Tag 3 im hohen Norden Vietnams oder Traum oder Wirklichkeit

Tag 3 im hohen Norden Vietnams oder Traum oder Wirklichkeit

Donnerstag, 21.12.2017

 

Dong Van – Pleiten, Pech & Pannen – Mai Pi Leng Pass – Meo Vac – Lol Lols – Lung Tam – Ha Giang

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

DIE WELT IST VOLLER WUNDER & SCHÖNHEITEN…UND ES GIBT IMMER WIEDER EINE STEIGERUNG…UND DAS ALLERSCHÖNSTE DARAN IST, DASS MAN NIE WEISS WANN DIE NÄCHSTE KOMMT…

 

Das Drama beginnt schon am frühen Morgen…zuerst kommen meine Schnapsnasen nicht aus dem Bett, dann braucht das Frühstück ewig bis es serviert wird obwohl es sich lediglich nur um 4 Pfannkuchen und zwei Kaffee und zwei Tees dreht und letztendlich springt unser Jeep nicht an. Wir vier wissen genau, woran es liegt…der Batterie…aber wie macht man es einem Fahrer weiss, der nur Auto fahren kann und nicht mit der Technik seines Wagens vertraut ist? Wir schieben den Wagen an in der Hoffnung, dass er anspringt aber unser Fahrer Juan bremst ab anstatt den Wagen anzuzünden und Gas zu geben…Mensch Meier…ist das so schwer. Nach mehreren Anläufen steht der Jeep mitten auf der Strasse und nichts passiert. Keiner will uns so recht helfen und jeder winkt ab. Gott sei Dank kommt eine Dame vom Hotel mit dem Moped vorbei uns wir erklären ihr, was Juan tun soll. Irgendwann kommt er mit einem zurechtgeschnitzten Kabel zur Überbrückung mit einem anderen Jeep aber keiner weiss genau wie es funktioniert. Schliesslich kontaktiert er unser Hostal und man nennt ihn eine Werkstatt um um Hilfe zu bitten. Er ist fest davon überzeugt, dass ein Öl im Wagen tiefgefroren ist…und deswegen der Wagen nicht anspringt…wie denn das? Es ist nicht mal 0 Grad…geschweige denn Minusgrade…es ist ca. 6 Grad. Wie auch immer, nach guten 45 Minuten kommt ein Mechaniker, lädt die Batterie auf und der Wagen springt wieder an…Der ursprüngliche Start um 8 Uhr hat sich nun um ca. 2,5 Stunden verschoben und wir haben Hektik pur. Um spätestens 18 Uhr müssen wir zurück in Homestay vom Anfang unserer Tour sein um unsere Nachtbusse nach Hanoi und Lhin Bhin zu erreichen. Aber immerhin der Wagen läuft wieder!!! Glück im Unglück.

Kurze Zeit später sind wir auf einen der atemberaubendsten und spektakulärsten Gebirgsstrassen der Welt und passieren sämtliche Pässe. Einer davon der Mai Pi Leng Pass. Neben uns geht es tausende von Meter bergab in die Tiefe. Unser Jeep schlängelt sich die enge und kurvenreiche Strasse hinunter und wenn sich die Möglichkeit ergibt, halten wir an um das wahrzunehmen was unwirklich und wie in einem Fantasyfilm aussieht: Eine Gebirgswelt, die aussieht wie modelliert und in mehrfacher Dimension in allen möglichen Grüntönen. Zu Füssen ein türkisfarbener See, der sich wie eine Schlange durch die tiefen Schluchten schlängelt und in einem Staudamm endet. Mit der Kulisse der Berge sieht es aus wie eine Fotomontage und total unwirklich. Linker Hand schmiegt sich die Strasse in engen Kurven an die Gebirgskette. Strahlendblauer Himmel. Dieser Ausblick begleitet uns sage und schreibe 30 km. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einige Dörfer liegen wie Schwalbennester an den Gebirgswänden, die steil hinabfallen. Wir können uns nicht sattsehen an dieser Märchenlandschaft und werden immer wieder aufs Neue überrascht. An einer Aussichtsplattform machen wir halt und geniessen den Ausblick während wir Süsskartoffeln frisch vom Grill von einem Imbissstand probieren. Super aromatisch. Einfach anders. Wir düsen weiter. Über den Dächern der Welt – genau so kommen wir uns vor. Auf der anderen Seite gegenüber liegt China. 400 km bis nach Kunming und Dali im Süden von China. Auf unserer Fahr kommen wir noch an einer Schule vorbei, die wir mit unserem Besuch in den Ausnahmezustand versetzen. Juri und Nico springen Seil auf dem Schulhof und die Kinder gröllen vor Freude über die beiden Riesen. Danach gehen wir in ein Klassenzimmer und beschrieften die Tafel mit der englischen Sprache und Juri spielt Englischlehrer. Die Kinder stehen alle vor der Türe, keiner getraut sich herein aber alle lachen. Mich wunderst, dass keine Lehrer kommt und unsere Show beendet. Unsere Fahrt geht weiter. Nach guten zwei Stunden, die wir hauptsächlich mit WOWs und absoluter Begeisterung verbringen, kommen wir in Meo Vac an. Sonntags ist hier einer der traditionellsten Märkte des Nordens.

Die Minderheiten kommen Stunden von den Bergdörfern ringsum um ihre Ware anzubieten oder einzukaufen. Schade dass heute Donnerstag ist. Unser Fahrer Juan will den Mädels Geld anbieten, dass sie sich in ihre traditionelle Tracht kleiden. Die Trachten sind handgewoben, über und über mit Perlen übersät und knallbunt. Das ist die ethische Minderheit der Lol Los. Keine erklärt sich bereit uns ihre rituale Kleidung vorzuführen – das wäre sehr unecht gewesen – trotzdem schade. Wir sehen uns die typischen, zweistöckigen Holzhäuser mit Lampinions vor den Eingangstüren dafür an. Zu schade, dass so gut wie jedes Haus in der Zwischenzeit mit seltsamen Betonklötzen ersetzt wurde. Unsere Serpentinenfahrt durch die Landschaft geht weiter und ist immer noch mehr als beeindruckend. An einem typischen Dorf für Webkunst machen wir halt, Lung Tam, und sehen einem jungen Mädchen beim weben zu. Leider stirbt auch diese Tradition aus – aber immerhin besteht das gesamte Dorf noch aus urigen Holzhäusern, wo die Wäsche vor der Türe hängt und Geschirr an die Wände genagelt ist.

Viele von ihnen beten noch den Sonnengott an und haben seltsame Flaggen über ihrer Eingangstüre und ein Spiegel. Der Spiegel dient der Abwendung von bösen Geistern. Wir gehen durchs Dorf und begegnen ewig vielen Kindern – wahrscheinlich wollen sie Weisshäuter sehn und da Juri seine Luftballons verteilt finden sich schnell Trauben von Kindern ein um noch einen der Ballons zu erhaschen. Alle winken uns freudig zu, bevor wir weiterfahren. Die Kinder in Vietnam sind so zuckersüss und alle so hübsch. Die Fahrt geht weiter durch zahlreiche Obstplantagen und Stände, die sich direkt davon an der Strasse säumen. Das wird heute unser Mittagessen – wie im Schlaraffenland. Wir kaufen Ananas, Bananen, Mangos, Kakis und Äpfel. Alles zusammen lasser wir mundgerecht für uns zurechtschneiden und wir verzehren genussvoll unsere Vitaminspritzen – das Obst ist hier einfach göttlich. An einer Brücke legen wir den letzten Stopp ein, denn von hier aus kann man super schön den Flusslauf verfolgen mit den Bergen ringsum, die sich darin spiegeln. Als wir weiterfahren, sehen wir die Sonne in einem weiten Tal untergehen – ein wahrhafter Traum. Kurze Zeit später nimmt unsere Fahrt ein Ende und wir kommen in unserem Homestay Ha Giang an, wo unsere Tour vor 3 Tagen begonnen hat. Wir hätten ewig weiterfahren können um noch mehr über den Norden von Vietnam und seine wundervollen und einmaligen Ecken erfahren zu dürfen. Auf dem Weg sind uns sehr viele ethnische Minderheiten in ihren Trachten begegnet – irgendwann fallen sie einem gar nicht mehr auf, weil wir uns daran gewöhnt haben. Wir sind ein sehr gutes Gespann auf unserer Reise gewesen und hatten viel Spass – wenn man bedenkt das wir uns nicht kannten und einfach beschlossen zusammen diese Reise zu unternehmen. In Hoi An, am 30.12., wollen wir uns zu den Lunare Feierlichkeiten wiedertreffen und auch Silvester zusammen verbringen. Da bin mal gespannt! Mit Sofia gehe ich noch kurz eine Kleinigkeit essen, bevor wir uns alle voneinander verabschieden und unsere Reise weitergeht. Die Drei nach Hanoi im Nachtbus. Ich nach Ninh Binh – eine Fahrt von 10 Stunden…Schätze ich werde morgen um ca. 6 Uhr dort sein.

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