KAMBODSCHA – Preah Vihear oder die heiss umkämpfte Ruinenstätte von Thailand & Kambodscha, ein atemberaubendes Unesco Weltkulturerbe auf den Gipfeln im Grenzgebiet zweier Länder…

KAMBODSCHA – Preah Vihear oder die heiss umkämpfte Ruinenstätte von Thailand & Kambodscha, ein atemberaubendes Unesco Weltkulturerbe auf den Gipfeln im Grenzgebiet zweier Länder…

Mittwoch, 24.01.2018

 

Siem Reap – Sra Aem

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

WENN EINER EINE REISE TUT…FAHR MIT IM KLI-KLA-KLAWITTERBUS…EINFACH MITFAHREN UND ERLEBEN UND GENIESSEN…MANCHMAL IST ES GAR NICHT SO LEICHT ABER MAN KANN JA EH NICHTS DARAN ÄNDERN…ALSO ZURÜCKLEHEN UND LOS GEHT ES…

https://www.youtube.com/watch?v=01v9wALJ19w

 

Das kann ja was werden dies Fahrt! Statt um 8 Uhr geht es um 9 Uhr los mit einem asbachuralten Transporter der Marke Honda aber mit einem Mercedesstern über der Kühlerhaube. Schätze mal der Wagen hat mehr als 23 Jahre auf sich und fällt fast auseinander. Ich stehe vor dem Minibus und frage mich, wie all die Leute da reinpassen sollen – wir sind 15!!! Alle mit Koffer und Rucksäcken! Wie auch immer, reingequetscht und kaum zum Luft holen geht unsere Fahrt los. Selbst die Kofferraumtüre muss mit einem Expander zugezogen werden, weil sie sich mit den ganzen Koffern nicht mehr schliessen lässt. Ich habe mal wieder Glück gehabt. Meine Ehre ist neben dem Fahrer zu sitzen – wenn ich auch alles auf meinem Schoss habe, besser als die anderen habe ich es auf alle Fälle. Wir können es kaum glauben, als unser Fahrer nochmals anhält um noch eine Person mit an Bord zu nehmen. Einen zweiten Fahrer. Er findet Platz zwischen dem Fahrer und mir auf dem Boden. Die Stossdämpfer sind auch nicht mehr die Allerbesten und es ist ein ganz schönes Gehuppel. Kurz anhalten um die Reifen aufzupumpen und weiter geht es. Von der Strecke ist es genau die gleiche wie gestern, nur noch weiter nördlicher. Wir haben Leute an Bord, die nach Laos fahren und auch nach Kratie im Osten von Kambodscha – und natürlich mich, zu den Ruinen an der Thailändischen Grenze, Preah Vihear. Irgendwann funktioniert bei der Hitze die AC nicht mehr richtig, aber unser Fahrer wird sicherlich wissen warum das so ist. Normal ist es nicht. Kaum haben wir Koh Ker hinter uns, sprich das letzte Stück der Strecke von gestern, bleibt unser Transporter plötzlich stehen. Wir steigen bei brühender Hitze aus und unser Fahrer öffnet die Kühlerhaube. Kein Kühlerwasser mehr. Aha…jetzt weiss ich warum unter mir zwei riesige Wasserflaschen liegen – ich dachte das ist Trinkwasser für die Fahrer, aber anscheinend war ihm bewusst, welche Probleme sein Kleiner hat. Da das Wasser nicht für seinen Kühler zu reichen schein, füllt er an einem Bachlauf die Flaschen auf. Wir stehen alle nur dumm herum und hoffen, dass es bald weiter geht. Als sich der Wagen selbst nach einer guten halben Stunde nicht starten lässt, schieben die Männer an aber auch vergeblich. Irgendwann kommt die Rettung und wir werden bis zu einer Garage abgeschleppt. Wieder warten. Aber die Garage kann auch nicht helfen. Wir sitzen nun wenigstens im Schatten und können Getränke kaufen. Ein Minibus ist bereits angefordert worden. Als er endlich kommt sind glatte 3 Stunden vergangen und da wir nicht alle in den Bus passen, müssen wir uns auf beide Busse verteilen und unserer wir mit „abgeschleppt“.

Eigentlich sollte ich ja bis nach Preah Vihear fahren und dort abgesetzt werden, aber unser Fahrer überlegt sich’s anders und lässt mich an einer Kreuzung mit einer Tankstelle springen. Er braucht ja schliesslich Platz. Mir wird erklärt, dass nur meine Fahrt mit einem Taxi weitergeht. Einem sogenannten Pick up Service, der mich nach Sra Aem bringen soll…immerhin rund 88 km weiter aber 23 km von meinen Tempelruinen entfernt…besser als in die Provinzstadt zu fahren, die ca. 100 km von den Ruinen entfernt sind. Wie Ihr seht ergibt sich hier alles von alleine. Ich habe mir schon den Kopf zerbrochen, wie ich am helllichten Morgen zu meinen Ruinen von der Stadt auskomme…100 km mit dem Taxi wäre sicherlich sehr teuer geworden. Aber nun kann ich in meinem bereits gebuchten Hotel nicht einchecken…Egal wie man es macht geht es sich nicht auf, aber ich lasse mich treiben – was bleibt mir denn anderes übrig? An der Tankstelle rührt sich der Tankstellenwärter gar nicht. Eigentlich ist seine Aufgabe mir einen Taxi oder einen Minibus anzuhalten der mich mitnimmt. Jetzt steh ich am Strassenrand und halte alles an was in die richtige Richtung fährt. Da ich fast eine Stunde erfolglos bin, fotografiere ich das Dorf, während ich auf meinen Lottogewinn warte. Endlich habe ich Glück und ein Minibus mit einer Familie fährt in meine Richtung. Natürlich kassiert der Tankstellenidiot auch noch ne fette Kommission von dem Minibusfahrer ab…hoffentlich muss ich denen kein Vermögen bezahlen. Auf unserer Strecke bekomme ich immerhin Bananen und Wasser angeboten. Die Familie ist super nett und fragt mich aus, alle sprechen englisch und sind aus Phnom Phen und recht wohlhabend so wie es aussieht. Eine Mutter mit ihrer Tochter und ihr kleiner Junge von 9 Jahren. Das Landschaftsbild ist sehr karge und mit roter Erde. Hier wird viel brandgerodet und die Strasse ist eine rote Piste. Nach einer guten Stunde bin ich im Provinzkaff Sra Aem. Die Familie bringt mich gleich zu einem Hotel, wo sie persönlich den Inhaber kennen – wahrscheinlich bekommen auch sie Provision. Egal, dann bleibt mir schon das Hotelgesuche erspart. Das Ganze macht 6 Dollar. Puhhh…was für ein Glück. Das Hotel ist sehr sauber und ordentlich und ich bekomme ein grosses Zimmer mit einem herrlichen Bett. Endlich mal wieder mein eigenes Schlafgemach. Das tut ab- und zu ganz gut. Gott sei Dank wird mir gleich morgen mein Transport zu den Ruinen organisiert. Ich hatte schon Panik, dass ich das alles heute noch selber vornehmen muss. Relaxt schlendere ich nach dem Einchecken durch das Dorf zum Markt – anscheinend gibt es hier nicht viele Touris. Ich werde wortwörtlich angestarrt! Erstaunlich wieviel frischer Fisch auf diesem Markt preisgeboten wird. Er „schwimmt“ noch in Kübeln und wird erst getötet, wenn er gekauft wird. Mir tun die Fischchen leid. Sie leiden vor sich hin mit wenig Wasser und wenig Sauerstoff. Die Kinder winken mir eifrig zu. Für einen frischen Saft kaufe ich mir Mangos und Passionsfrüchte, denn eine Dame an einem Saftstand erklärt sich bereit mir den gewünschten Saft zu mixen, wenn ich ihr die Früchte bringe. Alles ist hier anders – als ich durch die Seitenstrassen ein wenig weiter in das Dorf gehe, sehe ich wieder meine Pfahlhäuser – aber dieses Mal noch ursprünglicher als alles, was ich bisher gesehen habe. Einfach zusammengenagelte „Bretterbuden“ ohne jegliche Harmonie oder Schönheit. Sogar die Holzlatten sind verschieden lang und es gibt keine Treppen sondern „Hühnerleitern“, die in die Hütten führen, die nur aus einem grossem Raum bestehen, teilweise sogar ohne Fenster und jegliches Flair. In den Hütten ist nicht viel. Matten auf dem Boden, nicht mal ein Bett und ein paar Nägel für die Klamotten und unter der Hütte eine Kochstelle und Gartengeräte oder ein „Traktor“. Mensch, und diese Menschen lächeln mich an und sind zufrieden. Nach einem kurzen überraschten Rundgang hole ich mir noch kurz an einem Imbiss was zu essen und nach dem herrlichen Sonnenuntergang am Horizont begebe ich mich erschöpft in mein Zimmerchen – erstaunlich, ich glaube das erste Mal, dass ich so richtig alle bin…

 

Donnerstag, 25.01.2018

 

Sra Aem – die Ruinen von Preah Vihear

 

MEIN MOTTO DES HEUTIGEN TAGES:

ICH BIN EIN GLÜCKSPILZ UND MIT DEN SCHÖNSTEN ERLEBNISSEN GESEGNET!

JEDEN TAG EIN NEUES HIGHLIGHT! EINFACH NIE AUFGEBEN UND IMMER AN SEINE WÜNSCHE UND TRÄUME GLAUBEN!

 

Und wieder ein Traum erfüllt: Die religiöse Tempelstätte von Preah Vihear – Weltkulturerbe!

Bei Sonnenaufgang sitze ich auf dem Rücken eines Motorrades, dass mich in einer 40 minütigen Fahrt (23 km mit miserablen Strassenverhältnissen) zu den Sandstein Tempelruinen nach Preah Vihear bringt. Vorbei an Wäldern, die immer mehr der Brandrodung zum Opferfallen, ziehen wir durch eine atemberaubende, unendliche Landschaft. Auf der Bergkette vor uns liegt sie:

Eine Tempelanlage mit Prachtstrassen, die von mehreren Dynastien vom 9. – 12 Jahrhundert gegründet und ständig erweitert wurden. Das Besondere an diesem Heiligtum ist, dass sich von den Gipfeln in ca. 400m Höhe gigantische Ausblicke auf das Umland hat, sowie auf Thailand als auch auf Kambodscha was in den letzten Jahren immer wieder zum Brennpunkt für Unruhen zwischen beiden Ländern wurde, denn Thailand ist der Meinung, dass diese religiöse Stätte zu Thailand gehört. Am obersten Gerichtshof siegte dann Kambodscha, nachdem die Anlage jedoch Weltkulturerbe wurde, fing das Gefecht um die Tempelanlage zwischen den Ländern wieder von neuem an. Angekommen muss ich erst mal schauen, wie ich auf den Berg komme. 6 km bergauf marschieren, ewige Stufen in Kauf nehmen, einen Pick up für 25 Dollar oder ein Motorrad Hin- und zurück für 10 Dollar. Ob ich mir zumute, das ganze mit dem Motorrad hinter mich zu bringen? Es soll so steil nach oben gehen, dass einige unterwegs absteigen und lieber zu Fuss gehen…Ich warte einfach geduldig, denn um diese Uhrzeit bin ich die Allererste…vielleicht kommen bald die Touris und wir können uns ein Pick up teilen? Gut Ding will Weile haben und nach einer guten halben Stunde sehe ich eine Gruppe Kambodschaner – sind es nicht die, die vorher bei mir im Hotel eingecheckt haben bevor ich ging? Tatsächlich. Minuten später sitzen wir im Pick up – ein Junge aus Singapur, ein Australier (Ex-Kambodschaner), drei ältere Kambodschanerinnen und zwei Einheimische Frauen

und ein kleines zweijähriges Mädel. Zuerst wollten die Parkwächter verhindern, dass ich als Europäerin mich mit den Einheimischen mische, letztendlich hat die vornehme, kambodschanische Dame aus Phnom Phen erreicht, dass ich mitfahren darf. Die Fahrt dauert ca. 20 Minuten. 10 Minuten davon steil bergauf und man muss sich sage und schreibe richtig festhalten, um nicht aus dem Pick-up zu rutschen. Beim letzten Stück drehen sogar die Reifen durch. Oh Weia. Aber wir kommen heil oben an und müssen jetzt nur noch einen Fussweg von ca. 1km überwinden um zu den Anfang der Tempelanlage zu kommen, die stetig grad-linig bergauf ansteigt bis zu ihrem vierten Gopuram und Heiligtum. Auffallend ist die starke Militärpräsenz auf dem gesamten Areal. Angekommen leuchtet und die religiöse Stätte mit ihren Prachtbauten regelrecht entgegen. Vom ersten Gopuram hat man einen fantastischen Blick auf die thailändische Seite und auf eine Prachtstrasse mit Naga Balustraden von 500 m Länge, die bis zum zweiten Gopuram führen mit links von ihnen ein riesiges, eingelassenes Badebecken. Das zweite Gopuram hat noch sehr gut erhaltene Ziergiebel, die mich total an die heutige Tempelarchitektur von Thailand und Burma erinnern – nichts kommt anscheinend aus der Mode. Mir kommt so vor als ob die Architektur bis heute sich nicht grossartig verändert hat – nur heute ist alles noch grösser vom Bau her aber nicht mehr so mächtig und überwältigend wie die damaligen, enormen Steinbauten mit den feinsten Steinmetzarbeiten. Wieder eine ständig ansteigende Prachstrasse, die zum dritten Gopurum führt, der über eine steile Treppe begehbar ist. Die ehemalige Residenz des Königs. Die letzte Prachtstrasse führt zum Hauptheiligtum und zum letzten Gopurum. Inmitten von Steingalerien steht auf einem Hof ein Steingebäude mit der eigentlichen religiösen Stätte, die von Mönchen bewacht wird. Dahinter ist ein riesiger Aussichtspunkt mit einem weiteren Heiligtum und einem irrsinnigen Ausblick auf die Weite Kambodschas. Um diese grandiöse Stätte anzuschauen benötige ich sage und schreibe bis 16 Uhr. Einige durchqueren die Anlage in einer Stunde, während ich mich hingebungsvoll meiner Begeisterung widme und überall bis ins letzte Detail diese religiöse Stätte in mich aufnehme und immer wieder pausiere. Sogar das Frühstück und mein Mittagessen nehme ich an dieser heiligen Stätte zu mir und lächle selig in die Welt hinein. Im Heiligtum selber verbringe ich eine gute halbe Stunde um Reiki auszuüben und um zu meditieren. Neben mir schläft sogar ein Soldat! Es gibt keine Worte für das Gefühl, das ich empfinde hier zu sein. Es lässt sich alles nicht mit Worten beschreiben. Ich bin einfach glückselig. Ich habe es geschafft hier zu sein – ohne Strapazen, ohne Umwege. Alles halb so schlimm…und ich wollte es beinahe aufgeben.

Auf dem Weg zurück treffe ich noch zwei junge Mönche, die mich segnen. Ein Motorradfahrer bringt mich dann mit rasender Geschwindigkeit den steilen Berg hinunter – am liebsten würde ich absteigen, aber der Junge würde meinen Wunsch eh nicht verstehen, also halte ich lieber durch und drücke ganz fest die Augen zu bei der Schwindelerregenden und kurvigen Strasse zurück zum Eingang. Überlebt. Mein anderer Motorradfahrer wartet schon auf mich, um mich bei Sonnenuntergangsstimmung zurück zum Hotel zu fahren. Es riecht nach Feuer, trockenem Stroh, und Sandelholz. Die Vögel zwitschern und ein Dunst liegt in der Luft. Alles in Orange getaucht.

Was für ein herrlicher Tagesabschluss. Bei Sonnenaufgang fing mein märchenhafter Tag an und bei Sonnenuntergang ging er zu Ende. Mal sehen was mich morgen erwartet…

 

 

 

 

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