
TRUJILLO – ATEMBERAUBENDE KOLONIALE STADT DER VERGANGENHEIT
Sonntag, 11.11.2018
Trujillo – Lima
MEIN MOTTO FÜR HEUTE:
EINE KOLONIALE STADT ERLEBEN & SEIN LASSEN! MIT ALL SEINEN MENSCHEN & LEIDENSCHAFTEN!
Markt Erkundung zum Start des Tages – Die Entdeckung des kolonialen Trujillo – Palast der Extravaganz: Palacio Iturregui – Gourmetspass – Abschied von Freunden – Flug nach Lima zur letzten Stunde
Ein Marktbesuch gehört einfach immer zu jeder Stadt dazu, egal wo man ist. Man kann genaustens herausfinden, was hier Sache ist im Bezug auf Spezialitäten, Obst, Gemüse oder sonstigen Krims Krams. Und es gibt immer tolle Bars und Essstände, wo man direkt vor Ort kulinarische Höhepunkte Schritt für Schritt probieren kann, selbst wenn es nur das Frühstück ist, wie ich mir heute vorgenommen habe. Ein frisch gepresster Saft und eine gefüllte Teigtasche mit Hähnchenfleisch, was für ein Genuss. Ich durchströme den Markt mit der Hoffung des Entdeckens des Unbekannten. Hier und da seltsame Gemüsesorten oder undefinierbare Lebensmittel – aber ich entdecke dieses Mal leider nichts Ungewöhnliches was ich noch nicht kenne. So oder so ergeben sich immer schöne, bunte Fotomotive auf einem solchen Markt.
Bald bin ich auf der Suche nach schönen, kolonialen Strassenzüge und ihren herrlichen Palästen. Die gibt es hier wie Sand am Meer. Und irgendwann stehe ich vor einer der einst prachtvollsten Villen ganz Lateinamerikas im 17 Jahrhundert, den Palacio Iturregui. Jetzt ein Social Club für Mitglieder. Vor seiner riesigen, geschnitzten Eingangspforte stehen zwei Polizisten und ein älterer, elegant gekleideter Herr. Lachend spreche ich die drei an und meine nur, das es bedauernd ist, dass Sonntags in Trujillo sämtliche Museen und Sehenswürdigkeiten geschlossen sind und ich so nicht in Genuss komme, dieses einmalige, herrliche Gebäude zu besichtigen. Der ältere Herr schaut mich nur an und nickt, fragt mich wo ich herkomme und möchte wissen, ob ich dieses Kleinod gerne besichtigen möchte. Klar doch, sage ich und grinse in herausfordernd an. Und siehe da, er öffnet die grosse Holzpforte und bietet mir an einzutreten. Angst? Nein. Nichts wie rein. Die Polizei steht ja vor der Türe und wenn ich nicht mehr rauskomme wissen die schon was zu tun ist. Es empfängt mich ein riesiger Innenhof mit unendlichen Balustraden und Balkonen – ich komme mir vor wie irgendwo in New Orleans aber nicht Lateinamerika. Atemberaubend schön. Der elegante Herr stellt sich mir vor, leider habe ich seinen seltsamen Namen wieder sehr schnell vergessen – aber ein Gentleman von vergangenen Zeiten durch und durch. Er ist schon seit über 20 Jahren der Hausverwalten im Social Club. Nur die ganz Reichen bekommen hier als Mitglied Einlass und ich habe die Ehre mir es aus nächster Nähe anzuschauen. Er führt mich durch eine alte Bibliotheke, einen riesigen Empfangssaal mit Kronleuchter, einem Clubraum an einem riesigen offenen Kamin mit antiken Chesterfield Sofas, einem Ballsaal mit Zugang zu einem kleinen Garten mit Springbrunnen und einigen Sessellounges. Er bietet mir an mich hinzusetzen und ehe ich mich versehe, hat er den Arm um mich gelegt und will mehr über mich und meine Reise wissen. Mit einer eleganten Bewegung befreie ich mich aus seiner Umarmung und fange an ohne Punkt und Komma über meine Reise zu erzählen, dass ich glücklich verheiratet bin und die Liebe meines Lebens gefunden habe. Dass man immer treu zu sich selber sein muss, bevor man treu zu anderen Begebenheiten des Lebens ist und dadurch eigentlich seinen Träumen untreu wird und eher anderen Menschen einen Gefallen tut bevor man sich selber respektiert. Dass viele im Leben denken, seinen Wünschen gegenüber keusch zu sein und sich lieber von Verpflichtungen foltern lassen, bevor sie an sich selber denken. Dass ich erst jetzt und in meinem Alter festgestellt habe, wie wichtig es ist, sich selber der Erste zu sein und sich selber zu lieber bevor man anderen 100% begegnen kann! Selbstliebe! Die Liebe Deines Lebens bist Du selber und erst daraus ergibt sich alles. Ich bin überrascht, wie philosophisch ich da vor mich hinplappere. Er ist ganz erstaunt und gibt mir recht und vergewissert sich, ob ich auch wirklich den Mann meines Lebens gefunden habe und glücklich bin und greift nach meinen Händen. Klar doch. Es ist so wie es ist…und ich bin glücklich, wenn auch die ganze Story, die ich ihm auf die Nase binde, nicht stimmt. Stille. Dann steht er auf, umarmt mich und meint nur, dass er sich für mich freue und dass er inständig hofft, dass es für ihn nochmals die richtige Frau in seinem Leben, wie mich beispielsweise, gibt und ob ich alleinstehende Freundinnen habe…Diese alte Kerle geben es auch nie auf! Dann begleitet er mich zur Türe, ich bedanke mich aufrichtig und verschwinde schnellstmöglichst. Die Polizei ist in der Zwischenzeit auch verschwunden…eine Rettung von denen hätte mich sicherlich nicht erwartet. Jetzt brauch ich Nervennahrung!
Ein paar Schritte weiter ist ein schöner, alter Innenhof, der ein ausgezeichnetes Menu mit Ceviche und Steak serviert. Natürlich verfalle ich wieder einmal umgehend sämtlichen Gaumenfreuden der peruanischen Küche und lasse mich nieder. Ich beobachte während meines Genusses ein ganz junges indigenes Paar mit einem süssen Baby. Die beiden sind vielleicht gerade Mal 15 Jahre alt. Wahre Liebe. Hier ticken die Uhren anders – bei uns wäre so etwas eine absolute Katastrophe und unmöglich – in Südamerika völlig normal.
Der nächste Anlaufpunkt ist der riesige Plaza de Armas, der mit unzähligen, riesigen kolonialen Häusern umgeben und einfach einmalig schön und einzigartig ist. Ich setze mich auf eine Bank und beobachte die vielen Menschen, die den Sonntag zu einem familiären Treffpunkt nutzen und auf der Plaza de Armas flanieren. Viele fliegende Händler verkaufen Eis oder Essen und Spielzeug für Kinder. Schnell fällt mir auf, was für ein familiäres Band die Menschen hier verbindet. Es gibt auch viele Liebespaare, die auf den Marmorbänken sitzend schmusen, küssen, busieren…und posieren. Bald werden alle mit meinem Teleobjektiv zum perfekten Schnappschuss. Die liebe Liebelei.
In der Zwischenzeit ist es schon Spätnachmittag und ich renne noch kurz zu meinen Freunden vom Reisebüro, um mich von ihnen zu verabschieden, bevor ich meinen Heimweg zu meinem Hostal antrete. In wenigen Stunden geht mein Flug zurück nach Lima. Was für eine tolle Begegnung mit Trujillo und seinen Menschen. Neue Freunde, neue Verbundenheiten und eine Einkehr in die Alte Welt auf den Spuren der Vergangenheit. Bleibt nur noch der Abschied von meinem alten Haus von Rocky Docky und seinen netten Besitzern und dann nichts wie ab zum Flughafen. Und wer redet von Gefahr und Kriminalität? Nachts um 1 Uhr in Lima angekommen, gehe ich zu Fuss zurück zu meinem Hostal und der netten Familie und komme gut und heil in meinem Zuhause für meine letzte Nacht an.