IQUITOS – PULS DES AMAZONAS ODER WO DIE ZEIT STEHENGEBLIEBEN IST

IQUITOS – PULS DES AMAZONAS ODER WO DIE ZEIT STEHENGEBLIEBEN IST

Dienstag, 13.11.2018

 

Iquitos

 

MEIN MOTTO FÜR HEUTE:

BEGEGNUNG MIT DEM HIER & JETZT ODER LA VIDA TE DA SORPRESA…DAS LEBEN HÄLT IMMER ÜBERRASCHUNGEN FÜR DICH BEREIT!

LASSEN WIR ALLE GEDANKEN WEG UND BEGEGNEN WIR DEM HIER UND JETZT UND WAS UM UNS HERUM IST: DEM LAUF DER ZEIT. DIE WELT STECKT VOLLER ÜBERRASCHUNGEN UND ABENTEUER UND DER AMAZONAS IST DEFINITIV EINE ANDERE WELT! EINFACH REINTAUCHEN, WAHRNEHMEN GUT ZUHÖREN & AUFPASSEN, DENN HIER HERRSCHT SPIRITUALITÄT, HEXEREI & MAGIE…

https://www.youtube.com/watch?v=LbBLA7uvM3c

La vida te da surpresa – Das Leben gibt Dir immer wieder neue Überraschungen! Salsa von Ruben Blades

Frühstück am Wegesrand – Iquitos, Plaza de Armas – Begegnung der dritten Art: Manuel – Belen Markt – Miraflores, entspannen am Amazonas – Delfine: grau oder rosarot, bitte? – Ayahuasca oder was? – kuriose Küche & schlemmen am Wegesrand – Amazonasabenteuertour, Planung ist alles – die Uferpromenade von Iquitos – das Armenviertel auf Stelzen – Salsa auf peruanisch

 

Das Frühstück im Hostal nehme ich nicht zu mir – Brandon ist noch im Tiefschlaf und sein Wecker bimmelt nun mehr schon als 15 Minuten. Das Frühstück kann ich also vergessen, ich muss los. Die Türe in die Welt nach draussen, muss er mir trotzdem öffnen und ich wecke ihn. Mit erschrockenen Augen schaut er mich an, steht rucki zucki auf, und lässt mich nach draussen. Schnell ein frisches Orangensäftchen am Wegesrand. Ein Stadtplan hilft mir, den Weg zu der Plaza de Armas zu finden.

Und da ist er auch schon: Manuel. Mein junger Biologe & Reiseführer, der von einem der Stämme im Amazonas kommt und sich bestens mit Naturmedizin und der Flora & Fauna auskennt. Einer, der im Amazonas ohne jegliche Zivilisation überleben könnte. Ein Muskelpaket von Mann, wenn auch klein. Seltsam. Es ist als ob wir uns schon lange, lange kennen – die Kommunikation in den letzten 2 Monaten per Whats App hat uns irgendwie verbunden. Wir verstehen uns auf Anhieb.

In einem Tuk Tuk führt uns unser Weg erst mal zu einem der gefährlichsten Märkte in Peru – den Belen Markt. Hier wird mit allem gefeilscht und gehandelt was verboten ist, vor allem bei Anbruch der Dunkelheit. Schwarzmarkt vom Feinsten. Urwaldstämme verticken alles was verboten ist, von Affen, Tigerbabies, Cobras, Annakondas, Naturmedizin, die falsch eingenommen zum Tode führen kann, Magic Mushrooms etc. Die einzige Einnahmequelle, die sie haben ums sich mit der „Neuen Welt“ zu messen. Die Regierung & Polizei weiss bescheid – aber sie drehen den Kopf weg. Korruption. Nichts mit Artenschutz. Trotzdem wird keinem Tourist empfohlen, am Abend auf diesen Markt zu gehen, nicht einmal mit Begleitschutz. Viele verschwinden in diesem verbotenen Sumpf oder werden bis auf die Unterwäsche ausgeraubt. Tagsüber ist das Ganze ganz ok. Man sollte lediglich auf alles gefasst sein und keinerlei Wertsachen bei sich haben. Teilweise ist es ganz schön gruselig, wenn man all die seltsamen „Köstlichkeiten“ zum Verkauf an Essenständen sieht wie Krokodile, Schildkröten, Schildkröteneier, riesige, aufgespiesste Würmer, abgezogene Schlangen und in Flaschen eingelegte Skorpione, Ratten, Embryos und vieles mehr. Huaaaaaaa. Trotzdem habe ich Hunger und wir frühstücken ganz zivilisiert ein Brötchen mit Hühnerfleisch und trinken ein frischgepresstes Früchtecocktail mit Eier und Bier! Schmeckt lecker…wie Cafe mit einem Schuss Baileys…ich will lieber nicht wissen, was da sonst noch alles drin ist. Kurz danach gehen wir tiefer in den Markt hinein, wo uns sämtliche Gerüche begleiten, rotes Curry, Kardamom, Lauch, Frühlingszwiebeln, frisch gepresster Orangensaft…schade, dass es hierfür noch keine Aufnahmegeräte gibt, für die guten Gerüche wäre es sensationell…für all das andere lassen wir das lieber mal sein. Der Markt ist ein wahres Labyrinth, zudem voller Matsch und Pfützen. Manuel hat neue Turnschuhe mit einer weissen Sohle an, immer wieder begutachtet er mit einem besorgten Gesicht seine Schuhe. Es gibt ja Fairy Ultra – da bekommt man sie schon wieder sauber, tröste ich ihn. In einem Teil des Marktes, wo Fisch und Fleisch verkauft wird, läuft Salsa Musik und einige Verkäuferinnen tanzen im Takt. Der Markt ist riesig.

Als wir an die frische Luft kommen, eröffnet sich vor uns der Amazonas mit seinen weiten Armen und Stelzenhäusern, die bereits schon wieder auf dem Trockenen stehen. Manuel erklärt mir, dass von Juli bis Ende Oktober Regenzeit ist und die Stelzenhäuser dann total geflutet sind und man sie nur mit dem Boot erreichen kann. Teilweise sind die Häuser mit Brücken verbunden. Allmählich zieht sich der Amazonas wieder zurück und die Menschen können ihre Stelzenhäuser ohne Boot erreichen. Was jedoch zurückbleibt ist unendlicher Morast und Abfall. Der Amazonas kann zur Regenzeit bis zu 6 km breit und 45 m tief sein. Nach der Regenzeit ist er lediglich 2 km breit und 25 m tief und ist einer der mächtigsten und längsten Ströme der Welt. Woher kommt das Wort Amazonas: AMA = Krieger, Zonas = Frauen. Kriegernde Frauen. Der Name entstand, als Francisco Orella mit einer Expedition 1541 im Auftrag von Pizarro den Amazonas erkundete. Sie waren mit ihren Schiffen mehr als 16 Monate unterwegs und mussten gegen sämtliche Stämme kämpfen. Einer der Stämme hatte Frauen als Krieger, die sich unendlich gegen die Spanier verteidigten und so entstand der Name Amazonas.

Wir machen uns auf den Weg nach Miraflores, wo ein weiterer Einheimischer Markt direkt am Amazonas liegt. Auf einem schwimmenden Restaurant nehmen wir ein wenig Auszeit um den „Fluss des Lebens“ zu geniessen und beobachten das Treiben auf dem Amazonas. Was für ein reger Verkehr, fast ein schwimmender Markt mit vielen, kleinen, einzelnen Booten, die beladen mit Allemmöglichen an uns vorbeirudern. Was hier alles an uns vorbeizieht! Am anderen Ufer stehen asbachuralte Schiffe, die den Amazonas von oben bis unten befahren um andere Städte oder Stämme zu erreichen, denn Strassen gibt es hier keine, lediglich Flusswege.

Und siehe da, was für interessante Meeressäugetiere: vor uns sind Delfine auf Futterfang. Riesige Delfine, eigentlich Salzwasserdelfine, die sich irgendwann mal hierher verirrt und auch überlebt haben. Sie werden bis zu 3 Meter lang, das wusste ich auch nicht. Unter dem Wasser flutscht plötzlich mit hoher Geschwindigkeit rücklings ein rosaroter Delfin an uns vorbei. Auch er jagt seine heutige Mahlzeit. Was für ein Glück ich habe, wenige Stunden Amazonas und schon sehe ich Delfine. Auch noch die seltenen rosaroten Delfine. Einfach magisch.

Wir sitzen hier bestimmt geschlagene 2 Stunden, beobachten mit Neugierde was sich vor uns abspielt und reden über Gott und die Welt. Manuel ist ein Naturfreak und sehr lebendig, aber auch sehr spirituell. Er sieht das Leben als Geschenk, ebenso das Lachen und so geht er durch dick & dünn durch sein Leben und lässt sich überraschen vom Lauf der Welt. Er erzählt mir über Ayahuasca, einem halluzinogenen Getränk, das hier von vielen Schamanen verabreicht wird für rituelle und religiöse Zeremonien und einem in einen Trancezustand versetzt. Man bekommt Visionen und eine subjektive Erweiterung des Bewusstseins so wie ein verschärftes Gehör. Mit diesem Getränk kann er sich in die Vergangenheit oder Zukunft manövrieren, sollte aber unbedingt von einem Medizinmann oder Schamanen begleitet werden. Viele können dadurch sich auf ihre Zukunft einstellen und ein ruhigeres, entspanntes Leben führen, meint er. Für Touristen sehr gefährlich, denn eine falsche Einnahme kann zu chronischen Krankheiten und zum Tode führen…und es gibt immerhin viele Scharlatane, die nur Dollars sehen. Was den Amazonas angeht, ist diese Art von Genussmittel unter der Bevölkerung Gang & Gäbe. Eine andere Welt…Ich bin bereit, mehr zu erfahren…aber darauf einlassen tue ich mich definitiv nicht darauf.

Der Markt von Miraflores hat super leckere Essstände, wo man alles mögliche direkt vom Grill bekommt. Seien es Würmer auf einem Spiess, Krokodil oder Fisch in Bananenblätter auf dem Feuer gegart, eine absolute Spezialität im Amazonas. Wir entscheiden uns für den Fisch mit leckeren Klössen aus Bananen, Kräuter & gehacktem Schweinefleisch. Zum Fisch wird eine gehackte Sosse aus einer gelben Frucht mit scharfen Samen gereicht, die wie Ananas schmeckt. Ich trinke gegorenen schwarzen Maissaft, der wie Sangria schmeckt. Alles mit Blick auf dem Amazonas und umgeben von abgehackten Krokodilsköpfen, die zum Trocknen auf unserem Esstisch liegen – wirklich „alles“ köstlich.

Mit einem alten Holzbus machen wir uns auf den Weg zum Reisebüro, um meine 4 tägige Abenteuertour auf dem Amazonas zu planen. Das wird ein Erlebnis – ohne Strom, Wifi und ganz rural im Dschungel unter den Amazonasstämmen leben & eintauchen und ihre Traditionen & Kulturen, Nachtwanderungen durch den Dschungeln, sein Essen jagen und vieles mehr. Ohhhh….wie ich mich schon freue – und Manuel ist mit an Bord als mein persönlicher Guide! Morgen geht es los.

Auf dem Rückweg zum Hostal zeigt er mir noch die Uferpromenade von Iquitos, die gesäumt ist von alten, zerfallenen, kolonialen Palästen und alten, verrosteten Schiffen am Amazonasufer. Eine verruchte Atmosphäre aber zur gleichen Zeit ein Eintauchen in die Vergangenheit. Niemand ausser uns ist unterwegs. Die Promenade gehört uns – schon ein wenig unheimlich. Kurz danach fängt es an zu regnen.

Wir gehen durch den Matsch hinunter zum Amazonasufer und laufen durch das Wirr War von Stelzenhäusern, die bereits auf dem Trockenen liegen – das Armenviertel von Iquitos, und beobachten das tagtägliche Treiben der Amazonen. Kinder spielen unter den Bruchbuden im Matsch Verstecke oder Fussball im Schlamm. Ich hoffe die Mamas haben Persil.

Zeit zurück zum Hostal zu gehen und mein Rucksack für meine Amazonasentdeckungstour zu packen. Und heute Abend? Salsa mit Manuel und seinen Freunden…Viva la vida! Es ist anders als eine Salsatheke in Spanien. Ich stellte mir vor, dass es ein Tanzsalon ist, wo alle tanzen, aber es ist mehr wie eine Discotheke mit einer grossen Videoleinwand und DJ Pult. Der DJ spielt allerdings nur Salsa Lieder an, aber nie ganz durch und so erleben wir in Kürze sämtliche Salsarhythmen, Merenque, Bachata und die typische südamerikanische Musik. In der Kürze liegt die Würze. Manuel ist ein begnadeter Tänzer und tanzt fast ganze 2 Stunden ohne Pause mit einem halben Liter ecuadorianisches Bier in der Hand. Teilweise tanzt er auch mit mir den einen oder anderen Salsa.Die meisten Lieder kenne ich leider nicht, aber man kann ja seine Wünsche dem DJ äussern, der allerdings nicht meine Lieder aufgelegt hat bis wir gingen. Immerhin sind wir dort geschlagene 3 Stunden, bevor wir den langen Rückweg in mein Hostal antreten.

Mit dem Tuk Tuk fahren wir bei strömenden Regen durch die Wallachei, keine Ahnung wo wir sind…wir brauchen nur eine kleine Ewigkeit zurück zum Hostal. Endlich mal wieder tanzen, aber was für ein schweisstreibender Abend! Erst ist einmal duschen angesagt, bevor ich ziemlich spät ins Bett falle. Eine traumlose Nacht.

 

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