Udaipur und sehr empfehlenswert. Wir nehmen ein göttliches Abendessen zusammen ein und lassen uns so richtig von der Küche verwöhnen. Natürlich könnt Ihr euch denken, dass wir uns einiges zu erzählen haben. Pleiten, Pech und Pannen in Indien und selbstverständlich auch das Schöne, das keinesfalls fehlen darf! Was für ein besonderer Abend! Für den Heimweg wird einem Tuk Tuk Fahrer genaustens erklärt, wie er zu meinem Hotel kommt. Was das Ende vom Lied ist brauche ich Euch nicht zu erläutern – Ihr wisst es eh schon! Wenn einer eine Reise tut…

 

Freitag, 03.11.2017

VID_20171104_100429

Video: Auf dem Rücken der Kamele – Pushkar Fair

Udaipur – Nathdwara – Pushkar 300 km, 7 – 8 Stunden

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

SICH GESEGNET FÜHLEN & EINFACH GLÜCKLICH SEIN! MIT OFFENEN AUGEN & ARMEN SEHEN, ERLEBEN, FÜHLEN, SPÜREN, SCHMECKEN, RIECHEN, EMPFANGEN…MIT ALLEN SIEBEN SINNEN DABEI SEIN! ENERGIE & POSSITIVE AUSSTAHLUNG!

 

Für dieses besondere Frühstück am See stehe ich sehr gerne pünktlich auf! Schliesslich will ich den herrlichen Ausblick geniessen – wann hat man schon „mehr“ vor den Augen! In der Zwischenzeit mache ich schon alles mögliche bei längeren Autofahrten. 7 -8 Stunden stehen uns bevor. Heute nähe ich. Ja, Ihr habt richtig verstanden, ich nähe. Mein Kamarahüftgürtel hat sich einseitig gelöst. Ich will die Hände beim Fotografieren frei haben und nicht eine rumschwenkende Kamaratasche laufend um mich rum haben. Schnell bin ich damit fertig. Die Betriebsanleitung meines Blitzes lese ich als nächstes durch. Wenn wir überland fahren gibt es immer interessantes zu sehen – aber bei Schnellstrassen mit Baustellen kann ich meine Aufmerksamkeit gerne auf was anderes richten. Nach ca. 4 Stunden Fahrt kommen wir in Nathdwara an. Die Strasse zum Tempel ist abgesperrt. Manoge meint, ich soll eine Rikscha nehmen. Ich streike. Ist nicht mein Problem, das sollte eigentlich die örtliche Reiseagentur wissen und mich nicht ins Nirgendwo auf eigene Faust zu einem Tempel schicken, wo er noch nicht mal weiss wo er ist. Ausserdem habe ich diesen Ausflug bezahlt und jetzt soll ich zu überhöhten Preisen eine Rikscha nehmen? Manog lässt genervt das Auto stehen. Zweite Konfrontation nach Delhi, aber man muss sich nicht alles gefallen lassen, oder? Siehe mein Motto vor einem Tag! Komischerweise findet Manog Gefallen an diesem kleinen Ausflug und Abwechslung. Er sitzt lächelnd neben mir! Nathswara könnte authentischer nicht sein! Der Tempel dort ist Krishna gewidmet, Nath bedeutet das Tor zu Gott. Wieder ein ganz besonderes Wallfahrtsort – und ein ganz ursprüngliches dazu. Kein Tourist weit und breit. Eine komplett andere Welt. Inder von überall her um den Segen in diesem Tempel zu erhalten. Bald müssen wir den Rest zu Fuss gehen und wir schlängen uns durch die Menschenmassen. Jeder will mich anfassen. Am Tempel selber muss ich dieses Mal selbst die Socken ausziehen, auch die Kamara muss ich abgeben! Will ich das wirklich? Oh jeh. Bald darauf laufe ich auf Zehenspitzen angeekelt Richtung Tempeleingang. Wir werden abgewiesen! Das ist der Tempelausgang! Wir müssen den ganzen Markt und Basar durchqueren und das ohne Schuhe! Mit nackten Füssen! Tief durchatmen! Manog findet das auch nicht klasse! Augen zu und durch. Ich laufe wie auf Wolken und fang an, das ganze zu geniessen! Hygiene hin oder her – ich schaffe es sogar auf eine öffentliche Toilette barfuss zu benutzen. Eine Toilette mit mehreren Toiletteneinlässen nebeneinander ohne Blickschutzwende! Gott sei Dank nur für Frauen! Gott sei Dank ohne Ratten! Und Gott sei Dank bin ich alleine! Hoffentlich bald beim Tempel. Die Tempeltüren sind noch verschlossen. Vor der Türe stehen Familien mit ihren bemalten Kühen mit Messinghörnern und Opfergaben. Ich schaue mir schon mal die anderen Tempelchen an, bevor ich das Bildnis von Krishna zu sehen bekommen. Plötzlich stehe ich im einem Polizeibüro. Die Polizisten versuchen mir zu erklären, dass der Tempel erst in einer Stunde seine Pforten öffnet. Schade aber auch. Wozu all das ganze Gehabe um letztendlich nicht die liebe Krishna zu sehen? Nicht zu sehen, wie sie im Shri Nathji Tempel das Bildnis Krishas anlässlich einer Tempelzeremonie geweckt, gewaschen, gekleidet, gespeist und zu Bett gebracht wird? Man führt mich in einen weiteren Raum, wo auch eine verschlossene Türe zum Tempel ist und wo viele Pilgerer schon sehnsüchtig auf die Öffnung des Tempels warten. Ein Priester ruft mit zu der mit handbemalten Hakenkreuzen übersäten Tempelwand, den sogenannten „Swastikas“ (Glücksymbol in Indien). Ich weiss wirklich nicht was er will! Bald darauf lehnt er seine Stirn betend an die Wand und deutet mir an es ihm nachzutun. Ahhhh! Klar doch! Anbetung! Ich bin ganz glückselig! Wenn ich auch Krishna nicht zu sehen bekomme, habe ich doch die Ehre hier zu sein und sie anzubeten! Danke! Auf dem Rückweg ziehe ich sämtliche Blicke auf mich. Manog geht stolz neben mir. Wir beide barfuss. Ja wenn ich da nicht allmählich immun auf alles werde. Bei der Hygiene in Indien! Wir holen unsere Schuhe und meine Kamara ab und machen uns auf den Rückweg zum Auto. Wunderschöne Menschen hier. Ein exklusives Erlebnis. Und ob Ihr es glaubt oder nicht, als ich meine Füsse im Auto desinfiziere und säubere, ist mein Feuchttuch so gut wie gar nicht schmutzig, obwohl ich das Gefühl hatte durch Dreck zu gehen. Das hat mich wahrhaftig erstaunt. Auf unserem weiteren Weg wird die Gegend super arm. Inder leben in Lehmhäuser und sind sehr spärlich gekleidet. Mit Bambusstangen versucht man die alten Häuser teilweise von dem Einfallen zu retten. Es sind sogar Wohnzelte am Strassenrand aufgebaut und das direkt an der Autobahn. Selbst die heiligen Kühe haben kaum was zum fressen. Sie suchen ihre Nahrung auf der Autobahn und zwischen beiden Fahrtrichtungen – denn da wächst zumindest ein bisschen Gras, was abseits davon nicht so aussieht. Mit Bambusstangen versucht man die alten Häuser teilweise von dem Einfallen zu retten. Das macht mich traurig. Indien von einer nicht so schönen Seite. Irgendwann geht es serpentinenmässig bergab und es eröffnet sich uns ein weites, grünes Tal. Der Verkehr wird auf der engen Landstrasse immer dichter und plötzlich stehen wir im Stau. Es sieht fast so aus als ob wir uns Pushka nähern! Die Kamelmesse! Eines der grössten Kamelmessen Indienweit!

Diese Messe und Pushka zu besuchen ist ganz oben auf meiner Wunschliste! Ich habe auch noch das grosse Glück, das heute Vollmond ist und viele Pilgerer nach Pushka kommen da dazukommt, dass heute Brahmas Geburtstag und dass in Pushka der einzigste Brahmatempel weltweit ist! Ich bin super happy! Wir brauchen einige Zeit und mit vielen Umwegen kommen wir dann eine halbe Stunde später im Hotel an. Es ist 16 Uhr. Ich bereite mich auf die Sight Seeing in Pushka vor und mein Reiseführer Abbi nimmt mit in Empfang. Das wird sicherlich ein spannender Spätnachmittag und Abend heute. Wir fahren los, mit dem Motorrad und anschliessend marschieren durch Menschenmengen ins Altstadtlabyrinth. Fahrzeuge sind während des Festivals verboten. Alle Häuser sind sehr alt und weiss getüncht. Es erinnert mich ein wenig an die weissen Dörfer in Andalusien – natürlich nicht so gepflegt und nicht ganz so hübsch. Pilgerer aus ganz Indien und aus sämtlichen Dörfern ringsum in allen ihren bunten und besten Trachten und Kostümen. Die Frauen wirklich wie aus dem Abendland. Zum grösstenteil mit ihren durchsichtigen Schals ihre Gesichter versteckt. Wir machen uns zuerst auf den Weg zum Brahmatempel und kaufen unterwegs Blumen zu seinem Geburtstag. Wieder einmal das ewige Leid mit den Schuhen ausziehen, dieses Mal dürfen wir die Strümpfe anlassen. Auf den Weg in den Tempel erklärt Abbi mir die wichtigsten Götter Indiens: G O D = G für Brahma, O für Vishnu, D für Shiva. Brahma opfert man kein Geld, aber Blumen. Tausende Inder in Reih und Glied, alle mit Opfergaben und Blumen. Alles tanzt und singt und ruft Brahmas Namen. Bei Brahma angekommen, darf ich ihm die Blumen zuwerfen. Weiter geht es zum heiligen See in Pushkas Mitte. Immer einmal im Jahr, zu Vollmond und zu Brahmas Geburtstag, kann man sich was wünschen und durch ein Bad im See sein Karma reinwaschen. Man wird von einem Priester empfangen, der einem segnet und dann darf man den Rest seiner Blumen und einer Kokosnuss mit sich selber in den See „werfen“. Ich belasse es bei den Blumen. Die menschenfressende Krokodile haben die Britischen Kolonialmächte zwar aus dem See verbannt, aber da geh ich jetzt wirklich nicht baden – nicht einmal mit den Füssen. Trotzalledem bin ich zu Tränen gerührt – ich finde es was ganz Besonderes, dass ich dieses Ritual miterleben und am eigen Leib mitverspüren darf! Meine Wünsche verrate ich Euch allerdings nicht! Wir kämpfen uns durch die Menschenmassen zur Kamelmesse und Volksfest. Sonnenuntergang. Überall bunt dekorierte Kamele und Kamelkutschen. Seltsamste Riesenräder und Bespassigung für Gross und Klein und ein wenig abseits die Normaden mit ihren Zelten. Essenstände soweit das Auge reicht und alles ist auf den Beinen was man sich nur vorstellen kann. Eine gute Stunde später sind wir wieder in der Altstadt bei Abbis Freunde an einem Stand zum Massala Tee eingeladen. Abbi ist ein toller Führer – wir haben uns auf Anhieb super verstanden und können nicht voneinander loslassen.

Wir sitzen ziemlich lange am See und schauen dem Treiben zu – die Ruhe tut gut, endlich mal

keine Hektik. Ein Freund von ihm hat in unmittelbarer Nähe ein Hotel mit einem Balkon mit Blick

zum See. Wir nehmen noch einen Drink zu uns und schnattern ewig weiter. Eine super

gemütliche Atmosphäre, aus der man sich ungern reissen lässt. Durch den ganzen Trubel und

Gesang gehen bringt er mich letztendlich zurück zum Hotel und eine berauschende, einmalige

Vollmondnacht geht zu leider Ende. Ein ganz besonderer Tag.

 

Samstag, 04.11.2017

Pushkar – Jaipur  200 km, 3-4 Stunden

 

Video: Jaipur “Fast Food” kulinarische Küche die seinesgleichen sucht

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

EIN NEUER TAG, EIN NEUER ANFANG, EIN NEUES KARMA?

MEINE WÜNSCHE VOM GESTRIGEN TAG SCHEINEN SCHON IN BEWEGUNG ZU KOMMEN!

NA DA BIN ABER JETZT MAL GESPANNT! TROTZALLEDEM SIND WIR DER MEISTER UNSERES LEBENS, WIR KÖNNEN DINGE ÄNDERN UND BEWEGEN! WIR SIND UNSERES LEBENSSCHMID!

WIR SENDEN UNSERE WÜNSCHE ANS UNIVERSUM – MIT UNSEREM GANZEN HERZEN IM HIER UND JETZT UND MIT DEM GEFÜHL, DASS ALLES SCHON DA IST! WIR BRAUCHEN NUR NOCH SINNBILDLICH DANACH GREIFEN – WIE NACH DEN STERNEN!

 

Es ist 6:45 Uhr – gähn! Die Sonne ist bereits aufgegangen und draussen haben wir noch ein wenig Frühnebel! Das war eine Nacht! Die ganze Nacht wurde hier gefeiert und musiziert und ich wurde glaube ich hundert Mal während meines Schlafes gesegnet – den die Predigten auf Hindu nahmen kein Ende! Ein wortwörtlich hypnotisierender Schlaf! Koffer packen und mich mit dem Frühstück stärken für den Tag! Da das gesamte Pushkar immer noch komplett abgesperrt ist, bin ich zu Fuss zur Camelmesse unterwegs. Der Hotelempfang erklärt mir den schnellsten Weg durch die Altstadt. Ich mache mich auf dem Weg – tja, ob das ne gute Idee war. Menschenmassen strömen zu den Tempel am See um ihre Prieserweihen zu erhalten und um ihr Karma reinzuwaschen. Gehen brauche ich nicht mehr – ich werde geschoben und ab und zu für einen Selfie für gesamte indische Familien angehalten. Schliesslich wollen sie eine Attraktion mehr: ein Selfie mit einer blonden, blauäugigen Verrückten, die sich traut hier mit dabei zu sein! Da ich nicht sehr schnell weiter komme, versuche ich eine Abkürzung um den See einzulegen – aber hier ist alles noch viel schllmmer und alles stürmt in und aus dem See und barfussig will ich auch wieder nicht um den See gehen, zudem ich meine Schuhe nicht tragen, sondern zurücklassen muss…sogenannte Einbahnstrasse. Ich beobachte ein wenig das Treiben und hoffe, dass kein Krokodil mehr im See ist und auch nicht unterirdisch Zugang zum See findet – bei soviel badenden Indern wäre das ganz und gar nicht schön. Kurze Zeit später lasse ich mich weiterschubsen. Nach einer guten Stunde bin ich endlich auf der Kamelmesse. Hier geht es genauso rund und ich versuche so schnell wie möglich mich zum Kamellager durchzuschlagen. Heute versuche ich es mit einem Video – eine ziemlich wackelnde Angelegenheit, zudem will jeder ein Selfie von mir und mein Video ist so nicht unbedingt ein Hit aber eine wortwörtliche Wiedergabe des Chaoses auf der Messe und immerhin habe ich eine unmenge von Kamelen mit ihrer wunderschönen Dekoration eingefangen. Bald habe ich genug Fotos und die Inder auch genügend Selfies von mir. Auf Umwegen versuche ich den Menschenmassen zu entfliehen und gehe kreuz und quer und hoffe nicht ganz den Orientierungssinn zu verlieren. Ich will nur noch einen Drink und ne Kleinigkeit zum Essen. Mich treibt es wieder in das Radhika Garden Restaurant direkt am See, mit dem ich gestern schon mit Abbi war – wie ich das wieder gefunden habe ist mir ein Rätsel. Eine Oase der Ruhe. Ich setze mich auf Sitzkissen und einem kleinen Opiumtischchen an einen Balkon und schaue auf dem See und beobachte…die Seele baumeln lassen und mich stärken bei einer Lemon Soda und Porridge mit frischer Ananas. Indische Musik und Priester behallen die Umgebung. Nach einer guten Stunde an diesem faszinierenden Ort mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel.

Wieder einmal fällt es mir schwer einen glückseligen und magischen Ort zu verlassen. Gerne hätte ich noch mehr reingefühlt! Weiter geht unsere Fahrt nach Jaipur, aber das Rauskommen aus Puskhar ist gar nicht so einfach. Absolutes Verkehrschaos hier. Aus einer einspurigen Landstrasse wird eine 4 oder 5 spurige – wir sind ja immerhin in Indien. Die Besucher, die gerade zur Kamelmesse kommen möchten haben eben Pech gehabt…sie müssen sich wortwörtlich den Weg freikämpfen! Da es natürlich nicht uneingeschränkte Verkehrsmittel gibt, wird jeglicher fahrbarer Untersatz raus aus Pushkar bis zum geht nicht mehr genutzt. Überladene Busse, Transporter, Tuk Tuks, Autos, Mopeds…der glatte Wahnsinn! Ich nutze die Gelegenheit tolle Fotos zu schiessen – wir stehen ja im Stau, meine menschlichen Motive können nicht weichen! Genial!Nach guten drei Stunden erreichen wir Jaipur. Alles was ich sehen kann ist eine 3 spurige Autobahn und ewig viel Verkehr. Noch nichts von der rosaroten Stadt zu sehen. Das ziemlich neue Hotel ist leider etwas ausserhalb, aber sehr charmant und sauber. Schön indisch dekoriert und grosse Zimmer. Mein Rezeptionist rät mir davon ab, in die Altstadt zu gehen. Zuviel los an einem Samstagabend und ein wenig gefährlich. Das alles sollte mich eigentlich herausfordern, aber ich ziehe eh einen gemütlichen Abend vor – für heute habe ich gigantisch viel erlebt und gesehen! Aber auf ein kleines Abendessen kann ich auf alle Fälle mal kurz um die Ecke schauen. Ich treffe die vierspurige Zubringerstrasse nach Jaipur Innenstadt an, die zu überqueren ist ein wirkliches Drama. Irgendwie schaffe ich es und lande in einem Strassenlokal mit Ladyfingers, frittiertem Reis und süssem Lassi. Was für eine göttliche Küche!

Gute 40 Minuten später liege ich relaxt auf dem Bett und bereite mich für den morgigen Tag in Jaipur vor.

Schreibe einen Kommentar

Sorry, your request cannot be accepted.(2)

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*